Aktualisiertes Einzelhandelskonzept für Bad Krozingen

Fokus auf Innenstadt und Nahversorgung / Trotz Corona-Pandemie zur Zeit kein Leerstand

Bad Krozingen. Eine Grundlage für die rechtssichere Weiterentwicklung der Stadt soll es sein, das Einzelhandelskonzept, das Diplom-Geograph Markus Wagner von der Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung mbH (GMA) vergangene Woche dem im Pairing-Verfahren tagenden Gemeinderat zur Kenntnisnahme vorstellte.

Mit einer von 2011 bis 2020 um 26 Prozent gestiegenen Einwohnerzahl sei das Kaufkraftpotenzial Bad Krozingens in diesem Zeitraum entsprechend stark gestiegen, was sich positiv auf die Umsätze des Einzelhandels ausgewirkt habe, so Wagner. Zu den Einwohnern der Stadt, deren Marktgebiet als ein Teil des Mittelzentrums Bad Krozingen – Staufen vom Rhein bis auf die Höhen des Schwarzwaldes reiche, kämen rund 49.000 Einwohner aus der Region hinzu und damit ein zusätzlicher Anstieg des Kaufkraftpotenzials um 17 Prozent. Als gegenläufigen Trend nannte der GMA-Projektleiter die starke Zunahme des Online-Handels im letzten Jahrzehnt, der zu Umsatzeinbußen für den Einzelhandel geführt habe und auch in Zukunft führen werde. Aktuell gebe es 149 Einzelhandelsgeschäfte in Bad Krozingen, die 2019 zusammen einen Umsatz von rund 102 Millionen Euro machten. Davon fielen allein etwa  45 Millionen Euro auf die 39 Einzelhandelsgeschäfte im Bereich Nahrungs- und Genussmittel. 31 Prozent der Geschäfte lägen in der Innenstadt, in der die Ansiedlung einiger Magnetbetriebe gelungen sei. 
Für die nächsten Jahre sei für die Kurstadt ein weiteres Bevölkerungswachstum von 10 bis 15 Prozent prognostiziert, so der Projektleiter. Es gelte daher die mittelzentrale Versorgungsfunktion der Stadt zu sichern und insbesondere den Einzelhandel in der Innenstadt zu stärken und zu schützen. Dennoch: „Shopping ist nicht alles!“ sagte Wagner. Die Rolle der Innenstadt müsse neu definiert werden als multifunktionaler Lebensraum, in dem neben dem Konsumieren auch Arbeiten, Wohnen und Freizeit stattfinde. Zugleich müsse die wohnortnahe Versorgung gesichert werden, im südlichen Stadtbereich fehlten Geschäfte. Im Nordosten der Stadt könne sich der Einzelhandel zukünftig ausweiten, jedoch werde die Freiburger Straße keine Flaniermeile werden. Potenziale sieht der Fachmann für einen Heimtierfachmarkt, in der Innenstadt punktuell für Bekleidungsgeschäfte. Möglich sei unter Umständen auch die Ansiedlung eines neuen Drogeriemarktes, ein Entwicklungspotenzial für Elektrowaren sei vorhanden, jedoch wegen des Online-Handels schwierig. Wichtig sei die Sicherung der bestehenden Anbieter für Bücher, Schreib- und Spielwaren. 
Im anschließenden Austausch waren sich Vertreter aller Fraktionen darin einig, sich zunächst auf den Einzelhandel in der Innenstadt zu konzentrieren. Positive Nachrichten hatte hier Bürgermeister Volker Kieber, der berichtete, dass die Nachfrage für die zukünftigen Geschäfte in Bad Krozingens neuer Innenstadt sehr  groß „mit spannenden Ergänzungen“ sei. Auch für Hiebers Lädele gebe es mehrere potenzielle Nachfolger. Laut Frank Nopper (FDP) sei es für die Authenzität der Stadt wichtig, regionale Betriebe zu fördern. Karola Kreutz (KBF) wies darauf hin, dass für die Entwicklung ein gutes Parkleitsystem und ein Parkkonzept, auch für Fahrräder, notwendig sei. Sabine Pfefferle (CDU) vertrat die Meinung, dass Einkaufsmöglichkeiten im Süden der Stadt auch den Einwohnern von Schlatt und Tunsel zugute kämen. Die Frage der Nahversorgung in Hausen solle man noch einmal mit Energie angehen, dass sei man den Hausemern schuldig, so Pfefferle. Der Gewerbeverband und die Kur und Bäder Gesellschaft hätten sich in der Vergangenheit mit ihren Events dem Trend zum Online-Shopping erfolgreich entgegen gestellt. Die Innenstadt als multifunktionaler Raum sei bei den Bürgern und vielen auswärtigen Besuchern sehr gut angekommen und habe gezeigt, dass das Einkaufen nicht unbedingt im Mittelpunkt stehen müsse.
Andrea Hagemann-Raffs