Runder Geburtstag

Alfred Vonarb: „Ich habe mit Leidenschaft für meine Stadt gelebt“

Breisach. Glockengeläut kündigte am vergangenen Montag  das Ereignis an: eine würdige Feier  im Bürgersaal des Rathauses zu Ehren des früheren Bürgermeisters und Ehrenbürgers der Stadt Breisach anlässlich seines  80. Geburtstags.  Alfred Vonarb, der mit seiner engsten Familie zu der offiziellen Gratulation erschienen war, freute sich über die zahlreichen Gäste und  Wegbegleiter aus seiner 24-jährigen Amtszeit.

„Es ist eine besondere Nachkriegsgeschichte“, fasste Bürgermeister Oliver Rein dessen Lebenslauf in seiner Laudatio zusammen. In der Tat, denn durch nichts war zunächst die berufliche und politische  Karriere  Alfred Vonarbs vorherbestimmt, außer durch einen früh erworbenen Sinn für Verantwortung und seiner führungsstarken Persönlichkeit. Geboren und aufgewachsen in Hartheim,  musste er nach dem frühen Tod seines Vater bereits in jungen Jahren die Verantwortung  für seine Familie übernehmen. „Immer vorne dran“, wie Vonarb später selbst von sich sagte, wurde er schnell Leiter der dortigen Landjugend  und der  Ministrantengruppe, war aktiv in der Musikkapelle. Seine berufliche Laufbahn begann er in der Verwaltung des Freiburger Landratsamts. Bürgermeistererfahrungen konnte er bereits 1969 machen, da er zum Rathauschef in Hartheim gewählt wurde. Dabei wäre Vonarb auch fast Bürgermeister in Bad Krozingen geworden, bis er nach einem persönlichen Gespräch überzeugt werden konnte, sich als Kandidat für Breisach aufstellen zu lassen. Der Ausgang der Wahl ist bekannt, 1982 erfolgte die Vereidigung mit Wiederwahlen in 1990 und 1998. Insgesamt eine Amtszeit von 24 Jahren, ein Rekord für Breisach. In dieser Zeit hat er die Stadt weit nach vorne gebracht hat, immer auch die einzelnen Stadtteile im Blick: Die ursprüngliche Einwohnerzahl von  9.700 Bürgern ist um  4.000 angewachsen, und das Budget hatte sich verdoppelt.  Was hat er in dieser Zeit nicht alles auf den Weg gebracht. Politisch, wirtschaftlich, kulturell und grenzüberschreitend.  Zu erwähnen seien dabei nur das Thema „Konversion“, also die Umwandlung des französischen Militärgeländes zur zivilen Nutzung, der Rheinhafen,  oder, besonders umstritten, die Rheinretention. Mit viel Geschick wusste er heikle Projekte anzugehen und zu einem Ausgleich zu führen. Europa und die deutsch-französischen Beziehungen waren ihm  ein besonderes Anliegen. Mit Fördergeldern aus dem Interregprogramm  konnte er  Projekte umsetzen, die Städtepartnerschaften mit Neuf-Brisach und Saint-Louis lagen ihm am Herzen. Ob  Münsterbauverein, Jugendmusikschule, Breisacher  Festspiele, Gauklertag oder Weinfest, eine  Herzensangelegenheit war für Vonarb auch die Förderung der kulturellen Identität der Stadt. Daneben war er über 20 Jahre hinweg CDU-Fraktionsvorsitzender im Kreistag. Ein „Teamplayer“, nannte ihn sein Nachfolger im Amt, Breisachs Bürgermeister Oliver Rein,  weit über Breisachs Grenzen hinaus geschätzt. „Ich habe mit Leidenschaft für meine Stadt gelebt“, bestätigte der so Geehrte. Neben der Politik gab es noch eine weitere Leidenschaft: Seit 1984 und bis 2020 stand Vonarb  an der Spitze des Bundes „Heimat und Volksleben“, dem größten Trachtenverband Deutschlands“. Seine politischen Verdienste spiegeln sich auch in den  Ehrungen wieder, die ihm im Verlauf seiner politischen Karriere zuteil wurden, darunter das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse, der französische „Ordre National du Mérite“ und viele Ehrenbürgerschaften. Der so  Geehrte selbst dankte vor allem seiner Familie und seiner Frau Edith, die ihm in all den Jahren den notwendigen Rückhalt gegeben habe. Nach seinem Rückzug in den Ruhestand 2006 habe er wieder mehr  Zeit gefunden, sich seiner Familie zu widmen. Gabriele Rochet