Eine echte Herausforderung für die Einsatzkräfte

Unangekündigte Alarmübung für die ABC-Züge im Landkreis

Weisweil. Zum Glück nur ein Übungsszenario war der Verkehrsunfall zwischen einem Gefahrgut-LKW und einem Linienbus am Samstagmittag auf dem ehemaligen IVECO-Gelände. Bei dem „Großeinsatz“ waren alle ABC-Züge des Kreisfeuerwehrverbands Emmendingen im Einsatz.

Das aufgebaute Szenario war eindrucksvoll: Der Fahrer eines voll beladenen Tanklasters hatte durch einen Herzinfarkt das Bewusstsein verloren und war daraufhin mit einem Linienbus zusammengeprallt. Eine ätzende Flüssigkeit und Dämpfe strömten aus. Im und um den Bus lagen zahlreiche Verletzte. Sehr realistisch wurde das Ganze durch den von der Berufsfeuerwehr Freiburg gestellten Tanklaster, aus dem Wasser und künstlicher Nebel ausströmten. Die Verletzten wurden sehr realitätsnah von der Notfalldarstellung des DRK-Kreisverbands gespielt, inklusive täuschend echt geschminkter, blutender Verletzungen.

Bereits nach nicht einmal 5 Minuten traf die Ortswehr aus Weisweil an der Unfallstelle ein, dicht gefolgt von der Feuerwehr Kenzingen. Sie begannen mit der Evakuierung von Schaulustigen aus der Gefahrenzone. Doch die Rettungskräfte mussten abbrechen, denn auf Anweisung der Übungsleitung litten sie trotz Atemschutzausrüstung durch die austretenden Dämpfe an Atemnot und ersten Hautverätzungen. Nur unter Einsatz von Chemikalienschutzanzügen konnten die übrigen Verletzten aus der Gefahrenzone geborgen und der Stoffaustritt gestoppt werden. Die Einsatzleitung alarmierte also die ABC-Züge aus Emmendingen, Teningen und Waldkirch nach. Wer sich im Landkreis einigermaßen auskennt weiß, wie lange eine solche Anfahrt trotz Blaulicht und Sirene dauert. Ohne Unterlass wurde indessen weitergearbeitet, bis die Unterstützung eintraf. Die Wehren aus Emmendingen und Teningen kümmerten sich zudem um die Dekontamination der Verletzten und der Einsatzkräfte. Zudem musste der Schadstoffgehalt in der Umgebungsluft gemessen werden. Das DRK Weisweil kümmerte sich um die Versorgung der Verletzten. Insgesamt waren an der Übung rund 175 Einsatzkräfte mit über 20 Einsatzfahrzeugen beteiligt.

Personell und materiell wurde am Samstag alles aufgefahren, was der Landkreis hergab. Trotzdem wurde im Laufe der Übung der ABC-Zug aus Lahr fiktiv nachalarmiert. Das mag den ungeübten Beobachter zunächst verwundern, aber: „Es wurde trotz des Großaufgebots aus dem Landkreis wieder deutlich, wie schnell man bei einer solchen Großlage an die Grenzen des Machbaren stößt“, so Kreisbrandmeister Christian Leiberich in seinem Fazit. Denn die im Einsatz befindlichen Feuerwehrleute müssen zusätzlich zur vollen Ausrüstung inklusive Atemschutz (rund 20 bis 25 Kilo Zusatzgewicht) noch den Vollschutzanzug tragen. Neben dessen Eigengewicht entwickeln sich darin schnell Temperaturen von 50 bis 60°C. Und unter diesen Umständen muss der Körper dann noch Höchstleistungen bringen. „Da kommt man körperlich schnell an seine Grenzen. Spätestens nach 15 Minuten ist selbst bei den Fittesten Schluss.“

„Wir haben bewusst kein übertriebenes Szenario gewählt, sondern so einen ‚klassichen‘ Vorfall, der sich jeden Tag überall ereignen kann“, erklärte Lucas Kimmi, der die Alarmübung zusammengestellt hatte. Die Übung war nicht angekündigt. Die Einsatzkräfte wussten also nicht, was auf sie zukommt. „Solche groß angelegten, realistischen Übungen sind sehr wichtig“, betonte Leiberich. Denn nur dann sind die Anfahrtszeiten und das Handeln aller Beteiligten so, wie es gegebenenfalls auch bei einem realen Vorfall gewesen wäre. Von zahlreichen Protokollanten wurde das Geschehen von allen Blickwinkeln aus dokumentiert. „Wir machen das nicht, um den Betreffenden dann etwaige Fehler unter die Nase zu reiben“, so Leiberich. „Es wäre ja auch unnormal, wenn alles glatt laufen würde.“ Vielmehr solle bei solchen Übungen die Einhaltung der GAMS-Regel (Gefahren erkennen, Absichern der Einsatzstelle, Menschenrettung unter Eigenschutz und Spezialkräfte nachfordern) verfestigt werden. Der Fokus der Beobachtungen habe auch auf der Abschnittsbildung und der Einsatzführung gelegen. Nach der genauen Auswertung der Protokolle könne so in den kommenden Monaten an dem gefeilt werden, was noch nicht so ganz rund lief. Insgesamt sei man aber mit dem Ablauf zufrieden.