Die „Jahrhundertchance“ für Heitersheim

Stadt kauft das Malteserschloss und hofft es mit Gewinn zu vermarkten

Heitersheim. Die Ungewissheit hat ein Ende. Das Malteserschloss wird von der Stadt gekauft. Nachdem die Investoren für die geplante Privatschule im April von ihren Plänen Abstand nahmen hat der Gemeinderat in einer eigens einberufenen Sondersitzung den Grundsatzbeschluss gefasst.

Überraschend einstimmig, denn die streitbehafteten Debatten ließen dies so nicht vermuten. Zu Beginn der Sitzung machte Bürgermeister Christoph Zachow seine Position klar. „Ich bin überzeugt, dass die Umsetzung gelingen kann. Es ist eine Jahrhundertchance für Heitersheim“.  Willi Sutter, der von der Stadt als Projektentwickler beauftragt wurde, stellte dem Gemeinderat und rund 50 Interessierten das Konzept vor. Bereits zwei Wochen vorher gab es hierzu eine Einwohnerversammlung, zu der schon rund 350 Interessierte kamen (der ReblandKurier berichtete bereits).  
Das Konzept sieht vor, dass die Stadt das Schloss kauft, der Preis beträgt 4,95 Millionen Euro, und dann die Gebäude an Investoren verkauft, die den Umbau und die Sanierung bezahlten. Der Grund und Boden bleibt bei der Stadt und wird in Erbpacht vergeben. Dadurch behält die Stadt weiterhin Einfluss auf die Nutzung und bekommt Einnahmen durch die Erbpacht.  Dies bietet das größte Maß an Sicherheit, so Sutter. Mit vielen Beispielrechnungen zeigte er, dass die Stadt das Schloss kaufen kann, ohne dass ihr weitere Kosten entstehen. Zudem werfe das Objekt hohe Renditen für die Investoren ab. Sutter habe während seiner jahrzehntelangen Tätigkeit noch nie ein so rentables Objekt gehabt. Insgesamt entstehen der Stadt rund 5,7 Millionen Euro Kosten für Kauf und Sanierung. Durch den Gebäudeverkauf kämen rund 3 Millionen Euro und durch die Erbpacht weitere 3 Millionen Euro in die Kasse. Somit bekäme die Stadt das Schloss zum Nulltarif. Das Schloss soll durch soziale Einrichtungen, wie dringend benötigte Plätze in der Tagespflege, Wohngruppen für Senioren und Behinderte oder Kita-Gruppen genutzt werden. Aber auch Gastronomie in der Scheune mit Tagungsräumen und Gästezimmern sollen entstehen. Das Maltesermuseum soll bleiben und die Kirche soll öffentlich genutzt werden. 
Thomas Baumgärtner, Fraktionssprecher von den Grünen befürwortete grundsätzlich das Vorhaben der Stadt. Ihr Ziel war es immer „ein lebendiges Schloss als attraktives Ziel für Heitersheim zu erhalten“, aber die Zeit sei zu knapp. Die Fraktion beantragte daher einen Vertrag mit einer Jahresfrist für die Umsetzung. „Eine folgenreiche, wichtige und positive Entscheidung steht heute für die Stadt an“, so Dierk Bredemeyer, der für die Freien Wähler sprach. „Es leuchtet ein, dass nur eine Mischnutzung zum wirtschaftlichen Erfolg führen kann. Wir haben eine tolle Konzeption, aber sie ist weit entfernt von einer Planung.“ „Die Eile sei nicht nötig“, so Bredemeyer. Er sah das größte Manko darin, dass bis jetzt keine Erbbaunehmer vorhanden sind. Die Fraktion stimme dem Kauf des Malteserschlosses grundsätzlich zu, beantragten aber mit dem Orden eine zwölfmonatige Kaufoption zu vereinbaren. Dann könne die Stadt einen Investor finden und alles Weitere klären, wie beispielsweise den Bedarf an Kita-Plätzen. Professor Peter Schmieg, Baudirektor der Vinzentinerinnen, zeigte Verständnis dafür, dass  die Stadträte mehr Planungssicherheit haben wollen. Jedoch müsse man dies dem Orden auch zugestehen. Derzeit leben im Schloss noch 36 Schwestern. „Sie sind alt und werden definitiv Anfang Dezember 2022 ins Mutterhaus nach Freiburg ziehen“, so Schmieg. Spätestens im April soll ein notarieller Kaufvertrag geschlossen werden. Interessenten gibt es genügend, wie Schmieg mitteilte. „Seit dem Frühjahr haben sich 20 Interessenten gemeldet, zwei würden in den nächsten vier bis sechs Wochen mit uns zum Notar gehen.“ Er betonte aber auch, dass Wunschkäufer die Stadt ist. Martin Schaber (CDU) sprach ebenfalls von einer historischen Entscheidung. „Was für eine Entscheidung an was für einem Datum!“ Damit sprach Schaber die vielen geschichtsträchtigen Ereignisse an, die an einem 9. November stattfanden. Das Schloss bringe einen großen sozialen und kulturellen Gewinn und bezahle sich von selbst. Der bauliche Zustand sei gut, so Schaber. Bernd Mohr (SPD) sprach sich ebenfalls für den Kauf des Schlosses aus. Er verstehe auch die Eile des Ordens, fand aber, dass vieles noch vor dem Kauf abgeklärt werden müsse. Die SPD-Fraktion schloss sich daher dem Antrag der Freien Wähler an. Bernhard Walz (ZfH) wunderte sich ein wenig über die Diskussionen. „Es gibt einen klaren Beschlussvorschlag der Verwaltung – und der ist gut.“ Raphael Pozsgai (Grüne) brachte die Diskussionen in Rage und stellte die Frage, was Heitersheim brauche? „Frieden“ war seine Antwort, denn in den letzten zwei Jahren sei Heitersheim nur durch Spaltung aufgefallen. „Deswegen muss Heitersheim heute geschlossen dastehen, Risiken gibt es immer. Es geht darum, ob wir heute Abend als Gewinner rausgehen oder nicht“. Dafür gab es reichlich Applaus vom Publikum. Fraktionskollege Baumgärtner zog daraufhin seinen Antrag zurück. Harald Höfler (SPD): „Ich verstehe die negative Stimmung, die schon wieder entsteht, nicht. Wir sind doch alle dafür, dass das Schloss gekauft wird. Es ist legitim dass man im Vorfeld überlegt.“ Alexander Sonner (CDU) mahnte, „wir müssen dem Orden heute Abend ein eindeutiges Ja geben, sonst kommt jemand anders und kauft. Die SPD und die Freien Wähler zirkulieren hier mit einem heißen Eisen.“ Auch Ursula Schlegel (CDU) mahnte, dass es den Zeitfaktor nicht gäbe. Raphael Poszgai brachte sich nochmals in Rage: „Es ist ein verdecktes Ablehnen des Schlosses, was sie da heute machen. Wir geben hier ein katastrophales Bild ab, ich bin schockiert. Wir können hier heute alle als Gewinner rausgehen.“ Willi Sutter redete dem Gemeinderat ebenfalls noch einmal ins Gewissen. „Zerfleddern sie sich nicht, da gibt es kein wenn und aber. Wir haben jetzt schon die Mieter und Investoren.“ Der Gemeinderat lehnte bei der Abstimmung den Antrag der Freien Wähler und SPD mit großer Mehrheit ab. Den Grundsatzbeschluss zum Kauf des Schlosses für 4,95 Millionen Euro fiel nach der zweistündigen Debatte einstimmig aus. 
 Schmieg freute sich über die Entscheidung und war erleichtert. Die Kriterien des Ordens seien erfüllt. Auch die Bürgerinitiative Malteserschloss begrüßte die Entscheidung und sieht ihr zentrales Anliegen  erfüllt. Yvonne Krzikowsky