St. Alexius weist immense Schäden auf

Bis Ende November soll eine Kostenschätzung für die Kirchensanierung vorliegen

Herbolzheim (heb). Umfassende Sanierungsarbeiten laufen an der Pfarrkirche St. Alexius am Turm, am Glockenstuhl und am Dachstuhl des Kirchenschiffs (wir berichteten). Auf Nachfrage bei Architekt Walter Hess vom Büro Hess-Volk, seit 21 Jahren im Bereich der Kirchenrenovationen, Restaurierungen und Sanierungen ein Name, erläutert Hess die weiteren, nun folgenden Schritte.

Bis Ende August sollte die Schadenskartierung der Stuckdecke fertiggestellt sein. Danach soll mit dem Rückbau des Gerüstzugangs begonnen werden, bis Ende September sollen die statischen Untersuchungen erfolgen, um bis Ende November eine Kostenschätzung vorzulegen.

Anlass einer Ortsbegehung im Juli mit den verschiedenen Beteiligten war die Besichtigung der Dachkonstruktion nach den Rückbaumaßnahmen und Bauteilöffnungen zur Besichtigung des Zustands und der Schäden am Tragwerk und der Stuckdecke. Im Rahmen des Vorprojekts wurde der gesamte Dielenbelag des Speicherbodens zurückgebaut und die Balkengefache sowie die Bockshaut (die Bockshaut besteht aus einem Flechtgitter, das mit einem Spezialmörtel an einem Lattengerüst festgemacht ist. Sie überspannt den Chorbereich sowie das Kirchenschiff) der Stuckdecke von den PAK-haltigen Stäuben gereinigt.

„Es konnte nach diesen Bauteilöffnungen festgestellt werden, dass erhebliche Schäden aus mehreren Epochen an den Auflagerpunkten im Traufbereich vorliegen, die sowohl durch eingedrungene Feuchtigkeit als auch durch einen Hausbockbefall im Wesentlichen hervorgerufen wurden“, so Hess. Weiterhin sind an den tragenden Hölzern der Dachkonstruktion erhebliche Querschnittsminderungen durch Fraßschäden der biologischen Schädlinge gegeben.

Putzlatten mit Drähten gesichert

Durch Verformungen im gesamten Tragwerk sind viele Knotenpunkte nicht mehr formschlüssig verbunden, sodass der tatsächliche Kräfteverlauf nicht eindeutig geklärt ist. Teilstellen der Bockshaut auf der Rückseite der Stuckdecke sind abgängig oder erheblich geschädigt. Im Rahmen einer Sanierungsmaßnahme wurden die Putzlatten mit Drähten am Gebälk nachträglich gesichert. Die tatsächliche Tragfähigkeit und Lastabtragung wird noch durch die Restauratoren durch partielle Öffnungen untersucht.

Immer wieder saniert

Es gab in der Vergangenheit bereits wesentliche Sanierungsphasen, die jedoch nicht dokumentiert sind. Die erste konstruktive Sanierung wurde nach Einschätzung von Holzgutachter Andreas Hagedorn etwa 100 Jahre nach Erbau in den Jahren um 1850 durchgeführt, wie eine Inschrift bezeugt. Die vermuteten drei weiteren Phasen der Sanierungen sind nicht dokumentiert.

Die Schäden im Dachstuhl sind immens, mit Schiefstellung des Turms und damit verbunden einer Neigung Richtung Talseite, einem ehemaligen, derzeit inaktiven Insektenbefall durch den Hausbock und dadurch erhebliche Querschnittsminderungen an den Hölzern. Es fehlt an Streben und Riegeln, Ersatzkonstruktionen für durch Fäulnis beschädigte Balken braucht es.

Es gebe, so Hess, keinen Schimmel oder Pilzbefall in der Deckenkonstruktion trotz ungünstigem Feuchtehaushalt aufgrund der Hartschaum-Dämmauflage, allerdings sieht man einen allgemein schlechten Zustand der Biberschwanz-Dacheindeckung. Dieselben Erkenntnisse gelten auch für den Dachstuhl der Sakristei.

Sichern und erhalten

Die Ansätze für die Sanierung sieht Hess in der Erarbeitung von konstruktiven Möglichkeiten, Stuckdecke, Gebälk und Dachstuhl zu sichern und zu erhalten, gegebenenfalls durch Ersatz- oder Zusatzkonstruktionen zu ertüchtigen. Sobald ein Maßnahmenkonzept abgestimmt ist, soll geprüft werden, ob und welche Fördermöglichkeiten hier in Frage kommen.