„Wir haben es von Herzen gemacht…“

Die Traditionsbäckerei Held schließt zum Jahresende ihre Pforten

Die liebevoll dekorierten Ladenfenster luden stets zum Besuch in die Dorfbäckerei in der Forchheimer Kronenstraße ein, nach nunmehr knapp 40 Jahren ist jetzt Schluss: Familie Held verabschiedet sich zum Jahresende in den wohlverdienten Ruhestand. Mit WZO-Berichterstatterin Anna Feler ließ das Bäcker-Ehepaar nochmals die Zeit Revue passieren.

Um die Geschichte der Dorfbäckerei nachzuverfolgen, muss man stolze 138 Jahre zurückgehen. 1882 kauften Joseph und Pauline Held (geb. Lösch) das Haus, dass damals aus nur drei Räumen bestand. Auf derm ehemaligen Gartengelände entstand noch vor dem ersten Weltkrieg die heutige Backstube.

Seit 1981 führten Siegfried Held und Gertraud Huber-Held die Bäckerei in der vierten Generation. „Mir war von klein auf klar, dass ich ein eigenes Geschäft haben wollte“, erinnert sich Gertraud Huber-Held, deren Familie aus der Textilbranche stammte. Die heute 66-jährige schlug mit der Prüfung zur Konditormeisterin 1976 in München allerdings einen anderen Weg ein. Ein Glücksfall, wie sich herausstellte. Ihren späteren Ehemann Siegfried Held´lernte sie noch während ihrer Lehrjahre 1974 im Café Lotalla (heute Café Dackler) in Emmendingen kennen. Er absolvierte dort seine zweite Lehre als Konditormeister, nachdem er bereits seine Bäckerprüfung an der Bundesfachschule in Weinheim abgelegt hatte. Diese Begegnung ebnete den weiteren Berufsweg, der mit der Übernahme des Familienbetriebs in Forchheim besiegelt wurde. „Es war wohl Schicksal“, spekuliert Siegfried Held.

Arbeitsreiche Jahre folgten, die das Ehepaar zu einem perfekten Team zusammenwachsen ließen. „Jeder hatte sein Ressort und ohne perfekte Organisation wäre es nicht gegangen“, verrät Gertraud Huber-Held. Siegfried Held, anfänglich noch mit Unterstützung seines Vaters, war fast rund um die Uhr in der Backstube, während sich seine Frau um den Verkauf und das Ladengeschäft kümmerte. Nebenbei wurden die beiden gemeinsamen Töchter großgezogen, der Laden umgebaut und verschiedenste Investitionen getätigt. Auch das Sortiment wurde regelmäßig den Kundenwünschen angepasst, sodass zum Beispiel die Gipfel den Croissants weichen mussten. Mit Leidenschaft stellte Siegfried Held auch Schokoladenfiguren her, die über die Dorfgrenzen hinaus beliebt und bekannt waren. Gertraud Huber-Held widmete sich gerne aufwändigen Kuchenbuffets, wie etwa denen für die Landfrauentreffen. Auch zu anderen Vereinen, wie dem Musik- oder Sportverein, bestand eine herzliche Verbundenheit. In Erinnerung bleiben, werden wohl auch die Lindenbäume für die Guggenmusiker der D´Gsoddini 13 oder der Zwiebelkuchen für den Herbsthock des Heimatvereins.

Vor sechs Jahren erlitt der heute 65-jährige Siegfried Held einen Bandscheibenvorfall, der das Bäckerehepaar zur Umstrukturierung und einer Anpassung des Arbeitspensums zwang. „Aber zum Aufhören fühlten wir uns einfach noch zu jung“, erzählt Gertraud Huber-Held. So wurde nur noch samstags und direkt aus der Backstube heraus im Hauseingang verkauft, zuletzt auch corona-konform mit Plexiglasscheibe. „Wir sind dankbar, dass unser Geschäft so lange bestehen konnte. Das haben wir unseren treuen Kunden zu verdanken.“ Von den insgesamt sechs Läden, die zur Anfangszeit des Bäckerpaares im Dorf bestanden, ist keiner mehr vorhanden. Zum Jahresende ist auch für Familie Held Schluss.

Der letzte offizielle Öffnungstag am 19. Dezember (am 31.Dezember können noch vorbestellte Neujahrsbrezeln abgeholt werden) war für das Ehepaar nochmals mit vielen emotionalen Momenten verbunden. Herzliche Einträge ins Gästebuch, kleine Geschenke und nette Worte umrahmtem diesen Tag. „Wir haben es von Herzen gemacht, auch wenn nicht immer alles einfach war“, resümiert Gertraud Huber-Held und erinnert sich dankbar an die Zeit hinter der Ladentheke zurück. „In 40 Jahren hat man so einige Geschichten erlebt“, ergänzt sie lachend. Langeweile wird aber auch im „Ruhestand“ nicht aufkommen, dafür werden die drei Enkel schon sorgen. Sobald es das aktuelle Pandemiegeschehen wieder zulasse, möchte sich das aktive Paar auch seinem größten Hobby widmen: dem Reisen.„Wir freuen uns auf die Zeit, die vor uns liegt, auch wenn jetzt eine Ära zu Ende geht. Die Bäckerei war halt unser Leben“, bekräftigt das Ehepaar.