Jeder Termin war ein Highlight für sich!

Weinprinzessin Katrin Schmidt resümiert mit dem Kaiserstühler Wochenbericht ihre Amtszeit

Gefühlt war es erst gestern, als Katrin Schmidt zur 62. Weinprinzessin für die Bereiche Kaiserstuhl und Tuniberg gekrönt wurde. Wie im Fluge ist ein Jahr vergangen. In diesem durfte die Winzerin zahlreiche Höhepunkte, Herausforderungen und herzliche Begegnungen sammeln. Am heutigen Freitagabend gibt sie ihre Krone auf dem Breisacher Weinfest an ihre Nachfolgerin weiter. WZO-Berichterstatter Johannes Vogel zog mit Katrin Schmidt Bilanz über das vergangene Jahr.

Welche Gefühle bewegen Sie, wenn Sie heute ihre Insignien an Ihre Nachfolgerin übergeben?

Ich werde mich für die neu gewählte Weinprinzessin von Herzen freuen und wünsche ihr, dass Sie ihr Amtsjahr mit ihrer Begeisterung für unsere zwei wunderschönen Weinbaubereiche, ihrem Charme und ihrer Herzlichkeit ausfüllen darf. Ich werde meinen Gefühlen freien Lauf lassen – das Jahr war einfach unbeschreiblich schön.

Durch Ihr Elternhaus wurde Ihnen der Bezug zum Weinbau ja quasi in die Wiege gelegt. Ihre ältere Schwester Natalie war Bereichsweinprinzessin Kaiserstuhl/Tuniberg, Badische Weinkönigin und Deutsche Weinprinzessin. Haben Sie schon einmal über eine weitere Kandidatur als Weinhoheit nachgedacht?

Ja, das habe ich. Ich möchte mir diesbezüglich alle Wege offenlassen und jetzt erst noch meine letzten Tage als Bereichsweinprinzessin genießen. Mir war es ein Anliegen, wenn möglich, alle Termine wahrzunehmen. Ich durfte die Kaiserstühler und Tuniberger so herzlich kennen lernen – es war mir eine Ehre, dieses Amt inne zu haben!

Wie haben Sie es geschafft die Aufgaben im Weingut Köbelin, mit denen im schwiegerelterlichen Obst- und Weinbaubetrieb und denen einer Weinprinzessin unter den Hut zu bekommen?

Hierbei war Kommunikation das A und O. Terminbuchungen vom Badischen Weinbauverband kamen meistens sehr früh, sodass ich planen konnte. Kein einziges Mal habe ich von Köbelins ein „Nein“ gehört, wofür ich unglaublich dankbar bin. Zu Hause hat meine Familie stressige Zeiten direkt mitbekommen und mir Freiräume geschaffen. Ohne diesen Rückhalt hätte ich das Amt so nicht ausführen können.

Mit Ihrem beruflichen Hintergrund dürfte es Ihnen nicht schwergefallen sein, immer die richtigen Worte zu finden.

Bevor ich mit meinem Sonnenflitzer zu einem Auftritt gefahren bin, habe ich mir im Voraus immer Gedanken um die richtigen Worte für die passende Eröffnungsrede, Grußworte oder kulinarischen Weinproben gemacht. Was macht das jeweilige Weinfest oder die Weinbaugemeinde aus? Warum genau sollen die Leute zu dieser Veranstaltung kommen, was könnten sie verpassen? Bei Live- Schaltungen ins SWR3- Studio oder einem Live-Interview mit Annette Krause habe ich darauf vertraut die richtigen Worte zu finden. Aufregung gehört da dazu.

Da ist sicher nicht nur die Ausstrahlung, sondern auch Fingerspitzengefühl gefragt?

Ja, total. Lächeln und Winken gehört zum Amt einer Weinprinzessin dazu, keine Frage. Allerdings habe ich auch kritische Gespräche führen dürfen. Interessierte Festbesucher fragten mich, was denn die Arbeit eines Winzers beinhaltet, ob es da ein „Schema F“ gäbe. Und im Berliner Bundestag etwa fragte ich nach, wie die Abgeordneten zu deutschem Spätburgunder stehen und ob bei Sektempfängen Winzersekte ausgeschenkt werden.

Das Volksbegehren „Rettet die Bienen“ ist derzeit in aller Munde. Wie stehen Sie dazu?

Jeder, der eine Unterschrift unter dieses Volksbegehren setzt, sollte auch wissen, was das für Konsequenzen mit sich bringt. Gut gemeint ist nicht gleich gut gemacht. Im Klartext würde die Umsetzung des Volksbegehrens bedeuten: Kein Weinbau und Obstbau am ganzen Kaiserstuhl und in Teilen vom Tuniberg bereits übernächstes Jahr, also ab 2021, da unsere Bereiche zu zahlreichen Naturschutzgebieten zählen und diese laut dem Volksbegehren komplett „pestizidfrei“ werden sollen. Wir müssen die Bevölkerung aufklären, dass wir im Weinberg nicht die „Pest“ behandeln, sondern unsere einmalige Kulturlandschaft durch Pflanzenschutzmittel schützen, wie es der Name bereits sagt – sei es konventionell oder biologisch.

Deutschland ist Vorreiter im umweltschonenden Weinbau – wir ALLE setzen auf Biodiversität, die Förderung der Artenvielfalt und der Nützlinge, modernste Prognosemodelle wie etwa Vitimeteo. Wir arbeiten eng mit der Offizialberatung zusammen, um zielgerecht und just-in-time für gesunde Trauben im Weinberg zu sorgen. Wir Winzer sind Landschaftspfleger und -erhalter, wir arbeiten mit der Natur und nicht gegen sie. Sie werden keinen Landwirt finden, der für das Bienensterben ist. Ja zu den Bienen und Insekten, aber NEIN zum Volksbegehren! Kilian Schneider, der badische Weinbaupräsident, wird einen Volksantrag einreichen, der realistische Forderungen im sensiblen Umgang mit der Natur beinhaltet. Diesen werde ich mit gutem Gewissen unterstützen.

Wie ernst nehmen Sie gerade die jüngsten Entwicklungen, wo es beider Seiten schwierig machen, einen goldenen Mittelweg zu finden?

Ich nehme das sehr ernst, da die Existenz unseres ganzen Berufsstandes auf dem Spiel steht. Die Diskussion wird von beiden Seiten sehr emotional geführt und für die Bevölkerung ist es sehr schwierig an sachliche und neutrale Fakten zu kommen. Besuche ich etwa die Internetseite von ProBiene, so erscheint direkt ein Video von Honigbienen, obwohl es ja um die Wildbienen geht. Dass die Wildbienen und Insekten beispielsweise bei unseren Weinbergsböschungen ideale Rückzugsbedingungen in den Lössböden finden, muss kommuniziert werden. Stimmen wie: „Dann gehe ich eben ins Ausland und beliefere von dort Deutschland mit Lebensmitteln, das geht ja dank zahlreichen Abkommen und einer lockereren Landwirtschaftspolitik“ habe ich schon mehrfach vernommen. Ob das umweltfreundlicher und CO2- emissionseinsparender ist, lasse ich mal im Raum stehen. Ich möchte die Menschen dazu motivieren, mit den Winzern auf den kommenden Weinfesten ins Gespräch zu kommen. Eine Plakat- und Flyerkampagne ist in Planung.

Zurück zu Ihrer Amtszeit. Was waren die schönsten und unvergesslichen Erlebnisse?

Jeder Termin war ein Highlight für sich! Was ich nie vergessen werde ist der Moment, als ich zum ersten Mal an einem meiner acht Ortsschilder vorbeigefahren bin, welche die Stadt Endingen mir zu Ehren aufgestellt habt. Da wurde mir so richtig bewusst: „Du bist es, die Leute stehen hinter Dir!“ Aber auch das Öffnen der ersten Flasche meines Prinzessinnenweins, einem Weißen Burgunder der Winzergenossenschaft Königschaffhausen-Kiechlinsbergen, war einfach nur genial. Solche Gefühle „pushen“ einen für das ganze Amtsjahr.

Können Sie jungen Frauen empfehlen, sich für ein solches Amt zu bewerben?

Einen gewissen weinaffinen, touristischen oder gastronomischen Hintergrund zum Weinbau sollte die Kandidatin, so wie es in der Ausschreibung des badischen Weinbauverbands steht, mitbringen. Jede Interessentin darf sich gerne bei mir melden, dann können wir bei einem Gläsle Burgunder gerne über die Aufgaben einer Weinprinzessin reden.

Wie geht der Alltag nach Ende der Amtszeit bei Ihnen weiter?

Die Weinlese, also der Herbst, steht vor der Tür. Wir konzentrieren uns darauf den 2019er Jahrgang in den Keller einzulagern und daraus Weine zu keltern, die Trinkfreude hervorrufen.

Können Sie uns zum Abschluss verraten welche ihre Lieblingsweine sind?

Während meinem Amtsjahr habe ich so viele tolle Weine probieren dürfen. Am meisten überzeugt haben mich die Weißen und Grauen Burgunder. Gerade, als es dieses Jahr so heiß war, war ein spritziger Weißburgunder oft in meinem Glas.