Wehrle-Werk will die „maximale Durchwegung“

Hinter dem geplanten „Löwentor“ soll ein eigener Kulturhof entstehen – mit Kita, Musikschule, Gastro und einem Club

Die Neugestaltung des ehemaligen Krauss-Areals in Emmendingen nimmt konkrete Formen an. Bereits im Juni hatte die Firma Unmüßig den Bauantrag für das Projekt „Löwentor“ eingereicht. Letzte Woche zog das Wehrle-Werk nach und stellte für den rückwärtigen Bereich seinen aktuellen „Emmendinger Plan“ vor.

„Unser Ziel ist es, den historischen Werkstandort mit dem Rest der Innenstadt zu verbinden“, erklärte Wehrle-Werk-Vorstand Heiner Steinberg den rund 70 Besuchern, die am Mittwochabend die öffentliche Veranstaltung in der Steinhalle besuchten. Geplant sei im rückwärtigen Bereich ein „Kulturhof“, der sowohl vom Durchgang beim Parkhaus als auch über die Markgrafenstraße erreicht werden kann. Dazu wünsche sich das Unternehmen einen neuen zentralen Durchgang zum Marktplatz hin – eventuell durchs Löwentor oder an einer benachbarten Stelle. „Wir wollen spannende Begegnungsmöglichkeiten schaffen“, so Steinberg.

Um den neuen Kulturhof sollen sich mehrere Gebäude gruppieren. Vorgesehen sind sowohl der Umbau der historischen Bestandsgebäude als auch zwei Neubauten. Den Industriecharme will man erhalten. Verbunden werden sollen die Gebäude durch Stege und Holzdecks. Bäume sowie Dach- und Fassadenbegrünungen sollen den Hof ökologisch aufwerten. Wer die geplanten Gebäude nutzen wird, ist bereits zu 75 Prozent klar. Bei der Veranstaltung letzte Woche stellten sich drei Akteure vor, die mit ihren Einrichtungen in den Kulturhof einziehen möchten. „Es sind drei gestandene Emmendinger Unternehmer“, so Steinberg.

Das Kesselhaus

Einer davon ist der junge Max Hersonski. Zurück aus Berlin will der aus Emmendingen stammende Bankkaufmann und Immobilienwirt das ehemalige Kesselhaus in eine zweistöckige Club-Lounge für alle Generationen verwandeln. Zuvor ist eine Modernisierung geplant. Vorgesehen ist unter anderem der Einbau einer großen Glasfront. In einem Ambiente, das laut Hersonski „echten Industrial-Style“ bietet, sollen auf mehreren Ebenen nachmittags Kaffeespezialitäten serviert und abends Cocktails getrunken werden. Geplant sind außerdem kulturelle Veranstaltungen wie Konzerte oder Ausstellungen. Nachts soll im Untergeschoss dann weitergefeiert werden. Geplant ist dort eine Diskothek mit Bar, Sitzmöglichkeiten und Tanzfläche. 40 Zentimeter dicker Stahlbeton sollen die wummernden Bässe absorbieren. „Emmendingen braucht wieder einen Club“, sagt der Immobilien-Unternehmer. Geht es nach Hersonski, soll die Club-Lounge „spätestens in ein bis zwei Jahren öffnen“.

Die Neubauten

Direkt neben dem Kesselhaus will das Wehrle-Werk ein neues Gebäude errichten. Genutzt werden soll es künftig vom musiclab. Im Erdgeschoss und 1. Obergeschoss sind Unterrichtsräume geplant. „Ich sehe ganz viele Synergieffekte“, sagte musiclab-Leiter Krischan Lukanow letzte Woche mit Blick auf das benachbarte Kesselhaus als Konzertraum. Verbunden werden soll das Musikschul-Gebäude mit einem weiteren Neubau. Dort wiederum soll eine Kita mit eine U3-Krippengruppe und zwei Ü3-Kindergartengruppen einziehen. „Der fast 400 Quadratmeter große Außenbereich wird auf dem Dach der beiden neuen Gebäude angelegt“, erklärte Marko Kaldewey vom Verein „Mehr Raum für Kinder“, der 20 Einrichtungen in zehn Kommunen Region betreibt.

Die Kantine

Ebenfalls umgestalten will das Wehrle-Werk die alte Betriebskantine. Unter anderem soll das Niveau des Gebäudes abgesenkt werden. Im Erdgeschoss ist ein Gastronomiebetrieb, der einen Mittagstisch anbietet, vorgesehen, im 1. OG will man ein Tagungszentrum einrichten. Genutzt werden sollen die Räume nicht nur vom ansässigen Werk, sondern auch von Vereinen oder Privatpersonen. „Für den Betrieb der Gastro und des Tageszentrums suchen wir noch Partner“, so Steinberg. Man könne sich „gerne mit Ideen“ miteinbringen.

Die Umsetzung

Was muss passieren, dass der Plan umgesetzt wird? „Die Stadt muss zum einen das Baurecht schaffen – ob nun nach Paragraf 34 oder nach einem Bebauungsplan“, appellierte Steinberg in Richtung Politik. Zweites Thema sei die Parksituation. Das Werk könne auf seiner Fläche zwar Fahrradständer, jedoch keine Stellplätze für Autos realisieren. „Die Nutzung des Parkhauses würde Sinn machen“, so Steinberg. Dritter Punkt sei die Erstellung eines Schallschutzgutachtens seitens der Stadt. Laut dem Wehrle-Vorstand sei jedoch noch nichts in Stein gemeißelt. Man sei nach wie vor „offen für weitere Ideen“.

Die Reaktionen

Vor einem Jahr hatte das Wehrle-Werk seine Konzeptstudie „Emmendinger Plan“ erstmals vorgestellt. Die Weiterentwicklung hin zum neuen „Kulturhof“ stieß bei den Gästen auf positive Resonanz. Erhard Schulz vom Bürgerforum „Bebauungsplan Theodor-Ludwig-Straße“ begrüßte einerseits, dass das Parkhaus erhalten bleibe. Hier sei die Stadt nun am Zug. Als Eigentümerin müsse sie es sanieren. Anderseits lobte er an dem Plan, dass „kein Eingriff in den Grundwasserkörper“ erfolge. Dafür habe sich das Forum immer eingesetzt. Oskar Kreuz, ebenfalls Bürgerforum, regte an, den Mühlbach auch im Bereich beim Parkhaus zu öffnen. „Wie schön wäre es, wenn man im Kulturhof noch etwas von dem Bach zu sehen könnte“, pflichtete Andreas Hupert ihm bei.

Fritz Kendel, seines Zeichens „Kultur-Papst in Emmendingen“ (Regiotrends) lobte das Projekt ebenfalls. Auf dem Hof könne man Skulpturen aufstellten. Das Material Edelstahl passe gut zum Wehrle-Werk. Er regte an, einen Wettbewerb unter Künstlern zu initiieren. Für den Handel sprach einmal mehr Karl-Friedrich Jundt-Schöttle. „Das Projekt passt gut in unsere Zeit“, sagte der Senior-Chef des Modehauses Blum-Jundt. Um den Durchgang zum Markplatz zu realiseren, sei es wichtig, dass sowohl das Wehrle-Werk als auch die Firma Unmüßig miteinander in Kontakt treten. „Unser Ziel ist die maximale Durchwegung“, stellte Steinberg noch einmal klar.