Kein Verein, sondern eine Lebenseinstellung

Mit einem großen Festwochenende feierte die Feuerwehr Riegel ihr 150-Jähriges - Zukunftsssicherung wird eine Herausforderung

150 Jahre sind ein Jubiläum, dass man gebührend feiern muss. Und genau das ist der Feuerwehr Riegel am vergangenen Wochenende bestens gelungen – und das ganze Dorf feierte mit.

„Es ist mir eine Ehre, im Jubiläumsjahr der Kommandant der Riegeler Feuerwehr zu sein“, eröffnete Stefan Motzkus den internen Galaabend in der Römerhalle. Er blickte kurz zurück auf viele große Ereignisse in den vergangenen 150 Jahren, geprägt vom Auf und Ab der jeweiligen Zeit, dem Zusammenhalt der Kameraden und seinen zahlreichen Vorgängern. Er dankte all denen, die sich über fünf Generationen hinweg für die Ideale der Feuerwehr engagiert haben und freute sich, dies mit dem aktuellen Galaabend würdigen zu können.

Das Aufgabenspektrum hat sich in den vergangenen 150 Jahren immer wieder geändert – aber die Riegeler Wehr wurde dem immer wieder gerecht“, so Landrat Hanno Hurth in seinen Grußworten. Die Feuerwehr sei heute zu einem Dienstleistungsunternehmen unter dem Dach der Gemeinde geworden. Da sei es auch nur recht, dass die ehrenamtlich tätigen Feuerwehrangehörigen von den Gemeinden professionell ausgerüstet werden. Im Landkreis Emmendingen seien die Gemeinden hier vorbildlich tätig, bedankte er sich auch bei Bürgermeister Daniel Kietz. Abschließend ging Hurth auch auf die heute immer mehr steigenden Anforderungen an die ehrenamtlich Tätigen, die für ihre Mitmenschen manchmal auch ihr Leben riskieren. Die Vereinbarkeit der vier großen „F“ (Familie, Freizeit, Firma, Feuerwehr) sei die große Herausforderung für die Zukunft, damit dieses wichtige Ehrenamt in dieser Form bestand habe. Hier seien auch die Arbeitgeber gefragt. Hurth nahm in diesem feierlichen Rahmen auch einige Ehrungen vor: Für 15 Jahre aktiven Feuerwehrdienst zeichnete er Thorsten Schwarz, Torsten Motzkus, Stefan Seifert und Stefan Motzkus mit dem feuerwehr-Ehrenzeichen in Bronze aus. An Markus Griesbaum, Steffen Schwarz und Michael Mayer-Reichenbach ging das für 25 Jahre. Das Abzeichen in Gold für 40 Jahre konnten Franz-Josef Jenger und Dieter Gerber entgegennehmen.

In einer interessanten Gesprächsrunde gaben Kommandant Stefan Motzkus, Bürgermeister Daniel Kietz und Kreisbrandmeister Christian Leiberich Einblick in aktuelle Themen rund um die Feuerwehr. Stolz auf „seine“ Wehr zeigte sich Bürgermeister Daniel Kietz. Die Zusammenarbeit mit Kommandant Stefan Motzkus funktioniere hervorragend, nicht zuletzt durch die Nähe – Motzkus arbeitet in der Kämmerei der Gemeinde. „Er ist wahrscheinlich der einzige Kommandant im Landkreis, der der seine Ausrüstung nicht nur bestellt, sondern sie im Anschluss auch bezahlen muss“, schmunzelte Kietz. „Die weitläufige Gemarkung umfasst neben Landes- und Kreisstraßen auch zwei Bahnlinien, zehn Siedlerhöfe, Ackerland, Waldflächen, Flüsse, Seen, Rebflächen, Bergen und Täler und mehr“, betonte Motzkus noch einmal, wie stolz er sei, dass seine kleine, einsatzstarke Truppe immer wieder schaffe. Auch in dieser Runde wurde das Thema Zukunft diskutiert. „Unterstützung“ seitens der Gemeinde für die Feuerwehr sei das falsche Wort, so Kietz. „Die Kameraden unterstützen eher die Gemeinde dabei, ihre Aufgabe, nämlich die Sicherheit im Ort zu garantieren, zu erfüllen.“ Über Geld wolle er nicht sprechen, denn „die Kameraden wissen, was sie brauchen. Da gibt es auch im Gemeinderat eigentlich keine Diskussionen.“ Die Größe der Wehr und die Fortführung der Arbeit in der Zukunft seien tatsächlich die größten Herausforderungen. Dem stimmte auch Kreisbrandmeister Leiberich zu: „Die Feuerwehr ist kein Verein oder bloßes Hobby, sie ist Lebenseinstellung und Berufung!“ Städte und Gemeinden müssten dieses Ehrenamt fördern und so attraktiv halten. Geld an sich sei aber nicht der Weg. „Die Feuerwehr muss das bleiben, was sie immer war: eine zweite Familie.“ Diese Kameradschaft müsse kultiviert werden, denn „mir sind 30 Feuerwehrleute, die gut im Team arbeiten lieber, als 100, die das schlecht tun“, so der Kreisbrandmeister.

Für einen etwas anderen Rahmen sorgte am Galaabend Feuerwehr-Kabarettist Günter Nuth. Der Städtische Brandamtsrat a.D. hat Szenen aus seiner Amtszeit bei der Stadt Düsseldorf zu einem pointierten und teilweise überspitzt komischen Programm zusammengestellt. „Der Piepser geht immer zu den unpassendsten Zeiten runter. Aber wenn mal die buckelige Verwandtschaft dasitzt, dann gibt es nicht mal die kleinste Ölspur…“, so Nuth, der im weiteren Verlauf mit unzähligen Geschichten auch unter Einbezug des Publikums für einen kurzweiligen Abend sorgte.

Das weitere Festwochenende wurde mit zahlreichen Gästen aus dem Ort, aber auch aus dem ganzen Landkreis gefeiert. Zur Blaulichtparty am Samstag waren nicht nur die Bevölkerung, sondern auch explizit alle Blaulicht-Organisationen im Landkreis eingeladen. Mit dem Gespür für die richtige Party-Musik von den Lokalmatadoren von Götz N‘ Moritz wurde gemeinsam bis in die Nacht hinein gefeiert. Früh aufstehen hieß es für die Riegeler Kameraden dann gleich am Sonntag: Halle und Ort wurden für die weiteren Feierlichkeiten und den großen Festzug vorbereitet. Schon während des Ökumenischen Gottesdienstes und dem Mittagessen in der Halle öffnete der Himmel leider die Schleusen. Doch echte Feuerwehrleute schreckt das nicht ab. Und so setzte sich der Tross mit über 450 Personen von 14 Feuerwehren (inklusive Ortsteil-Wehren) sowie drei Musikgruppen in Bewegung. Auch die Zuschauer ließen sich nicht abschrecken. Und so säumten trotzdem zahlreiche Festgäste die Umzugsstrecke zur Römerhalle, wo man sich anschließend gerne aufwärmte und es sich bis zum Festende am frühen Abend gut gehen ließ.