Trinkwasser in Gefahr?

Gemeinderat Umkirch sorgt sich wegen des Erdaushubzwischenlagers bei Dietenbach

Umkirch: Um den Schutz des Trinkwassers sorgen sich die Umkircher, seit die Planungen für die Errichtung eines Erdaushubzwischenlagers im  Bereich des Baugebiets  Dietenbach im Gang sind.   Eventuelle gesundheitsbedrohliche Auswirkungen auf das Einzugsgebiet des Tiefbrunnens „Schorren“ durch das voraussichtlich bis zu 15 Jahre deponierte Aushubmaterial stießen auf erhebliche Bedenken bei den Gemeinderäten.

Den  bestehenden Widerspruch der Gemeinde weiter aufrecht zu erhalten und die  Fragen und Vorbehalte zu klären, lautete der Beschluss des Gemeinderates. Das Erdaushubzwischenlager, dessen Nutzungsbeginn bereits  zu erkennen ist, befindet sich zwischen dem Autobahnzubringer Mitte und dem Dietenbach, der das Baugebiet durchfließt. 
Neben stadteigenem Aushubmaterial, etwa vom Bau des Regenrückhaltebeckens östlich von Freiburg, sei auch von fremdem Material auszugehen. Bei diesem sei eine unbekannte Belastung mit verschiedensten Giftstoffen möglich, die selbst bei regelmäßiger Kontrolle nicht auszuschließen sei. Im Endeffekt sollen dort 375.000 Kubikmeter Erdaushub gelagert werden. Die Umschlagsmenge während laufender Bauarbeiten liege mit über einer Million Kubikmeter noch höher, so das hydrologische Gutachten.  Wie Bürgermeister Walter Laub nochmals verdeutlichte, werde das Aushubmaterial für die Aufschüttung des um bis zu drei Meter höher angesetzten Baugrundes des neuen Stadtteils benötigt und daher gesammelt. 
Zwischen Umkirch und der Stadt Freiburg bestehen Differenzen, inwieweit die geplante Deponie auf dem Einzugsbereich des Tiefbrunnens der Gemeinde Umkirch die Reinheit des Grundwassers gefährlich beeinträchtigen kann. Seit neun Jahren ist der Tiefbrunnen Schorren der alleinige Wasserversorger in Umkirch. Die Gemeinde hatte von vorneherein  fristgerecht  grundsätzlichen Widerspruch gegen die Anlage der Erdaushubdeponie und deren Immissionsschutzrechtliche Genehmigung  eingelegt. 
Ausgangspunkt der sehr engagiert geführten Debatte der Gemeinderäte waren Ergebnisse der von  der  Gemeinde beauftragten Gutachten des Hydrologen Andrezej Pikulski, die einige Unklarheiten im Vorgehen der Stadt aufzeigten. Insbesondere wurden einige fachliche Ungenauigkeiten nachgewiesen. Dass die Stadt sich selbst als Genehmigungsbehörde das Projekt genehmigen könne, fand man kurios.
Dass Letzteres so nicht stimme, stellte der bei der Gemeinderatssitzung anwesende Freiburger Chefplaner des Stadtteils Dietenbach, Professor Rüdiger Engel, von der Zuhörerempore aus klar. Es sei vielmehr so, dass die Genehmigung der Stadt nur mit Einvernehmen des Regierungspräsidiums Freiburg erfolgen konnte. Relativierend verdeutlichte Engel, dass im Dreisamtal von Alters her über Flüsse und Bäche durch Material aus dem Schwarzwaldbergbau eine Belastung des Bodens bestehe, der  landwirtschaftlich genutzt werde. Leicht belastete Böden dürften nur dort wieder eingebaut werden, wo vorher eine Belastung war. Dies erfolge  nur im Straßenbau mit 1,5  Metern Abstand vom Grundwasser. Die Stadt Freiburg wünsche sich eine gütliche Lösung, man sei zu Nachbesserungen bereit. Die gesetzlichen Vorschriften seien eingehalten, die Genehmigungen erteilt, auch die Zustimmung der Wasserbehörde liege vor. Unter Normalbedingungen gebe es keine Belastung des Trinkwassers, so Engel. Mit zwei Enthaltungen ermächtigte der Gemeinderat den Bürgermeister,  weitere Verfahrensschritte gegen die Genehmigung des  Erdaushubzwischenlagers einzuleiten und gegebenenfalls den Klageweg zu beschreiten. Alfons Theis