Bedarf an gesundem Essen wächst

Offizielle Vergabe von Baugrundstück an das Bürgerprojekt RegioBioKüche

Eichstetten (bos). Am Dienstag fand in der Geschäftsstelle der Regionalwert AG die offizielle Vergabe des Baugrundstückes durch die Gemeinde Eichstetten an die Regionalwert Immo für das Projekt der RegioBioKüche statt. Die Großküche soll Mitte 2022 in Betrieb genommen werden. Ihr Hauptaugenmerk gilt der Gemeinschaftsverpflegung von Einrichtungen wie Schulen, Kindergärten und Mensen, deren Versorgung mit regionalen Bio-Speisen verbessert werden soll. Wie alle bisherigen Projekte der Regionalwert AG Freiburg soll auch der Erwerb des Grundstücks auf dem ehemaligen Gould-Areal und der Bau des Betriebsgebäudes bürgerfinanziert werden.

Christian Hiß, Gründer und Vorstand der Regionalwert AG, betonte, wie sehr er sich über den Zuschlag der Gemeinde Eichstetten für das Grundstück freue. Bürgermeister Michael Bruder erklärte, dass die Versorgung mit regionalen Lebensmitteln ein wichtiges Thema sei, dies sei zuletzt gerade durch die Corona-Pandemie wieder sehr deutlich geworden. „Wir haben in Eichstetten alle Möglichkeiten zur Selbstversorgung vor Ort“, so Bruder. Deswegen sei es folgerichtig, dass die Gemeinde dahinterstehe, solche Strukturen zu erhalten. Mit dem Projekt der RegioBioKüche komme nicht zuletzt ein wichtiger Baustein der Weiterverarbeitung von regionalen Produkten ins Dorf.

Regionalwert AG-Aufsichtsrat Johannes Ell-Schnurr stellte das Projekt detailliert vor und betonte, dass Eichstetten erste Wahl bei der Standortsuche gewesen sei. „Der Standort ist prädestiniert, wir haben hier kurze Wege und bestehende Strukturen, viele Kooperationspartner von uns sind hier ansässig.“ Menschen jeden Alters sollten sich ökologisch, regional und somit gesund ernähren können – so der Anspruch des Großküchenbetriebes. Ziel ist es, die Verpflegung in Kitas, Schulen, Pflegeheimen und Betriebskantinen in der Stadt Freiburg und dem gesamten Umland mit der RegioBioKüche zu verbessern. „Der Bedarf für die regionale Bio-Außer-Haus-Verpflegung ist sehr hoch, Experten schätzen den aktuellen Bio-Anteil in der Gemeinschaftsgastronomie auf lediglich 1 Prozent“, erklärte Ell-Schnurr. Die Regionalwert AG Freiburg habe es sich mit dem Projekt RegioBioKüche zur Aufgabe gemacht, das Bio-Angebot in der regionalen Gemeinschaftsverpflegung zu verbessern. Dazu soll zu 100 Prozent mit Bioprodukten, wann immer möglich aus der Region gearbeitet werden. „Bio und regional ist optimal“, sagte Ell-Schnurr mit einem Lächeln.

5.000 Essen pro Tag

In Partnerschaft mit der Stadt Freiburg soll das Projekt gemeinsam mit den regionalen Lieferanten, Großhandelslogistikern, Einzelhändlern und Gemeinschaftsverpflegungseinrichtungen umgesetzt werden. Die regionalen Betriebe liefern frische Lebensmittel, die Betriebe der RegioBioKüche verarbeiten, kochen und verteilen. Als Mehrkomponentenküche bietet sie Speisen in unterschiedlichen Verarbeitungsstufen an. Ell-Schnurr: „Der Vorteil dabei ist, dass größere Mengen verarbeitet, die Auslastung erhöht und die Kosten pro Essen minimiert werden können.“ Neben hochwertigen Produkten und Speisen für die Versorgung sozialer Einrichtungen und Unternehmen könnten mit dem Projekt auch 25 Arbeitsplätze in der Region geschaffen werden. Auf 2.000 Quadratmetern sollen für die RegioBioKüche Produktions-, Kühl- und Lagerräume entstehen. „Ausgelegt ist der Betrieb dafür, 5.000 Essen am Tag zuzubereiten“, erklärte Ell-Schnurr.

Als Netzwerkpartner der Regionalwert AG freute sich auch Harald Rinklin von der Geschäftsführung von Rinklin Naturkost, dass das Projekt RegioBioKüche ins Rollen kommt. Aufgrund des heutigen Kaufverhaltens der Endverbraucher könne es zeitweise auch im Bio-Bereich zu Überproduktionen kommen. „In der RegioBioKüche sehe ich eine gute und schnelle Lösung, um solche Probleme zu lösen.“ Die Nahrungsmittel könnten schnell weiterverarbeitet werden. „Es ist eine Win-Win-Situation, die Menschen essen regionaler, die Landwirte bekommen mehr Geld.“ Als Kaufmann freue er sich auch sehr über die geplante Einmachküche des Projektes, denn die Lebensmittelverarbeitung sei eigentlich komplett aus Deutschland verschwunden.

Andrea Gierden, Regionalmanagerin der Bio-Musterregion Freiburg, sagte, dass „beim Thema Bio-Außer-Haus-Verpflegung derzeit in der Region etwas passiert.“ Projekte wie die RegioBioKüche könnten unter anderem Anreize setzen, dass konventionelle Landwirte ihre Produktion auf Bio umstellen. Konstanze Lehn, Sprecherin des Ernährungsrat Freiburg & Region sagte, dass die Landesregierung in Stuttgart „sehr hellhörig ist bei dem, was hier auf die Beine gestellt wird.“ Schließlich sei der Landesanspruch, bei Innovationen immer vorne dabei zu sein.

Die Finanzierung

Für den Erwerb des Grundstücks sowie den Bau der RegioBioKüche werden von Seiten der Regionalwert Immo – eine Tochtergesellschaft der Regionalwert AG Freiburg – Genussrechtsanteile für Bürger sowie Akteure aller Art in unterschiedlichen Größenordnungen angeboten. Auch Unternehmen und Kommunen, denen etwas an der gesunden Ernährung der Menschen liegt, können sich darüber beteiligen. „Wir wollen in kurzer Zeit das Geld für das Grundstück zusammenhaben, um in die weitere Planung zu gehen und mit dem Bau zu beginnen“, erklärte Christian Hiß. Für die Großküche wird mit einem Investitionsvolumen von drei Millionen Euro gerechnet. Hiß zeigte sich zuversichtlich: „Wir haben das Geld immer zusammenbekommen, um alle anvisierten Projekte zu realisieren.“ Wenn alles planmäßig laufe, könne die Großküche zum Schuljahresbeginn 2022/23 in Betrieb genommen werden.