Training mit Einschränkungen

Vereine im Breiten- und Leistungssport nehmen wieder Betrieb auf

Seit Montag sind alle Sportarten, die unter freiem Himmel und unter Einhaltung strenger Infektionsschutzvorgaben ausgeübt werden können, in Baden-Württemberg wieder erlaubt. Auch die Sportvereine in der Kaiserstuhlregion haben unter den gegenwärtigen Bedingungen den Trainingsbetrieb wieder aufgenommen.

„Unser oberstes Ziel bleibt, eine neue Infektionswelle zu verhindern. Deshalb können wir auch im Breiten- und Leistungssport nur schrittweise Lockerungen ermöglichen. Wir beginnen nun in einem ersten Schritt mit kontaktlosen Trainings- und Übungsangeboten im Freien“, erklärte Baden-Württembergs Sportministerin Susanne Eisenmann. Bei Sportarten wie Leichtathletik, Tennis, Reiten, Klettern, Kanusport und Sportschießen auf Außenanlagen könnten die Regeln des Infektionsschutzes gut eingehalten werden.

Für den Wiedereinstieg im Breiten- und Leistungssport im öffentlichen Raum und auf öffentlichen und privaten Sportanlagen und Sportstätten im Freien hat das Ministerium für Kultus, Jugend und Sport ein Konzept erarbeitet. So muss während der gesamten Übungseinheiten ein Abstand von mindestens eineinhalb Metern zwischen sämtlichen anwesenden Personen durchgängig eingehalten werden. Ein Training von Sport- und Spielsituationen, in denen ein direkter körperlicher Kontakt erforderlich oder möglich ist, ist untersagt. Trainingseinheiten dürfen ausschließlich individuell oder in Gruppen von maximal fünf Personen erfolgen. Bei größeren Trainingsflächen gilt, dass eine Trainingsgruppe von maximal fünf Personen pro 1.000 Quadratmeter zulässig ist. Die Sport- und Trainingsgeräte müssen nach Gebrauch sorgfältig desinfiziert werden. Umkleide- und Sanitätsräume, insbesondere Duschräume, bleiben geschlossen. Um Infektionsketten gegebenenfalls nachvollziehen zu können, sind die Teilnehmer der Trainingsangebote zu dokumentieren.

Eisenmann: „Die Vorgaben müssen verantwortungsvoll und verlässlich umgesetzt werden – von allen Übungsleitern, aber auch von den Sportlern selbst. Sie sei sehr zuversichtlich, dass dies schon aus eigenem Interesse geschehe. Sollten die Infektionszahlen stabil auf niedrigem Niveau bleiben, sei es das Ziel, in einem weiteren Schritt auch Sport- und Trainingsangebote in Schwimmbädern, Sporthallen und anderen geschlossenen Räumlichkeiten unter strengen Auflagen zu ermöglichen.

Endlich wieder Training

„Wir haben unsere Tennis-Netze am Sonntagabend wieder installiert“, sagt Oliver Weber, Vorsitzender des Tennis-Club Kaiserstuhl Bischoffingen. „Einige Mitglieder waren natürlich sehr heiß darauf wieder loslegen zu dürfen.“ In der Zeit des Corona-Lockdowns habe er viele Mitglieder gesehen, die sich mit joggen fitgehalten haben. Die älteren Mitglieder des Vereins spielten besonders gerne Doppel, dies aber ist derzeit noch nicht erlaubt. Verschoben werden muss ein jährliches Highlight des Vereins, die Vogtsburg Open. Eigentlich hätte das Turnier am Pfingstmontag stattfinden sollen. „Gespielt wird aber im Doppel, außerdem lebt die Veranstaltung von den Zuschauern“, so Weber. Der Verein versuche in Absprache mit der Stadt die Veranstaltung auf den Spätsommer zu verschieben. Der Beginn der Ligen wurde vom Badischen Tennis-Verband auf den 15. Juni terminiert. „Auch hier wären nur die Einzelwettbewerbe möglich, leider dann auch ohne die traditionelle Bewirtung der Gastmannschaft nach dem Spiel“, erklärt Weber.

Das Training läuft auch bei den Triathleten des TV Riegel wieder an. Am Dienstag wurde unter Einhaltung der Richtlinien das erste Lauftraining gestartet. „Die maximal 5 Personen großen Gruppen sind vor Ort eingeteilt worden und zeitversetzt gestartet“, erklärte Vanessa Dinkel vom TV Riegel. Alle würden sich sehr auf die gemeinsamen Trainingseinheiten freuen. Am Wochenende werde dann auch wieder mit dem Radtraining begonnen, warten muss jedoch noch das Schwimmtraining. In der Corona-Zwangspause trainierten die Triathleten viel Zuhause, auf dem Programm standen Übungen in den Bereichen Kraft, Stabilisation, Beweglichkeit und Koordination. Georg Aigner, Leiter der Triathlonabteilung unterstützte die Mitglieder mit einem wöchentlich versendeten Trainingsplan. Dabei sei auch darauf geachtet worden, die Motivation hochzuhalten. Doch werde es dieses Jahr voraussichtlich keine Triathlon-Wettkämpfe geben. „Viele nutzen 2020 jetzt als Trainingsjahr“, so Dinkel. Ab Oktober wollten sie wieder richtig loslegen und die Saison 2021 planen. Der TV Riegel selbst musste dieses Jahr schweren Herzens den Rigolator absagen, letztes Jahr waren dort rund 340 Triathleten am Start. „Der Rigolator brachte einen Gewinn, welcher für den Gesamtverein für Trainer, Auslagen Startgelder, Beschaffung Vereinsbekleidung und vieles mehr verwendet wurde“, erklärte Dinkel. Der Verein spreche gerade mit den Sponsoren, auch die Rückabwicklung der Teilnehmergebühren werde gerade vorgenommen. Der Verein plane derzeit die Austragung des Crosslaufs im November. „Spätestens im September müssen wir Klarheit haben, ob und wie dieser durchgeführt werden kann“, betont Dinkel.

Reiten und Radfahren

Aus Tierschutzgründen hatten die Reiter und damit die Vereine eine gewisse Sonderstellung gegenüber den anderen Sportlern während des Lockdowns, erklärt Klaus Breisacher, Vorsitzender des Bahlinger Reit- und Fahrvereins (RFV). „Wir konnten in Absprache mit dem Bürgermeisteramt die Pferde bewegen, da dies zur Verantwortung der Tierhaltung gehört.“ So sei es möglich gewesen, dass die Reitplätze und die Reithalle zeitgleich jeweils von einem Reiter mit Pferd benutzt werden durften. Mittels einer App wurde dies von den Reiterinnen selbst organisiert. „Das hat hervorragend geklappt, so dass wir auch zukünftig die Nutzung der Reitanlage auf diese Weise dokumentieren wollen“, so Breisacher. Einen großen Ansturm erwarte er deshalb nicht in der Reitanlage. „Es ist natürlich schön, dass nun wieder mehrere gleichzeitig auf die Reitplätze dürfen.“ Auch die wöchentliche Springstunde dürfe ab dieser Woche wieder stattfinden. „Leider mussten wir unseren beliebten Ostermontagsritt und den parallel dazu stattfindenden Reitertag absagen, die fehlenden Einnahmen belasten die Vereinskasse.“ Der Turnierbetrieb ruhe derzeit komplett, die deutschlandweit größten Veranstaltungen wurden ebenso abgesagt wie die regionalen Turniere. Der Dachverband des Pferdesports habe jüngst mögliche Regelungen entworfen, wie „Geisterturniere“ stattfinden könnten. „Ein Turnier ohne Zuschauer können wir uns bisher aber nur sehr schwer vorstellen und das nicht nur aus finanziellen Gründen“, sagt Breisacher. „Unser Turnier wird ja nicht ohne Grund im Volksmund als Reitfest bezeichnet.“ Der RFV hat für den 10. bis 12. Juli eine genehmigte Ausschreibung für ein dreitägiges Turnier erstellt. „Ob wir dann tatsächlich das Turnier durchführen, werden wir im Juni entscheiden.“

Wieder „fast normal“ trainiert seit dieser Woche der RSV Achkarren. „Wir haben ja das Glück, dass Radsport trotz der Beschränkungen durchführbar war. Das geht bei uns zumindest ab den höheren Nachwuchsklassen auch alleine oder im Kreis der Familie“, erklärt Christian Gut, Vorsitzender des Radsportvereins. Generell bestehe das Trainingsprogramm aus einem gewissem Maß an Eigenverantwortung. In den letzten Wochen hätten die Fahrer daher eher alleine, zu zweit in festen Pärchen oder auch im Kreis der Familie trainiert. Positiver Nebeneffekt: „Teilweise sind Eltern stärker eingesprungen oder haben wieder verstärkt begonnen Rad zu fahren“, so Gut. Bezüglich Wettkämpfen prägten aktuell leider noch Absagen das Bild. Während im Profiradsport ein neuer Kalender existiere, der die wichtigen Rennen auf die Zeit ab August verlegt, stehe das im Amateurradsport noch nicht fest. „Ein großer Einschnitt für uns ist die soeben erfolgte Absage unseres eigenen Radrennens, des „Großen Weinpreis der WG-Achkarren“, betont Gut. Die Veranstaltung war auf den 31. Mai terminiert. „Wir haben sehr lange mit der Absage gewartet, aber natürlich ist es unter den aktuellen Bedingungen nicht durchführbar.“ Die Corona-Verordnungen ließen aktuell maximal Einzelzeitfahren unter Ausschluss der Öffentlichkeit zu. Für alles Weitere gelte es erst einmal abzuwarten.

Gemischte Gefühle bei Bundesliga

(Amateur-)Fußballmannschaften dürfen in Baden-Württemberg derzeit nur individuell und in Kleingruppen trainieren. Möglich sind Formen eines Konditions- oder Koordinationstrainings mit verschiedenen Stationen über das Spielfeld verteilt oder in Form von Technik- und Torschussübungen. Jedoch gelten auch hier die Abstandsregeln, Körperkontakt ist nicht erlaubt. Die Profis der 1. und 2. Bundesliga starten den Spielbetrieb hingegen wieder am morgigen Samstag. Die Meinungen zu dieser Sonderregelung sind gespalten. Oliver Weber (TC Kaiserstuhl): „Ich bin selbst großer Fan vom SC Freiburg. Aber es zeigt sich hier deutlich, dass es sich bei den Bundesligavereinen um Wirtschaftsunternehmen handelt, die auf Teufel komm raus spielen müssen, um die eingeplanten Fernsehgelder zu erhalten.“ Er empfand die bisher gezeigten "Geisterspiele" eher langweilig. Auch Klaus Breisacher (RFV Bahlingen) ist Fußballfan, sagt aber: „Dass der Profifußball eine Sonderrolle erhält, finde ich persönlich nicht nachvollziehbar.“ Gerade bei den Summen, mit denen dort jongliert werde, sollte es möglich sein, einige Monate zu überbrücken. „Ansonsten würde ich den Vereinen mal raten kleinere Brötchen zu backen.“ Systemrelevant seien sie jedenfalls nicht. Georg Aigner (TV Riegel) hat dagegen eine ganz andere Meinung. „Jeden Schritt zur Normalität begrüße ich, deshalb auch die Fortsetzung der Bundesliga.“