Großer Bahnhof für die elektrifizierte Elztalbahn

Projekt „Breisgau-S-Bahn 2020“ abgeschlossen – Investition rund 68,5 Millionen Euro

Zweitälerland (db). Geschafft! Die Elztalbahn ist nach etwa einjähriger Bauzeitverzögerung endlich elektrifiziert. Das bedeutet sicherlich Zug für Zug mehr Komfort für die Fahrgäste in der Region und mehr Verlässlichkeit im regionalen Bahnverkehr. Am letzten Samstag wurde die fertiggestellte Elztalbahn im Rahmen eines großen Festaktes am Elzacher Bahnhof offiziell eingeweiht.


Verkehrsminister Winfried Hermann, Landrat Hanno Hurth (Vorsitzender des Zweckverbands Regio-Nahverkehr Freiburg, ZRF), Tobias Harms (Vorsitzender der Geschäftsführung der SWEG), Thorsten Krenz (Konzernbevollmächtigter der DB AG/Baden-Württemberg), Elzachs Bürgermeister Roland Tibi sowie Freiburgs OB Martin Horn die ca. 19,4 Kilometer lange neue Elztalbahn symbolisch in Betrieb. Eine Abordnung der Stadtmusik Elzach umrahmte.


Infrastruktureller Meilenstein

Alle Redner wurden von Moderator und Musiker Helmut Dold („de Hämme“) samt schmissiger Fanfare auf die Bühne geleitet. Er hatte bereits zuvor bei der Ankunft der Elztalbahn am Elzacher Bahnhof kräftig und gekonnt in seine Trompete geblasen. Alle Redner lobten unisono das gute Miteinander aller Projektbeteiligten. Bürgermeister Tibi brachte es auf den Punkt und beleuchtete die gesamte Planungsvorgeschichte dieses ambitionierten Zukunftsprojektes: „Die elektrifizierte Elztalbahn ist für die Stadt Elzach und für das gesamte ZTL ein zentraler infrastruktureller Meilenstein und bedeutet für die gesamte Raumschaft eine klimagerechte, nachhaltige und kostengünstige Mobilität aller Menschen, die hier wohnen, leben und arbeiten. Die Zukunft des ÖPNV liegt in unseren Händen, machen wir was daraus“, so Tibi, der im Beisein sämtlicher ZTL-Bürgermeister und RP-Chefin Bärbel Schäfer auch auf den zweijährigen Ausbau des jetzigen Schotterplatzes am Elzacher Bahnhof hin zu einem zentralen Mobilitätsknotenpunkt verwies.
Minister Hermann betonte: „Ein attraktives Nahverkehrsangebot zur Anbindung des ländlichen Raums an die wirtschaftlichen Zentren ist in BW ein wichtiges Ziel bei der Umsetzung der Mobilitätswende. Daher ist es gut, dass der Ausbau der Elztalbahn nun endlich abgeschlossen werden konnte. Das Netz der Breisgau-S-Bahn soll damit einen leistungsfähigen Nahverkehr rund um Freiburg gewährleisten. Mit der Elektrifizierung der Strecke entsteht ein zukunftsfähiges Verkehrsangebot mit dem Potenzial, viele Berufspendler und Freizeitgäste zum Umstieg auf die Schiene zu animieren. Jetzt kommt es darauf an, dass die Breisgau-S-Bahn ein stabiles und verlässliches Angebot auf der Schiene bietet.“


Festtag für die Region

„Heute ist ein Festtag für das Elz- und Simonswäldertal, den gesamten Landkreis Emmendingen und die Region Freiburg.“, so Landrat Hurth, der auf die über 14-jährige Planungszeit einging. „Die Inbetriebnahme der Elztalbahn mit dem durchgehenden Halbstundentakt bis nach Elzach ist ein Meilenstein in der Entwicklung des gesamten Zweitälerlandes. Der Landkreis und mit ihm der ZRF leisten damit einen wesentlichen Beitrag zur Stärkung des ländlichen Raumes und für einen attraktiven öffentlichen Nahverkehr. Mein Dank gilt Bund und Land für die finanzielle Unterstützung dieses bedeutenden Infrastrukturprojektes. Die Umsetzung verlief nicht störungsfrei und war leider mit einigen Verzögerungen verbunden. Umso mehr freut es mich, dass wir unser gemeinsames Ziel jetzt erreicht haben. Mit diesem Projekt leisten wir einen wesentlichen Beitrag zur Verkehrswende und zum Klimaschutz“, so Hurth im Beisein seiner Landratskollegin Störr-Ritter.


Ärgerliche Bauzeitverzögerung

SWEG-Vorstand Harms ging auf die ärgerliche Bauverzögerung auch aufgrund technischer Probleme ein und kritisierte die vielfältigen Lieferschwierigkeiten der Fahrzeug-Lieferanten: „Wir sind zusammen mit dem Ausbau der Kaiserstuhl- und Münstertalbahn mit unserem Gesamtprojekt im Kostenrahmen geblieben, was heute keine Selbstverständlichkeit mehr ist – und das trotz der viel zu komplexen Planungs- und Genehmigungsverfahren.” DB-Konzernbevollmächtigter Krenz erläuterte mit klaren Worten die Gründe für die erhebliche Bauverzögerung (u.a. Lieferprobleme der Fahrzeuge, Baugrundproblematik in Gutach, witterungsbedingte Einflüsse, Probleme bei der Betriebsqualität) und meinte: „Das Projekt ist hochkomplex, kompliziert und anspruchsvoll. Es gibt und gab Anlaufschwierigkeiten, es ruckelt und es ist noch nicht alles perfekt. Gleichwohl freue ich mich sehr, dass wir die Elztalbahn nunmehr als großen Meilenstein in Betrieb nehmen können. Dieses weitere Stück modernisierter Infrastruktur komplettiert das Netz der Breisgau-S-Bahn und schafft so die Voraussetzungen für einen attraktiven und leistungsfähigen Nahverkehr rund um Freiburg.“


Modernisierung der Elztalbahn

Die elektrifizierte Strecke ist im neuen Netz der Breisgau-S-Bahn das letzte Puzzle-Teil und bringt das Projekt zum Abschluss. Der Bund und das Land Baden-Württemberg sowie der ZRF haben insgesamt rund 68,5 Millionen Euro in den Ausbau der Elztalbahn investiert. Im März 2020 begannen die Arbeiten an der Elztalbahn. Seither hat die Bahn entlang der Strecke unter anderem eine 23 Kilometer lange Oberleitung mit rund 320 Oberleitungsmasten errichtet. Zudem hat die DB den Bahnsteig 1 am Bahnhof Waldkirch barrierefrei ausgebaut, sieben Bahnübergänge umgebaut und drei Eisenbahnüberführungen angepasst. Die beiden neuen elektronischen Stellwerke in Waldkirch und Gutach steuern zukünftig die Zugfahrten zwischen Denzlingen und Elzach.  Zusätzlich hat die Bahn in Gutach einen neuen Kreuzungsbahnhof gebaut.


Erweitertes ÖPNV-Angebot

Seit letzten Sonntag (hier konnten die Fahrgäste die gesamte S2-Strecke kostenlos nutzen) rollen die Züge wieder auf der gesamten Strecke nach einem neuen Fahrplan. Dieser sieht eine deutliche Ausweitung des Angebots vor. So wird es montags bis freitags von 6 bis 22 Uhr einen Halbstundentakt zwischen Freiburg und Bleibach geben sowie von 6 bis 9 Uhr, 14 und 16 Uhr und 18 bis 19 Uhr zusätzlich zwischen Bleibach und Elzach. Samstags wird es von 7 bis 22 Uhr und sonn- und feiertags von 9 bis 20 Uhr einen Halbstundentakt zwischen Freiburg und Bleibach geben. Zum Einsatz kommen neue Talent3-Elektrofahrzeuge (Alstom).


Protest am Elzacher Bahnhof

Zahlreiche Schüler, Eltern und sonstige Bürger protestierten am Elzacher Bahnhof gegen den aus ihrer Sicht schülerunfreundlichen neuen Fahrplan. Landrat Hurth bezog dazu Stellung, gestand Optimierungsbedarf ein und versprach diverse Nachbesserungen. „Bei der Planung die Schüler vergessen“ oder „ÖPNV killt Schule“ war auf den zahlreichen Transparenten zu lesen.


Empfang am Waldkircher Bahnhof

Gemeinsam mit seinem Stellvertreter Michael Behringer und im Beisein unter anderem der MdB´s Dr. Fechner und Bury sowie MdL Schoch und Windens Bürgermeister Hämmerle durschnitt OB Roman Götzmann zur Inbetriebnahme der Elztabahn symbolisch ein rotes Band; umrahmt von einer Abordnung der Musikkapelle Siensbach sowie Mitgliedern der Lebenshilfe. Danach machten sich alle geladenen Gäste per Zug und begleitet von Böllerschüssen auf Höhe von Winden auf den Weg nach Elzach. 1875 sei das das Elztal an die Eisenbahn angeschlossen worden (1901 Verlängerung der Bahn bis nach Elzach) „Heute - genau 120 Jahre später - dürfen wir uns über den Ausbau und die Modernisierung der Bahnstrecke freuen“, so der OB, der in Zeiten des drohenden Klimawandels eindringlich für den Umstieg auf Fahrrad, Bus und Bahn warb und das Waldkircher Bürgerbus-Projekt vorstellte: „Die heutige kleine Feier steht im Kontext der zentralen Herausforderung unserer Zeit: Klima und Verkehr!“ Als Unterstützung für den Busverkehr plane man für 2022 den Umbau der Bushaltestelle Rathaus/Stadtmitte für rund 350.000 Euro. Für nächstes Jahr sei auch die Aufstellung der seit längerem geplanten Fahrradabstellanlage am Bahnhof für rund 300.000 Euro geplant, so der OB. „Wir als Fahrgäste profitieren durch den Elztalbahn-Ausbau von schnelleren Verbindungen, einem dichteren Angebot und einem durchgängigen Verkehrsnetz in der Region“.