Diskussionen um Lindenfällaktion

Aus dem Ortschaftsrat Kollnau – Über 50 Bürger im Saal – Aufgeheizte Atmosphäre


Waldkirch-Kollnau (db). Mit einem solchen Andrang hatte der Ortschaftsrat Kollnau mit Ortsvorsteherin Gabriele Schindler (SPD) an der Spitze am letzten Dienstag wahrlich nicht gerechnet, sonst hätten sie die Ortschaftsratssitzung bestimmt in den viel größeren Bürgersaal verlegt. So drängten sich über 50 Bürger in den kleinen Sitzungssaal, viele davon mussten stehen. Das neue Wohnbaugebiet „Sonnhalde“ und die für viele überraschende Baumfällaktion der alten Linden am Kollnauer Sportplatz hatten die Gemüter enorm erhitzt.


Dezernatsleiter Thomas Reger stellte sehr ausführlich das Verfahren und die Konzeption vor, beantwortete die vielfältigen Fragen der Bürger und Räte und verwies zusammen mit der Ortsvorsteherin auf eine geplante Infoveranstaltung in der Festhalle (Termin noch offen). 

Bürger bekundeten ihren Unmut
Insgesamt sieben Anwohner meldeten sich zu den genannten Themen zu Wort. Die Anwohner befürchten durch die geplante, recht hohe und massive Bebauung (neun Gebäude, ca. 120 Wohnungen, Geschosswohnungsbau, ca. 180 Stellplätze/Tiefgaragenplätze) eine erhebliche Aussichtseinschränkung und eine immense Parkplatzproblematik in diesem Gebiet. Weitere Fragen drehten sich u.a. um die Themen „Verkehrsgutachten“ (ist mittlerweile bei der Stadt einsehbar), „ökologische Ausgleichsgebiete“ und „Bodengutachten“. Auch äußerte ein Bürger harsche Kritik an der unangekündigten Baumfällaktion der alten Linden am Kollnauer Sportplatz. Schindler verwies auf das Gutachten der Baumkontrolleure, welches den sehr starken Schädigungsgrad der Bäume bestätigte. Die Stadt habe die Verkehrssicherheitspflicht und so sei man gezwungen gewesen, diese alten Bäume zu entfernen. Außerdem hätten sie auch starke Schäden durch Wurzeln, Laub und Harz auf dem Sportplatzgelände verursacht. Die Nichtinformation der Bürger im Vorfeld sei allerdings ein „ärgerliches Versäumnis“ der Stadt gewesen, so Schindler. Sie verwies auch auf die Neubepflanzung in diesem Gebiet. BUND, Verwaltung und TBW seien hier noch in der Diskussion. 


Neun Gebäude und ca. 120 neue Wohnungen
Nach der Vorstellung durch Thomas Reger, der immer wieder durch Zwischenrufe der Bürger unterbrochen wurde, gab das Gremium eine (einstimmig) positive Stellungsnahme hinsichtlich der Billigung des leicht modifizierten Planentwurfs ab und befürwortete die Offenlage (Dauer: einen Monat). Der Gemeinderat entschied bei seiner gestrigen Sitzung endgültig über die weitere Vorgehensweise (Beschluss nach Redaktionsschluss). Während der Offenlage könnten Bürger, Vereine und Behörden ihre Anregungen und Stellungnahmen schriftlich bei der Verwaltung (Dezernat 4) vorbringen, so Reger. Der Gemeinderat hatte bereits im November 2018 den Aufstellungsbeschluss für die Bebauungsplanung (Innenentwicklung) gefasst. Das Plangebiet liegt nordwestlich des Ortskerns oberhalb des Friedhofes und es ist ca. 1,2 Hektar groß. Innerhalb des Gebietes gebe es eine anspruchsvolle Topografie mit einem Höhenunterschied von etwa 35 Metern. Reger erläuterte auch die Ziele des Projektes (u.a. sinnvolle und angemessene Nahverdichtung, flexible Wohnstruktur für alle Generationen, größtmögliche Energieautarkie des Plangebietes, hohe Wohnqualität). Die äußere Erschließung erfolge über den Eichenweg und die Kohlenbacher Talstraße. 1,5 Stellplätze pro Wohneinheit seien vorgesehen. Die Nachfrage nach (bezahlbarem) Wohnraum sei im Elztal aber auch im gesamten Breisgau riesengroß, stellte Reger fest. „Wir brauchen dringend neuen Wohnraum in Waldkirch“, so Martin Hünerfeld (CDU), der Kritik an dem Namen „Sonnhalde“ übte. Berthold Nopper (SPD) sprach die Wasserproblematik (Hochwasserschutz) an und Klaudia Gutwein (CDU) die Parkplatzproblematik. Reinhold Ganz (DOL) erkundigte sich nach ökologischen Ausgleichsflächen (Aufwertung des dortigen Waldstückes sei laut Reger geplant) und Barbara Thien (FFW) brach in Zeiten horrend steigender Miet- und Wohnungspreise eine Lanze für dieses dringend notwendige Wohngebiet. Aufgrund der begrenzten Lage müsse man in die Höhe bauen, sozialer Wohnungsbau würde in der „Sonnhalde“ aber bestimmt nicht entstehen, betonte Thien. 
Nach der vollzogenen Förderzusage des Landes (70.000 Euro, Landesförderprogramm „Quartiersimpulse“) stimmte der Rat einstimmig zu, den AWO-Kreisverband für den Projektzeitraum von 1,5 Jahren mit der Besetzung des Quartierbüros im neuen „Quartierstreff Kollnau“ zu beauftragen. Juliane Hehn (D2 u.a. Seniorenbeauftragte) und Manfred Wikelski (D4) stellten den Sachverhalt vor und verwiesen auf die Informationsveranstaltung zu diesem Projekt am 16. März. „Wir haben hier ein sehr altes Haus“, so Wikelski. Gutwein brach eine Lanze für eine behindertengerechte Rampe (bereits vorhanden) und eine barrierefreie Toilette dort. Bei Kosten von über 15.000 Euro übersteige dies aber das genehmigte, zweckgebundene Budget, so die beiden Redner. Geplant sei dort ein Treffpunkt für alle Kollnauer. 


Baubeschlüsse
Nach der ausführlichen Erläuterung durch Planer Wikelski (D4) stimmte der Rat mit einem entsprechenden Baubeschluss einstimmig einem großen Maßnahmenkatalog im Ergebnis- und Investivhaushalt 2019 in der Georg-Schindler-Halle (ca. 13.500 Euro), im Rathaus Kollnau (ca. 14.500 Euro) sowie in der Sporthalle Kollnau (ca. 33.000 Euro) zu. Für den Schulungsraum im OG des Feuerwehrgerätehauses (zweiter Fluchtweg) hatte OB Götzmann schon außerplanmäßige Mittel von knapp ca. 14.500 Euro genehmigt. 

Einstimmig entschloss sich der Rat dafür, künftig die Miete in der Festhalle (inklusive Wirtschaftspacht) bei Jubiläumsveranstaltungen von Kollnauer Vereinen komplett zu erlassen. Hinsichtlich des umstrittenen Jugendpavillons werde es laut Schindler im April eine Anwohnersitzung u.a. mit Polizei, Verwaltung, Ortschaftsratsmitgliedern und Jugendleitung geben.