Kommende Woche soll in Kenzingen geimpft werden

Bürgermeister Matthias Guderjan sprach mit dem Breisgauer Wochenbericht über die Entscheidung des Landkreises

Kenzingen (slw). Im ehemaligen Aldi-Markt, der im Industriegebiet angesiedelt war, herrscht bald wieder Publikumsverkehr. Der Landkreis richtet dort sein Kreisimpfzentrum ein.

Das Gebäude wurde als das Geeignetste eingestuft. Raumgröße für geforderte Impfstraßen von der Anmeldung über das Piksen bis zum Nachruhen seien fast ideal. Weitere Pluspunkte sind die günstige Verkehrsanbindung und sofortige Verfügbarkeit. Bürgermeister Matthias Guderjan sprach mit dem Breisgauer Wochenbericht über die Entscheidung des Landkreises.

 

​BWB: Auf der Suche nach geeigneten Räumlichkeiten haben Sie dem Landkreis den Standortvorschlag unterbreitet oder kam die Behörde auf Sie zu?

Guderjan: Der Landkreis hat sich kreisweit nach einer geeigneten Immobilie umgesehen und ist auf den vor einem Jahr außer Dienst gestellten Aldi-Standort in Kenzingen gestoßen, der sich tatsächlich gut anbot.

BWB: Es wurde schon mehrfach moniert, dass der Landkreis keine absoluten Zahlen von Corona-Fällen bekannt gibt. Könnte die Stadt diesem Wunsche nachkommen?

Guderjan: Die Zahlen ändern sich täglich und sind deshalb wenig aussagekräftig.

 

BWB: Welche konkreten Maßnahmen werden seitens der Verwaltung zum persönlichen Schutz des einzelnen Bürgers getroffen, damit die Fallzahlen kein exponentielles Wachstum verursachen?

Guderjan: Die Stadt ist nicht das zuständige Gesundheitsamt des Landratsamtes mit entsprechenden Rechten und Pflichten. Wir stellen die Notbetreuung in den Kindertagesstätten sicher, verzichten auf Veranstaltungen, minimieren die Kontakte, verfassen und kontrollieren die Absonderungsverfügungen.

 

BWB: Kenzingen hat die letzte Stadtratssitzung abgesagt, obwohl weitreichende Entscheidungen wie die Verabschiedung des Haushaltsplanes die Tagesordnung zierten. In der Nachbarstadt wurde indes getagt. Liegt die individuelle Entscheidung beim jeweiligen Bürgermeister?

Guderjan: Ein Blick in die Gemeindeordnung zeigt: Die Sitzungen des Gemeinderates beraumt der Bürgermeister an. Nachdem keine Versäumnisse drohten und nach Rücksprache mit der Rechtsaufsicht wurde die für den 17. Dezember vorgesehene Sitzung auf den 14. Januar verschoben und zeitlich so versetzt, dass selbst bei einer Verlängerung des Lockdowns kein Konflikt mit der aktuellen Ausgangssperre droht. Rechtlich möglich wäre die Dezember-Sitzung gewesen, im Zeichen der Kontaktminimierung vorbildlich sicherlich nicht.

 

BWB: Wie haben die Einwohner die Entscheidung den alten Aldi-Marktes als Impfzentrum aufgenommen?

Guderjan: Unmittelbare Reaktionen habe ich nicht erfahren.

 

BWB: Welche Kriterien gaben letztlich den Ausschlag?

Guderjan: Die Örtlichkeit ist gut geeignet, räumlich und von der inneren Erschließung her.

 

BWB: Wann wird der erste Bürger im Gewerbegebiet geimpft?

Guderjan: Ich gehe davon aus, dass die Impfungen hier am 15. Januar starten.

 

BWB: Verraten Sie uns den aktuellen Stand von Organisation und Vorbereitung?

Guderjan: Grundsätzlich sind Fragen zum Kreisimpfzentrum beim Landrat sicherlich besser verortet. Verbindliche Antworten sind dort einzuholen.

 

BWB: Die Immobilie ist in Privathänden. Die Verwaltung hatte bei den Vertragsverhandlungen fast keinen Einfluss. Wie lange dauerte der Entscheidungsprozess von der Objektsuche bis zur Einigung?

Guderjan: Diese Frage richten Sie bitte ebenfalls an den Landkreis.

 

BWB: Hat erst einmal alles begonnen wird Kenzingen hoffentlich nicht „überbevölkert“. Welche Maßnahmen treffen Stadt und Landkreis um dem Ansturm ins Kreisimpfzentrums gerecht zu werden?

Guderjan: Bei einem Vor-Ort-Termin wurden die Verkehrsanbindung und die Parkraumsituation erörtert. Mit der Freigabe der Hauptstraße wird sich das Problem der Einmündungen in die B3 etwas relativieren. Die Zunahme des Verkehrs dort, die jüngsten Unfälle insbesondere, legen unabhängig davon die Einrichtung eines Kreisverkehrs nahe. Die Stadt ist in der Sache sehr frühzeitig beim Landratsamt vorstellig geworden.

 

BWB: Sie waren im Frühjahr selbst vom Covid-19-Virus betroffen. Wie stehen Sie zu den Leuten, die diese Massenimpfung kritisieren, ja sogar ablehnen?

Guderjan: Ich wünsche niemandem eine Corona-Infektion, schon gar nicht mit schwerem Verlauf. Die Impfung möglichst vieler Einwohner ist der Weg aus der Krise.

 

BWB: Abschließend noch eine persönliche Einschätzung: Wann wird man Sie ohne Maske wieder antreffen?

Guderjan: In freier Natur täglich.