Die Ausbreitungsrate verlangsamen

Corona-Update - Landratsamt rät von Veranstaltungen mit über 200 Personen ab

Das Robert-Koch-Institut hat am Mittwoch die französische Region Grand Est (Elsass, Lothringen und Champagne-Ardenne) zum Corona-Risikogebiet erklärt. Das sorgt verständlicherweise für einige Aufregung, besonders in den grenznahen Gebieten.

Zwischen Südbaden und dem Elsass findet ein reger Bevölkerungsaustausch statt. Zahlreiche Arbeitnehmer pendeln täglich zu ihren Arbeitsplätzen in den Nachbarländern, viele Kinder besuchen Schulen auf der jeweils anderen Rheinseite. Dazu kommt der Einkaufstourismus. In „normalen Zeiten“ eine tolle Sache – im Zuge der Corona-Pandemie wird das nun kritisch betrachtet. Bereits am Montag hat das Regierungspräsidium Freiburg deshalb empfohlen, das Département Haut-Rhin aufgrund der rapide steigenden Fallzahlen wie ein Risikogebiet zu behandeln. Am Mittwoch kam nun die offizielle Einstufung des RKI für das ganze Elsass. Pendlern aus dem und ins Elsass wird nun nahegelegt, nach Möglichkeit 14 Tage zu Hause zu bleiben. Den Südbadenern wird empfohlen alle Besuche, Fahrten und unnötigen Kontakte ins Elsass vorerst zu unterlassen. Da die Grenzen nicht geschlossen werden besteht weiterhin Freizügigkeit. Deshalb werden vermutlich auch weiterhin Nachbarn aus dem Elsass zum Einkaufen über die Grenze kommen. Übertriebene Reaktionen sind jedoch unangebracht, denn auch in Südbaden ist Corona bekanntlicher Weise bereits angekommen, und man könnte sich genauso bei einem deutschen Nachbarn in der Schlange an der Kasse anstecken. Aufgrund des generellen Ansteckungsrisikos wird – unabhängig davon, ob jemand in einem Risikogebiet war oder nicht – empfohlen, ein bis zwei Meter Abstand zu anderen Personen zu halten und die einschlägigen Hygieneempfehlungen, die schon seit Tagen kommuniziert werden (Händewaschen, Nieshygiene, etc), zu beachten. Das Land Baden-Württemberg hat vorerst Veranstaltungen mit über 1.000 Teilnehmern untersagt. Zusätzlich rät das Landratsamt seit dem gestrigen Donnerstag davon ab, Veranstaltungen ab 200 Personen durchzuführen. Das Spiel des Bahlinger SC gegen Pirmasens am morgigen Samstag wird deshalb ohne Zuschauer ausgetragen. Ob die Sportvereine der unteren Ligen dem folgen, bleibt abzuwarten.

Ausbreitung verlangsamenDie Ausbreitung zu verlangsamen, das ist im Moment das große Ziel, das gemeinsam verfolgt werden muss. Denn bei einem weiteren exponentiellen Anstieg der Infektionszahlen könnte sonst das Gesundheitssystem zusammenbrechen (Ausfall medizinischen Personals, nicht ausreichend Betten in Krankenhäusern, etc.), was auch Patienten mit anderen Erkrankungen gefährdet. Zu schützen gilt hier vor allem die ältere Bevölkerung ab 65, da laut Experten vor allem diese Gruppe von schwereren Krankheitsverläufen betroffen ist. Üblicherweise betreuen heutzutage die Großeltern bei Engpässen die Enkelkinder. Gerade das jetzt zu unterlassen, das rät zum Beispiel Prof. Dr. Christian Drosten, Leiter der Virologie an der Berliner Charité: „Übernehmen Sie Sie stattdessen in den kommenden Wochen die Verantwortung für die Großeltern und gehen für sie einkaufen.“ Im NDR-Podcast gibt Drosten täglich jeweils gegen Mittag ein Coronavirus-Update. Dabei solle es nicht um Panikmache gehen – man wolle informieren, einordnen und Hintergründe liefern. Den Podcast gibt es unterTrFug www.ndr.de/nachrichten/info/

Aktueller StandIn Baden-Württemberg gibt es derzeit 277 Corona-Fälle. In der Stadt Freiburg (18) und dem Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald (19) gibt es aktuell insgesamt also 37 infizierte Personen (Stand Redaktionsschluss). Nach wie vor unternehme das Gesundheitsamt alle Anstrengungen, die Weiterverbreitung des Virus zu minimieren, erklärt das Landratsamt in einer Pressemitteilung. Die aktuelle Strategie sei es, einzelne Infektionen so früh wie möglich zu erkennen und die weitere Ausbreitung des Virus durch die Nachverfolgung der Infektionsketten so weit wie möglich zu verzögern. Dabei handle man in enger Abstimmung mit den Landesbehörden und den Einrichtungen der Gesundheitsversorgung wie zum Beispiel den Kliniken und der niedergelassenen Ärzteschaft. Die Verwaltungsführung des Landratsamtes Breisgau-Hochschwarzwald habe enge Kontakte zu den Entscheidungsträgern auf der anderen Rheinseite intensiviert, unter anderem gab es Telefonate mit der zuständigen Präfektur des Oberelsass.

Im Landkreis Emmendingen wurden am Mittwoch und Donnerstag vier weitere Corona-Fälle gemeldet. Damit erhöht sich die Gesamtzahl mit dem Coronavirus infizierten Menschen auf 17 (Stand Redaktionsschluss). Auch im Kreiskrankenhaus gibt es nun den ersten Patienten mit positiven Testergebnis. Unmittelbar nachdem dies bekannt wurde hat das Gesundheitsamt die Kontaktpersonen ermittelt. Die Kontaktpersonen des Klinikpersonals wurden umgehend in häusliche Isolation geschickt, sie führen ein Tagebuch zu möglichen Symptomen. Der Patient befindet sich in einem eigens eingerichteten Isolationszimmer im Kreiskrankenhaus. Bei dem Erkrankten handelt es sich um einen Patienten, bei dem im Laufe einer anderweitigen stationären Behandlung Symptome auftraten. Der Patient wurde daraufhin unmittelbar auf das neuartige Coronavirus getestet. „Wir bündeln unsere Kräfte, da wir davon ausgehen müssen, dass es weitere Fälle geben wird“, so Dr. Fritz-Ulrich Hahne, Chefarzt der Anästhesie und Intensivmedizin. Bereits jetzt engagierten sich die Mitarbeiter des Hauses über die Maßen. „Priorität haben unsere Patienten im Haus“. Trotz der Einschränkungen geht der Klinikbetrieb weiter.

Der vom Landratsamt gebildete Corona-Verwaltungsstab hatte am vergangenen Wochenende aufgrund des sprunghaften Anstiegs der Fallzahlen auf 13 die entsprechenden Schritte koordiniert. Dr. Armin Dietz, Leiter des Gesundheitsamts des Landkreises, beschrieb bei der Pressekonferenz im Landratsamt am Montag die aufwendigen und zeitintensiven Recherchen um zu ermitteln, welche Personen mit den Infizierten in sogenanntem „engem Kontakt“ und welche in weniger engem gestanden haben, um weitere Handlungsempfehlungen geben zu können (verordnete vs. nur empfohlene häusliche Absonderung). Bei den meisten Fällen handelt es sich um Südtirol-Rückkehrer sowie Folgeinfektionen nach Kontakt mit einer Person, die im Februar an einer kirchlichen Veranstaltung in Mulhouse im Elsass teilgenommen und sich wohl dort angesteckt hat. Alle bis dahin positiv getesteten Personen befinden sich in häuslicher Absonderung und stehen in Kontakt mit dem Gesundheitsamt. Der Kindergarten in Jechtingen, der am vergangenen Freitag geschlossen worden war, wird am Montag, 23. März, den Betrieb wieder aufnehmen. Das gilt ebenso für die Grundschule in Rheinhausen und das Geschwister-Scholl-Gymnasium in Waldkirch. Sollte es bis dahin jedoch neue Infektionsfälle an den jeweiligen Schulen geben, wird das Gesundheitsamt des Landkreises zusammen mit den Trägern neu entscheiden. Es wurde ein Infoblatt Empfehlungen zusammengestellt, wie sich die von der Schulschließung betroffenen Kinder und Jugendlichen, deren Eltern und Lehrkräfte und weitere Kontaktpersonen verhalten können.

Zentrale Anlaufstellen für TestsIm Landkreis Emmendingen wurde übers vergangene Wochenende eine zentrale Anlaufstelle in separaten Räumen im Kreiskrankenhaus Emmendingen (KKH) eingerichtet, die die Tests und das anschließende weitere Vorgehen koordiniert. Sie wurde von Dr. Dirk Kölblin, Kreisbeauftragter für den Notfalldienst der Kassenärztlichen Vereinigung und seinen Kollegen aufgebaut, und wird seit Dienstag vom Medizinischen Versorgungszentrum am KKH betreut. „Bitte kommen sie trotzdem nicht direkt ins Krankenhaus“, appellierte Dr. Fritz-Ulrich Hahne bei der Pressekonferenz im Landratsamt am Montag an die Bevölkerung, trotzdem die Handlungskette einzuhalten und immer zuerst telefonisch Kontakt zu suchen. Beim Verdacht einer Covid-19-Infektion sind die erste Ansprechstelle tagsüber weiterhin die Hausärzte bzw. außerhalb der Sprechzeiten der Kassenärztliche Notdienst (Telefon 116 117). Der kontaktierte Arzt klärt dann am Telefon im Einzelfall das weitere Vorgehen. Bei konkretem Verdacht auf eine Covid-19-Infektion vermittelt dieser dann den Termin für den Abstrich. Patienten, die die Zentrale Abstrich-Einheit aufsuchen, sollen das Krankenhaus nach der Anmeldung an der Rezeption des Haupteingangs nicht mehr betreten. Der Zugang erfolgt über die Wegleitung entlang des Bauzauns. Die Zentrale Abstrich-Einheit befindet sich im weißen Ergänzungs-Neubau des Krankenhauses. Die Wege sind rund um das Krankenhaus mit grünen Pfeilen ausgeschildert. Bereits am Mittwoch hatte die Klinikleitung unabhängig von dem aktuellen Fall die Besuchsregelung angepasst: Besucher werden gebeten, ihre Besuche möglichst zu verschieben und mit den Patienten des Hauses telefonisch oder per Videoanruf Kontakt zu halten. Auch der kostenfreie Grußkartenservice, der über die Homepage des Kreiskrankenhauses gebucht werden kann, erfreut sich zunehmender Beliebtheit. Um die Kommunikation von Patienten zu erleichtern, wurde das WLAN des Kreiskrankenhauses bis auf weiteres kostenfrei geschaltet.

Für Freiburg, den Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald und auch die weitere Region ist das Universitätsklinikum Freiburg schon seit Ende Januar eine der zentralen Anlaufstellen für die Labortests. Hier hat man aktuell ein anderes Problem: das Infektionsrisiko durch unbedachte Besucher. Ein Patient an der Uniklinik hat sich vermutlich bei einem Besucher mit dem neuartigen Coronavirus infiziert. Der Patient wurde isoliert und alle Kontaktpersonen informiert. Dazu gehören auch Klinikbeschäftigte, die Kontakt zum Patienten und seinem Besucher hatten. Rund 30 Uniklinik-Beschäftigte aus unterschiedlichen Berufsgruppen müssen jetzt vorübergehend zu Hause bleiben. Wie lange dies gilt, wird in den nächsten Tagen individuell entschieden. Trotz des personellen Engpasses kann der Stationsbetrieb laut Uniklinik aufrechterhalten werden. Um die Patienten zu schützen, bittet die Klinik, ab sofort auf Besuche so weit wie möglich zu verzichten.