Tests, Schutzmaßnahmen, Wechselunterricht

Wie handhaben die Schulen die Vorgaben in diesen Corona-Pandemie-Zeiten?

Ettenheim (ks). „Hier ist Land unter.“ Diese Rückmeldung aus einer der Schulen in städtischer Trägerschaft kennzeichnet möglicherweise am besten die Herausforderungen an Schulleitungen, Lehrkräfte – aber, das sei auch an dieser Stelle nicht vergessen – an die Eltern, die Zuhause schauen müssen, wie sie die eigenen Aufgaben von Familie und Beruf mit den ständigen Wechseln der Unterrichtsformen ihrer schulpflichtigen Kinder unter einen Hut zu bringen vermögen.

Der „Ettenheimer Stadtanzeiger - Von Haus zu Haus“ hat sich bei den Schulen umgehört und bezüglich der Testungen auch die Hauptamtsleiterin der Stadt, Julia Zehnle, befragt.

Testungen 

Die Aussage von Julia Zehnle, wonach die Schüler der Grundschulen die Testkits mit nach Hause nehmen und die Testung (Nasaltests im vorderen Nasenbereich) dann dort durchgeführt wird, während die Testung in den weiterführenden Schulen in den Schulen durchgeführt wird, bestätigt sich bei allen Rückmeldungen der Schulleitungen.

Die Eltern der Grundschüler haben Anweisung, an welchen Tagen des Präsenzunterrichts ihrer Kinder sie vor Schulbeginn den Test durchzuführen haben, um dann auf einem Formblatt der Schule den „negativ“-Befund zu bestätigen. Die beiden Testkits sind von den Eltern in den Schulen für jeweils eine Woche abzuholen. Die Vorgehensweise haben alle drei Grundschulen im Stadtgebiet miteinander abgesprochen. „Ausgabe und Dokumentation erfordern einen hohen zeitlichen Aufwand für Verwaltung und Lehrkräfte“, so die Rückmeldung beispielsweise von Beate Ritter vom August-Ruf-Bildungszentrum.

Einiges an Aufwand

In den weiterführenden Schulen verlangt die Einbindung in den schulischen Ablauf einigen Aufwand. Am Städtischen Gymnasium haben die Schüler die Wahl, ob sie sich selbst testen wollen oder von einer der zwölf Lehrkräfte, die sich in eine fachgerechte Testung haben einweisen lassen, getestet werden wollen. Für beide Möglichkeiten ist die alte Halle als Testzentrum entsprechend eingerichtet.

Weiterhin mit dabei die beiden Elternbeiratsvorsitzenden Dr. Fides Heinze und Anja Strub. Die beiden Lehrkräfte David Muffler und Stefan Stocker haben für die Schüler eine kleine Videoanleitung zur richtigen Selbsttestung gefertigt, die, wie Schulleiter Frank Woitzik mitteilt, gerne angenommen wird.

Für die Real- und Werkrealschüler hat das August-Ruf-Bildungszentrum die Stadthalle als Testzentrum möbliert. Die Klassenhälften, die jeweils im Präsenzunterricht an der Schule sind, werden montags gestaffelt hintereinander mit gebührendem Abstand durch das Testzentrum geschleust. Parallel können sich immer drei halbe Klassen unter Anleitung der für die Testung eingewiesenen Lehrkräfte selbst testen. „Aufwändig“, so Schulleiterin Beate Ritter, „aber lohnend angesichts des Risikos, das wir derzeit bei diesen hohen Inzidenzwerten im Präsenzunterricht eingehen.“

Erste Lieferung zu klein

Leider deckte die erste Lieferung des Landes nicht den tatsächlich in der Schulstadt Ettenheim bestehenden Bedarf, so dass die Stadt, wie Hauptamtsleiterin Julia Zehnle berichtet, eigenständig weitere Tests beschaffen musste. Die Stadt hoffe, dass sie die Kosten hierfür, wie vom Land angekündigt, wieder erstattet bekomme. Noch wisse man nicht, wann und in welcher Höhe die nächste Lieferung des Landes erfolge.

Mit Selbsttests versieht die Heimschule, die in der ersten Schulwoche nach Ostern noch vollständig von Präsenzunterricht absah, die Schüler des Abiturjahrgangs, die erst wieder zu den Prüfungen an der Schule sein werden.

Weitere Schutzmaßnahmen

Nichts lassen die Schulen ganz offensichtlich unversucht, mit einer Vielzahl weiterer Maßnahmen für den Schutz ihrer Schüler und Lehrkräfte zu sorgen. Maßnahmen wie Abstand durch Wechselunterricht, Maskenpflicht, ausgetüftelte Wegesystem oder versetzte Pausen, wie sie Esther Käufer von der Grundschule Münchweier rückmeldet, finden praktisch an allen Schulen Anwendung. Hinzu kommen Desinfizieren, Lüften alle 20 Minuten und schulspezifische Sondermaßnahmen: die Raumlüfter am Städtischen Gymnasium, CO2-Ampeln am August-Ruf-Bildungszentrum und in der Heimschule.

Unterschiedliche Zahlen

Während die Schulleiter am Städtischen Gymnasium, der Heimschule und an der Grundschule Münchweier nur „vereinzelte“ Fälle melden, dass Eltern ihre Kinder wegen Masken- oder Testpflicht oder angesichts der Inzidenzwerte vom Präsenzunterricht abgemeldet haben, sind dies laut Beate Ritter am August-Ruf-Bildungszentrum (alle drei Schularten inbegriffen) mit insgesamt 76 immerhin knapp neun Prozent der Schüler.

Wechselunterricht

Überall werden derzeit die Klassen hälftig im Präsenzunterricht, hälftig im Distanzlernen unterrichtet. Durchgängig gibt es an allen Schularten für die Klassen eins bis sieben das Angebot der Notbetreuung. Die Grundschule Münchweier wechselt dabei die beiden Gruppen nach drei beziehungsweise zwei Tagen, so dass nach zwei Wochen alle Schüler einer Klasse gleich viel Präsenzunterricht und Homeschooling haben. Ein täglicher Wechsel, wie es viele Eltern und Lehrkräfte vorziehen würden, ist „auf Grund der Teststrategie nicht möglich“, wie Esther Käufer anmerkt.

Wochenweise wechseln die Klassenhälften dagegen komplett am August-Ruf-Bildungszentrum, also an der Real-, Werkreal- und Grundschule, sowie am Städtischen Gymnasium. In der Regel entscheidet das Alphabet darüber, ob ein Schüler in Gruppe eins oder Gruppe zwei eingeteilt ist. „Die Kinder können untereinander tauschen, wenn sie zum Beispiel mit ihren Freunden in einer Gruppe sein wollen“, so schildert Frank Woitzik vom Städtischen Gymnasium die Handhabung – vorausgesetzt sie finden Tauschpartner. Die Organisation, die Schüler hälftig online zu Hause, hälftig in der Schule zu unterrichten, bedeutet für die Lehrkräfte einen gewaltigen Zusatz-Aufwand.