Diskussionen über Betreuung

Betreuung für Grundschüler in Schliengen wird teilweise als unausgewogen angesehen

Schliengen. Der Schliengener Gemeinderat sah sich in der vergangenen Woche mit mehreren Müttern aus dem Eggenertal konfrontiert, die das Betreuungsangebot für Grundschüler in Schliengen vor und nach dem Unterricht nicht ausgewogen finden. Sie finden, dass Kinder dort betreut werden sollten, wo sie unterrichtet werden.

Die Mütter wünschen eine Betreuung und damit die verlässliche Grundschule auch in Niedereggenen, weil viele Mütter Teil- oder Vollzeit arbeiten. Der Tagesordnungspunkt „Beratung über das „Gebührenmodell Betreuung Kinder/Schülerinnen und Schüler“ und damit die verlässliche Grundschule“ hatte den Ausschlag gegeben. 
Nach einer ausführlichen Diskussion gab das Gremium trotz des Verweises auf höhere Kosten nach und wird nun auch in der Grundschule Niedereggenen ein Konzept für ein Betreuungsangebot in Niedereggenen erarbeiten.
Zusätzlich wird es keine unterschiedlich hohen Gebühren an den Schulstandorten mit Betreuungsangebot geben, wie die Verwaltung dies ursprünglich für Niedereggenen angedacht hatte. Auf Vorschlag der Mütterinitiative wird die Verwaltung zudem mit dem SAK Lörrach neben den Erzieherinnen und Erziehern weitere Profis bei der Betreuung von Grundschulkindern außerhalb der festen Unterrichtszeiten ins Boot holen - Vorbild ist hier die Nachbargemeinde Bad Bellingen, die ein entsprechendes Betreuungsangebot des SAK bereits an der Sonnenrain-Grundschule etabliert hat.
Im Vorfeld der Gemeinderatssitzung hatten anwesende Mütter aus dem Eggenertal und hier vor allem Katrin Rufer und Christine Kuhnen-Wehrstein das Wort ergriffen. Die Eltern von derzeit jetzt schon mehr als 20 Grundschulkindern aus Niedereggenen wollen ein Betreuungsangebot vor Ort in der nun bald erweiterten Grundschule, um den Kindern Fahrwege und das „Hin und Her zwischen den Schulstandorten“ nach Schliengen und zurück zu ersparen. Schnell wurde dabei klar, dass das Ratsgremium sich nicht ausreichend mit der aktuellen beruflichen und finanziellen Situation von Familien auseinandergesetzt hatte, was die Betreuung der Grundschüler angeht. Nach den verlässlichen Betreuungszeiten im Kindergarten nämlich, gibt es diese so für die Schule noch nicht. Mit der Aussage: „Ich bin eine berufstätige Mutter mit zwei Kindern und ich will meinen Beruf so ausüben können wie bisher“, eröffnete Katrin Rufer mit dem Hinweis darauf, dass jetzt auch wieder das Homeoffice und damit berufliche Flexibilität wieder abgeschafft wird, die Auseinandersetzung mit dem Gemeinderat. Rufer regte sich darüber auf, dass die Gemeinde den Niedereggener Eltern ein Betreuungsgebührenmodell unterbreitet hatte, das nahezu doppelt so teuer war, wie im Kernort. Rückendeckung erhielt Rufer von Christine Kuhnen-Wehrstein, die dem Rat Fakten präsentierte: „Wenn Mütter arbeiten, kommt mehr Geld in die Gemeindekasse, denn 15 Prozent der Einkommenssteuer erhalten die Kommunen“, so Kuhnen-Wehrstein. Die Kinderbetreuung beuge zudem der Altersarmut insbesondere von Frauen vor, wenn diese Vollzeit arbeiten könnten, sagte sie. Beide Mütter hielten zudem fest, dass das Familienmodell „einer arbeitet und es reicht dann für alle“, angesichts von hohen Finanzierungskosten für Bauland, Hausbau, Mieten und Lebenshaltungskosten ausgedient habe. Die Sorgen der vielen Alleinerziehenden seien dabei noch gar nicht erwähnt, waren sich die Mütter einig.
RandzeitbetreuungBürgermeister Christian Renkert stellte fest, dass die Randzeitbetreuung derzeit nur im Kernort angeboten werde. Betreut werden die Kinder zwischen sieben und acht Uhr morgens, von 12 Uhr  bis 14 Uhr und von 14 Uhr  bis 16 Uhr. Dabei sei das Gruppenangebot von 7 Uhr bis 8 Uhr nur zu 50 Prozent ausgelastet, stellte Renkert fest - hatte aber registriert, dass Rufer zuvor erwähnte, dass es wenig Sinn mache, Kinder aus dem Eggenertal auf den Bus zu schicken, nur damit sie nach 20 Minuten Betreuungszeit dann wieder mit dem Bus zurück nach Niedereggenen fahren müssten um dann bei Unterrichtsbeginn „völlig durch“ zu sein. Die Betreuungszeiten in Schliengen von 14 bis 16 Uhr sind zu 30 Prozent, die von 12 Uhr bis 14 Uhr zu 64 Prozent gebucht.
FinanzierungDie Finanzierung der Betreuung und die Personalfrage spielten in der Gegenargumentation des Gemeinderats eine wichtige Rolle. „Wir erreichen eine Kostendeckung von gerade mal 20 Prozent bei einer Auslastung um die Kapazitätsgrenze herum, trotz der Zuschüsse vom Land und der Elternbeiträge bringt die Gemeinde noch 165.000 Euro für die Betreuung auf“, fasste Renkert zusammen. Würde man in Niedereggenen eine zweite Betreuung anbieten, dann „müssen wir das Personal aufstocken, von jetzt sechs auf dann acht Kräfte“, sagte er.  Renkert stellte fest, dass bei einheitlichen Gebühren für alle Eltern, das Angebot in Schliengen dann mehr kosten würde. Dies heißt, dass die Betreuung von sieben bis acht Uhr morgens von 25 Euro auf 35 Euro steigt. Bei der Betreuung zwischen 12 Uhr  und 14 Uhr und zwischen 14 und 16 Uhr haben die Eltern die Wahl, ob ihre Kinder an drei, vier oder an fünf Tagen betreut werden. Auch hier würden die Gebühren um zehn Euro steigen, bei voller Inanspruchnahme von fünf Tagen liegen sie dann von 12 Uhr  bis 14 Uhr bei 60 Euro und von 14 Uhr  bis 16 Uhr bei 80 Euro. 
RechtsanspruchVielleicht muss sich der Rat schon bald sowieso mit dem Rechtsanspruch der Betreuung von Schulkindern so wie er für die Kindergartenkinder schon gilt, beschäftigen. Ein Gesetzesvorschlag dazu liegt bereits beim Vermittlungsausschuss des Bundestages. 
Einige Gemeinderäte argumentierten den Müttern gegenüber damit, dass die Gemeinde finanziell sehr viel für die Kleinsten in der Gemeinde und die Schüler getan habe - beispielsweise die Kindergärten und Grundschulen in Teilorten zu erhalten und dies nach wie vor tue. „Und was ist, wenn in Niedereggenen dann eine Betreuungsperson krank wird? In Schliengen haben wir da immer Möglichkeiten, dass sofort jemand einspringt“, überlegte Hartmut Sommerhalter (SPD). „Unsere Kinder sind ein Wirtschaftsfaktor - Grundschulen sind für alle da, wir sollten die Gebühren solidarisch umlegen und den Versuch einer Betreuung in Niedereggenen starten“, konstatierten übereinstimmend Bernhard Ströbele (CDU) und Bodo Zimmermann (CDU) sowie Georg Hoffmann (Grüne). Karsten Willmann (Grüne) bat, die extrene Betreuungsvergabe an das SAK zu prüfen. Am Schluss herrschte Konsens, einen Versuch mit einem zweiten Betreuungsstandort „im Tal“ zu starten - bis zur nächsten Gemeinderatssitzung soll nun ein Konzept dafür erstellt werden. Die Eltern im Eggenertal müssen nicht nur noch darauf warten, sondern auch auf die Fertigstellung des Ausbaus der Grundschule - der neue Anbau wird wegen baulicher Verzögerungen nicht bis zum Schulstart fertig. Jutta Schütz