Gottenheim nimmt Stellung

Einwohnerversammlung zur Planung der B31 West in Gottenheim / Schutz des Niedermoors

Gottenheim. Was wiegt schwerer: eine Bundesstraße, die Freiburg  mit Breisach, dem Kaiserstuhl und dem Elsass verbindet oder der Schutz der Landschaft, des Klimas und der Natur – insbesondere des  Niedermoors zwischen Gottenheim und Wasenweiler? Auch der  Gottenheimer Gemeinderat hat sich mit dieser Frage intensiv beschäftigt und  sich auf eine  Stellungnahme zur  Variantenplanung der B31 West bis Breisach verständigt.  

Auf einer Einwohnerversammlung am Mittwoch, 18. Januar, 19.30 Uhr, in der Turnhalle in Gottenheim sollen die Bürgerinnen und Bürger über die Position der Gemeinde zum Weiterbau der B31 West informiert werden. Eine Woche später, in der Gemeinderatssitzung am 26. Januar, wird die Stellungnahme  zur aktuellen Planung des Regierungspräsidiums Freiburg für den zweiten Abschnitt der B31 West dann dem Gottenheimer Gemeinderat zur Abstimmung vorgelegt. 
   Bürgerinitiativen  aus Gottenheim, Breisach, Ihringen und Merdingen sind angetreten, um den Weiterbau der Bundesstraße, den auch die Gemeinde Merdingen und die Stadt Breisach  ablehnen, zu verhindern. Unterstützung erhalten die BIs von den Landtags- und Bundestagsabgeordneten der Grünen in der Region. Auf Bundesebene setzt sich Chantal Kopf   MdB dafür ein, den Bau der B31 West zu verhindern. Bei einem Ortstermin auf Einladung der Bundestagsabgeordneten machte sich im Dezember 2022 auch Christian Kühn, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz,  im Wasenweiler Ried bei Gottenheim ein Bild vom Zustand des einzigartigen Niedermoors zwischen Gottenheim und Wasenweiler, das von der Trasse der geplanten Bundesstraße zerschnitten und nach Ansicht von Naturschützern weitgehend zerstört werden würde.
Auch Regierungspräsidenten Bärbel Schäfer, die Bürgermeister Christian Riesterer aus Gottenheim und Benedikt Eckerle aus Ihringen sowie der Landtagsabgeordnete Reinhold Pix (Grüne) und Vertreter der Bürgerinitiativen gegen den Weiterbau waren zum Termin nach Gottenheim gekommen. Die Bedeutung des Niedermoors erläuterte Peter Lutz vom lokalen Arbeitskreis Freiburg-Kaiserstuhl im Landesnaturschutzverband Baden-Württemberg, der sich seit Jahrzehnten mit dem Wasenweiler Ried und der Straßenbauplanung beschäftigt. 
 Mit einer Bohrprobe aus dem Moor zeigte Lutz die Mächtigkeit des Niedermoors, das durch Verlandung nach dem Ende der letzten Eiszeit vor etwa 10.000 Jahren entstanden ist. Die Folgen der Straßenplanung für die B31 West wären für das letzte gut erhaltene Niedermoor in der Oberrheinebene verheerend, so Lutz. Die Moorzerstörung könne nicht ausgeglichen werden, zudem seien zahlreiche Pflanzenarten und Biotope in ihrem Bestand gefährdet. 
Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer betonte, ihre Behörde sei vom Bund mit der Planung beauftragt. Eine „Nullvariante“, wie von den BIs gefordert, sei aber kein Bestandteil des Planungsauftrags. Die Antragsvariante 7 habe das RP sehr sorgfältig ausgearbeitet, aber „jede Variante geht durch das  Ried“. 
Staatssekretär Christian Kühn versprach, das Thema mit nach Berlin zu nehmen. Die Straßenplanung sei nicht mehr zeitgemäß, war er sich mit seinen Parteikollegen Kopf und Pix einig. Um einen Stopp der Planung zu erreichen, könne die Aufnahme des Wasenweiler Rieds in das  Moorschutzprogramm des Landes Baden-Württemberg oder des Bundes hilfreich sein, wie sie von Lutz und den Bürgerinitiativen gefordert wird. Auch dafür wolle er sich einsetzen. Marianne Ambs