Vier Sattelzüge mit Hilfsgütern nach Kroatien transportiert

Grandiose Hilfsaktion des Kreisfeuerwehrverbandes für Erdbebenopfer in der Region Banija

Die Hilfs- und Spendenbereitschaft ist überwältigend. Nach dem schweren Erdbeben in der kroatischen Region Banija haben die Feuerwehren aus Baden-Württemberg schnell geholfen. Bereits am Samstag ist der erste Konvoi mit 15 Lastwagen, voll beladen mit Hilfsgütern, darunter vier Sattelschlepper aus dem Kreis Emmendingen, im Krisengebiet angekommen. Die Wehren sind einem Aufruf des Landesfeuerwehrverbandes gefolgt und haben dringend benötigtes Material zur Verfügung gestellt. Und die kroatischen Medien haben über die Hilfsaktion groß berichtet.

Am 29. Dezember wurde Kroatien von einem schweren Erdbeben der Stärke 6,4 erschüttert. Sieben Menschen kamen dabei ums Leben, 26 wurden verletzt. Besonders betroffen sind die Kleinstädte Sisak, Petrinja und Glina, südöstlich von Zagreb. Die Zentren der Städte liegen in Trümmern. Das Bezirkskrankenhaus in Sisak ist schwer beschädigt und musste komplett geräumt werden. Unter den Patienten befanden sich auch Corona-Erkrankte, die beatmet werden mussten. Die Rettungs- und Aufräumarbeiten werden immer wieder durch heftige Nachbeben erschwert. Auch die Feuerwehren vor Ort sind von den Ausmaßen der Katastrophe betroffen, Gerätehäuser und Ausrüstung wurden beschädigt.

Hilfeaufruf über Facebook  

Auf Initiative des ehemaligen Vizepräsidenten des Landesfeuerwehrverbandes Gerhard Lai, der aus dem Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald stammt, wurde nach dem Hilferuf aus Kroatien, bereits ein Tag nach dem Beben eine große Hilfsaktion im „Ländle“ gestartet. Viele regionale Wehren sind dem ersten Hilfeaufruf über Facebook am 30. Dezember um 16.21 Uhr gefolgt und haben Spenden gesammelt, so auch die Wehren aus dem Landkreis Emmendingen und dem Breisgau-Hochschwarzwald, die seit mehr als zwei Jahrzehnten eine enge Partnerschaft mit dem kroatischen Feuerwehrverband verbindet. Aufgrund der großen Resonanz auf den Spendenaufruf wurde erstmals seit April 2013 die Stabsgruppe des Führungsstabs im Landkreis alarmiert, die die zentrale Anlieferung der Spenden koordinierte und organisierte und zwei Tage lang im Einsatz war.  Diesbezüglich wurde auch bei den Kreiswehren abgefragt, welche Geräte und Technik diese zur Verfügung stellen werden.

Logistische Meisterleistung

Die zentrale Anlieferung für Materialspenden im Kreisgebiet erfolgte am Neujahrstag am Feuerwehrgerätehaus in Emmendingen. Corona konform wurden von den fleißigen Kameraden innerhalb kürzester Zeit eine Vielzahl an Spenden entgegengenommen, jede Menge Ausrüstung, Kleidung, Lebensmittel und Hygieneartikel. An Ort und Stelle wurden die Materialien sofort sortiert, verpackt, auf Paletten geladen und mit dem Stapler in den bereitstehenden Sattelschlepper verladen. Alles ging Hand in Hand. Am geschäftigen Treiben im Gerätehaus hätte jede Großspedition ihre Freude gehabt, kurzum die Kameraden vollbrachten eine logistische Meisterleistung. Für die Materialanlieferung war eine Stunde eingeplant, von 17 bis 18 Uhr. Doch schon zuvor trafen die ersten Hilfspakete und Wehren mit technischem Gerät am Gerätehaus ein. Als die Anlieferstraße gegen 17 Uhr offiziell öffnete, gab es lange Warteschlangen. Pkw für Pkw wurde professionell abgefertigt. Innerhalb von einer Stunde wurden 72 Pkw notiert. Um 18.30 Uhr wurde die letzte Palette dann auf den LKW verladen. Insgesamt konnten über 108 Paletten mit Lebensmitteln und Hygieneartikeln, das entspricht dem Volumen von vier Sattelzügen, im Kreis Emmendingen gesammelt werden. Ein riesiger Erfolg nicht zuletzt dank der überwältigenden Spendenbereitschaft der Bevölkerung. Um 19.20 Uhr ging’s los zum zentralen Verteilzentrum nach Bad Krozingen und um 23.30 Uhr setzte sich der stattliche Hilfskonvoi mit mittlerweile 15 Fahrzeugen in Richtung Erdbebengebiet in Bewegung. Mit dabei waren auch vier Fahrer der Kreisfeuerwehren Emmendingen, Christian Beck und Thorsten Konstanzer von der Feuerwehr Reute, sowie Frank Bührer (Kernstadtwehr Emmendingen) und Jörg Bühler (FFW Köndringen).

Zweiter Konvoi mit 17 Fahrzeugen  

Der erste Hilfskonvoi ins Erdbebengebiet in Kroatien wurde erfolgreich durchgeführt. Heute früh um 7.35 Uhr sind die beteiligten Kameraden wieder wohlbehalten in ihrer deutschen Heimat angekommen. Der zweite Konvoi soll schon am Donnerstag starten. Der Hilfeaufruf über Facebook hat ein solch großes Spendenaufkommen nach sich gezogen, dass die Wehren aus Südbaden nicht alles Material beim ersten Transport ins Krisengebiet mitnehmen konnten. So werden die restlichen Hilfsgüter im zentralen Katastrophenschutzlager des Landkreises Breisgau-Hochschwarzwald in Eschbach gelagert. Am Mittwoch werden die Lkw’ s geladen und am Donnerstag wird sich der zweite Hilfskonvoi mit insgesamt 17 Fahrzeugen, darunter drei einsatzbereite Fahrzeuge der Wehr und zwei Begleitfahrzeuge sowie 22 Kreisfeuerwehrleuten auf den Weg ins Krisengebiet machen.

Vorbildliche Leistung der Kreiswehren

„Der Kreisfeuerwehrverband Emmendingen gehörte bei der landesweiten Hilfsaktion zweifellos mit zu den aktivsten Akteuren. Die Spendenbereitschaft der Bevölkerung, das mediale und nicht zuletzt das Interesse der Bürger mit insgesamt 700.000 Clicks auf Facebook war einfach überwältigend. Allein am Montagvormittag hatten wir 115.000 Zugriffe“, bilanziert Kreispressesprecher Michael Hilbert die erfolgreiche Aktion im WZO-Gespräch. Auch auf kommunaler Ebene seien die Wehren hervorragend unterstützt worden, ergänzte Hilbert. Bis 1. Januar um 18 Uhr seien insgesamt 400 Helferstunden von den Kameraden geleistet worden.

Spendenkonto für Erdbebenhilfe

Auch Geldspenden für die kroatischen Erdbebenopfer sind möglich. Der Kreisfeuerwehrverband Emmendingen hat ein Spendenkonto bei der Volksbank Breisgau Nord (IBAN: DE 29 680 920 00 0080 4617) eingerichtet. Unter dem Stichwort „Kroatienhilfe“ werden Spenden entgegengenommen. „Die eingehenden Spenden werden teilweise zur Finanzierung der Hilfstransporte verwendet. Zudem werden mit dem Geld Feuerwehrangehörige sowie der Aufbau der Gerätehäuser und die Instandsetzung beziehungsweise Anschaffung von Feuerwehrtechnik im Krisengebiet zweckgebunden damit unterstützt“, erklärt Hilbert. Der kroatische Feuerwehrverband überwache den Einsatz der Spendengelder. „Jeder ausgegebene Euro vor Ort, wird uns gemeldet“, so Hilbert.