15 Jahre dauernde Anstrengungen

Klimaschutz: Denzlingen macht sich auf den Weg zur „Klima-Netto-Null“

Denzlingen (hvg). Wie kann, wie soll es weitergehen in Sachen Klimaschutz im Ort Denzlingen? Für eine künftige Beantwortung dieser Grundsatzfragen ließ sich der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung mögliche Leitlinien sowie diesen unterliegende Fakten vortragen.

Dazu eingeladen als Experte war Nikolai Jacobi von ICLEI, einer weltweit Verantwortungsträger beratenden Organisation, dessen europäisches Sekretariat in Freiburg angesiedelt ist. Denzlingens Klimaschutzmanagerin Diana Sträuber erläuterte zunächst den Rahmen, in den die Gemeinde in ihren Klimaschutz-Aktivitäten eingebunden ist. Sie verwies darauf, dass sich Deutschland im Pariser Klimaschutzabkommen gemeinsam mit 194 anderen Staaten völkerrechtlich bindend verpflichtet habe, die globale Erwärmung auf deutlich unter 2 Grad zu senken und Anstrengungen zu unternehmen, sie dauerhaft unter 1,5 Grad zu halten. Einlösbar wird dies in nationalem Rahmen nur, wenn das Land bis 2035 klimaneutral ist. Sie verdeutlichte, dass dies in angepasster Größenordnung auch bezüglich der einzuleitenden Maßnahmen für Kommunen, also auch für Denzlingen, die Richtschnur sein müsse.

Jacobi trug sodann eine auf den Ort bezogene Ist-Analyse vor und entwickelte Szenarien, die das Erreichen dieser „Netto-Null“ ermöglichen könnten. Deutlich wurde im Weiteren, dass dies Optionen seien, die in Umfang und Ausmaß politisch – letztlich folglich als Ausdruck des Mehrheitswillens der Bevölkerung - zu steuern seien.

Er ging dabei von Kennwerten aus dem Jahr 2017 aus, denen zufolge etwa private Haushalte 45 Prozent des Energieendverbrauches (Strom,. Öl, Gas, Kohle, Kraftstoffe und sonstige Energieträger zusammen genommen) verbrauchten und damit den größten Anteil am Verbrauch hatten. Auf den Verkehr entfielen 42, auf die Wirtschaft 19 und auf die Kommune 4 Prozent des Verbrauchs. Das 2035er Ziel ließe sich (rechnerisch) etwa erreichen, indem im Schnitt 300 „Verbrenner-Fahrzeuge abgemeldet würden bzw. müssten 50 Prozent weniger Pkw- und 30 Prozent weniger Lkw-Kilometer zurückgelegt werden. Mit Blick auf Gebäude rechnete er vor, dass diese innerhalb der kommenden 15 Jahre alle auf erneuerbare Energien umgestellt sein müssten.

Diese die beeinflussbaren Segmente sehr plastisch charakterisierenden Zahlen wurden in der Runde des Gemeinderates mit großem Interesse aufgenommen, aus den Fraktionen kamen einige Nachfragen und insgesamt Zustimmung bezüglich des Angehens von Lösungen. So sah u.a. Willi Kieninger (SPD) ebenso wie Michael Dick (Bürgerliste) gut nutzbares Potential auf Denzlingens Dächern für vermehrte Nutzung erneuerbarer Energie. Hier regte Bürgermeister Markus Hollemann auch innovatives Vorgehen an, indem sich womöglich Investitionen scheuende Privatleute mit der Bürgerenergiegenossenschaft oder anderen „großen“ Partnern zusammentun könnten, um durch das „Verleihen“ von Infrastruktur Klimaschutzanstrengungen zu unterstützen. Silke Höfflin (Bündnis 90/Die Grünen) drang auf „rasches“ Beginnen.

Diana Sträuber skizzierte den drei Meilensteine passierenden Weg, der sich in diesem Kontext einschlagen lasse: Es müssten konkrete Klimaschutzziele beschlossen werden, man solle dem Klimaschutzpakt Baden-Württemberg beitreten (dieser verlangt u.a., dass die jeweilige Kommune in dieser Angelegenheit vorbildlich vorangehen solle) und ein Klimarat, der Bürgerschaft und Verwaltung zusammenbringe, solle einen Maßnahmenkatalog mit vorbereiten. Dieser solle gegen Ende 2021 formuliert sein.