60 Meter tief und schmal im Berg

geheimnisvoller Gang am Fuß des Mauracher Berges - Besuch im Bergbaustollen

Denzlingen (hg). Fast ebenerdig führt er bereits seit Jahrhunderten ziemlich genau 60 Meter tief in den Mauracher Berg. Sein „Mundloch“ befindet sich nur wenige Meter vor dem Ortsschild von Suggental, also noch auf Denzlinger Gemarkung: der „Denzlinger Stollen“. Welche Funktion er einst mal hatte, bleibt vorläufig noch ein Geheimnis. Eisenerz, wovon man dort kleine Vorkommen findet, wurden jedenfalls hier nicht abgebaut. Keinesfalls habe der Stollen zur Entwässerung anderer Stollen im Berg gedient, wie Berthold Fuchs als Fachmann am vergangenen Samstag vor Ort erklärte.

Fuchs hat mit einer Spezialkamera mit Pendelstativ (mit dem man schiefe Wände präzise darstellen kann) eine genaue Aufzeichnung von der Lage und Streckenführung des Stollens im Berg aufgezeichnet, so dass man heute zumindest ein klares Bild vom „Denzlinger Stollen“ hat. Anfangs noch gut 1,80 Meter hoch, ist er relativ leicht begehbar, ehe eine Stollenvertiefung folgt, die mit etwa 40 Zentimetern eiskaltem Wasser gefüllt ist. Im hinteren Teil des Stollens, der nach rechts abbiegt, wird dieser immer schmaler und ist mit schrägen Stollenwänden versehen, ehe er abrupt endet. Vermutlich stellte man einst (wann auch immer) die Arbeiten wegen Erfolglosigkeit hinsichtlich einer Erzgewinnung ein.

Silber und Kupfer

Warum man den Stollen so kurz vor dem Eingang ins Suggental einst überhaupt einmal anlegte, dafür hat Professor Dieter Geuenich eine plausible Erklärung: Im Suggental gab es bereits seit Jahrhunderten einen intensiven und lukrativen Bergbau mit ergiebigen Silber- und Kupfervorkommen. Nun war aber Suggental politisch jenseits der Grenze, denn es gehörte zu Vorderösterreich, die Bevölkerung war katholisch („cuius regio, eius religio“, also der Landesherr bestimmte über die Religionszugehörigkeit seiner Untertanen) während Denzlingen zum Großherzogtum Baden gehörte, dessen Bevölkerung protestantisch war. Geuenich vermutet also, dass man auf Denzlinger Seite ebenfalls etwas vom dem reichen Kuchen an wertvollen Rohstoffen partizipieren wollte und daher besagten Stollen anlegte, der allerdings mangels Ergiebigkeit nie zum Abbau von Erz Verwendung fand, wie Berthold Fuchs erläuterte.

Zahlreiche „Pingenzüge“

Weiter oberhalb des Stolleneingangs befinden sich, zahlreiche „Pingenzüge“, die vom Vorsitzenden des Denzlinger Schwarzwaldvereins, Klaus Holz, bei einem kurzen Gang entlang der einstigen Grenze, gezeigt wurden. Er führte eine interessierte Gruppe von Besuchern am Bergkamm entlang der einstigen Landesgrenze, die mit Grenzsteinen aus rotem Sandstein markiert ist, zu besagten „Pingen“. Das Alter der Pingenzüge auf dem Einbollen sei noch nicht mit Sicherheit bestimmt worden. „Pingen“ nennt man jene trichterförmigen Einbrüche über Hohlräumen, die durch den Bergbau entstanden sind. Sie können auch durch Probegrabungen an Stellen entstanden sein, wo man Erzvorkommen vermutete. Jedenfalls sind die ungewöhnlich zahlreichen Pingen auf dem Einbollen Folgen der intensiven Suche nach Erz.

Über einen möglichen Beginn des Bergbaus  im Suggental, am Denzlinger Einbollen und in Glottertal besitze man aus dem zweiten und dritten Jahrhundert nach Christus aus römischer Zeit nur indirekte Zeugnisse. Dazu kann man jedenfalls die am Mauracher Hof in Denzlingen in den Jahren 1972 bis 1974 gefundenen Reste römischer Eisenverhüttungsöfen zählen. Schlackenhalden und Hinweise auf die Verhüttung bleihaltiger Erze machen es jedoch wahrscheinlich, dass man die Lagerstätten im Einzugsgebiet von Suggenbach und Glotter bereits zur Römerzeit kannte. Es sei gut möglich, so ist den Informationen auf der Tafel 25 der „Spurensuche“ zu entnehmen, dass sich der Bergbau in den ehemals von Römern kontrollierten Gebieten an diesen alten Bergbauspuren orientierte. Eisenerze wurden nachweislich um 400 nach Christus am Einbollen zwischen Denzlingen und Suggental abgebaut. Auch in Vörstetten habe man übrigens Eisenerze zur Alemannenzeit verhüttet.

Dank sagte Bürgermeister Markus Hollemann den Initiatoren und Betreuern des modernen  Informationssystems „Spurensuchen“, in dem ​Dieter Geuenich, Dieter Ohmberger, Hartmut Nübling und Gregor Falk mitarbeiten, während  Patrick Dirr vom gleichnamigen Denzlinger Medienhaus für die Technik verantwortlich zeichnet.