Kleines, feines Schmuckstück fürs Kulturleben

Denzlinger Gaus-Haus: Historie bewahrt, für moderne Nutzung behutsam saniert

Denzlingen (hvg). In kleinstem Rahmen wurde kürzlich ein neues Schmuckstück Denzlingens öffentlich vorgestellt: Das Gaus-Haus ist nach seiner Sanierung nun für öffentliche Veranstaltungen kleineren Rahmens nutzbar.

Wo früher ein herrschaftliches Gebäude stand, erstreckt sich heute der Festplatz; ein vor nicht langer Zeit wieder aufgefundener Brunnen wirkt als markantes Kennzeichen dieses Ensembles, wird aber nun farblich wie größenmäßig vom dahinter liegenden Gaus-Haus dominiert. Kurz vor Überschwappen der Corona-Krise in die Region wurde die Sanierung dieses beinahe 300 Jahre alten Gebäude beendet. Vor wenigen Tagen überzeugten sich Verbandsbaumeister Steffen Koch, Herbert Biehler vom Hochbauamt, Ortshistoriker Professor Dr. Dieter Geuenich und Architekt Dieter Hölken von der Qualität der Arbeiten dafür.

Entstanden ist hier ein frisch wirkendes, dabei doch seine Herkunft in würdiger Gelassenheit ausstrahlendes Gebäude, in dem sich künftig ein Teil des Denzlinger bürgerschaftlichen Lebens abspielen dürfte. Die Bestuhlung bietet Platz nur für 20 bis 30 Teilnehmer, an unmöblierten Veranstaltungen könnten in Zeiten ohne Abstandszwänge wohl auch etwas mehr Interessierte teilnehmen.

Sanierungsmaßnahmen

Architekt Hölken unterstrich, dass in enger Abstimmung mit der Denkmalschutzbehörde geplant und umgebaut wurde, um die Balance zwischen behutsamer Modernisierung und Wahrung der Bauwerks-Historizität zu halten. Die ursprünglich vorhandene Schlafkammer und der Wohnraum wurden zusammengeführt, indem eine Wand zwischen ihnen herausgenommen wurde. So entstand der Hauptraum des Gebäudes, neutral weiß gehalten, das originäre Balkenwerk sichtbar lassend und nicht zuletzt durch zurückhaltend installierte Technik auf die veränderte Nutzung ausgerichtet: Ein nicht geringer Teil der insgesamt 65 Leuchten erfüllt hier seinen Zweck, Galerieschienen ermöglichen das Befestigen von Rahmen und anderem an den Wänden.

Der Eingang wurde aufgeweitet, er gibt sogleich den Blick frei auf die kleine Teeküche, der gegenüber Sanitärräume eingefügt wurden. Das Obergeschoss ist mittels Einschubtreppe zugänglich, aus brandschutzrechtlichen Gründen jedoch nicht öffentlich nutzbar. Das gesamt Gebäude wurde statisch ertüchtigt und, nicht zuletzt, um die Absackungsgefahr zu bannen. Das Untergeschoss – das vermutlich sogar aus dem 16. Jahrhundert stammt und über dessen gesonderte Nutzung noch zu befinden sein wird – bietet eine gute Anschauung auf frühes bauliches Know-how: Die einfachen Fensterklappen dort sind weiterhin in Betrieb; sie dienen der Luftzirkulation, im Sommer verhindern sie im geschlossenen Zustand das Eindringen zerstörerisch wirkender warmer Luft.

Kostenrahmen eingehalten

Ungewöhnlich für ein Sanierungsvorhaben dieser Art, hob Verbandsbaumeister Koch hervor, ist das Einhalten der Kostenplanung, die sich auf ca. 392.000 Euro belief; 51 Prozent davon wurden aus dem Bund-Länder-Programm „Aktive Stadt und Ortsteilzentren“ gefördert.

Der Eckbalken des Hauses, von außen gut sichtbar, weist verkürzt auf die Historie des Gebäudes hin: „Hans L(upberger) – 1728 – E(va) B(ischof) – H(anny) H(ans) Z(immermann)“ sind dort zu lesen, wie Band 2 der von Geuenich und Dieter Ohmberger herausgegebenen Ortschronik ausweist. Hans Lupberger aus Gundelfingen heiratete 1710 die Denzlingerin Eva Bischof, die dieses Haus vermutlich aus einer ihrer beiden vorigen Ehen mitbrachte. Später kam es dann auf die Familie Gaus, als letzte Besitzerin nachgewiesen ist Irma Gaus, die 2001 verstarb. 2009 schließlich kam das Gebäude im Zuge eines städtebaulichen Umlegungsverfahrens in den Besitz der Gemeinde Denzlingen. Nun also wird es allen Bürgern zugänglich sein.