"Halbzeit" beim Tunnelbau in Oberwinden

WZO-Interview mit RP-Bauleiter Daniel Haberstroh - Vollsperrung am 6. Juni ab 0.30 Uhr

Winden (db). Der sogenannte „bergmännische Vortrieb“ im 881 Meter langen Brandbergtunnel ist nunmehr beendet. Der Tunneldurchstich ist mittlerweile erfolgt. Licht am Ende des Tunnels quasi. Nun geht es also weiter in „offener Bauweise“. „Ein ganz wichtiger Meilenstein“, so RP-Tunnelchef Daniel Haberstroh beim WZO-Vor-Ort-Interview vor und direkt im Tunnel.

Haberstroh und Raes Ququnda (stellvertretender Leiter der Bauüberwachung, Firma Müller-Hereth, Karlsruhe) stellten im Baubüro in Oberwinden und direkt im Tunnel den aktuellen Stand der Bauarbeiten im Zuge der „B294-Umfahrung Winden“ im WZO-Gespräch vor. Der „bergmännische Vortrieb“ im Tunnel sei nunmehr auf einer Länge von ca. 758 Metern abgeschlossen, die letzte Sprengung sei am 6. Mai gewesen. „Im Prinzip ist die Halbzeit jetzt erreicht. Der Vortrieb im Berg ist sehr gut gelaufen“, so der aus Waldkirch stammende Bauleiter. Durch im Berg bestehendes Amphibol-Material mussten die Bauarbeiter im „Schwarz-weiß-Vortrieb“ mit spezieller Filterausrüstung ans Werk gehen, damit keine gesundheitlichen Schäden für Lunge und Atemwege auftreten. Dies, der regenreiche April/Mai sowie die vielfältigen Herausforderungen der Pandemie hätten zu einer gewissen Bauzeitverzögerung gesorgt, so Haberstroh. 

2024 soll der Tunnel-Verkehr fließen

Dies alles habe aber keinerlei Auswirkung auf den Zeitplan für das Gesamtbauwerk, so Haberstroh „Im ersten Halbjahr 2024 wird der Verkehr durch den Tunnel fließen“. Natürlich könne bis dorthin noch viel passieren und gerade in diesen besonderen Krisenzeiten ist auch Haberstroh etwas vorsichtig mit konkreten Prognosen. „Wir wissen letztendlich nicht, was noch alles kommt, aber wir sind sehr optimistisch“. Derweil habe die ärgerliche Bauzeitverzögerung der Elztalbahn „keine direkten Auswirkungen auf das Projekt Tunnelbau“, betonte der Bauchef. 

Innenausbau läuft

Nachdem die Röhre nunmehr fertiggestellt sei, gehe es aktuell an den „Innenausbau“ des Tunnels. Die Innenröhre werde nun in verschiedenen Abschnitten inklusive umfangreicher Abdichtungsmaßnahmen hergestellt (etwa 75 Betonblöcke mit jeweils zehn Meter Länge). Der Beton werde direkt auf der Baustelle hergestellt. Natürlich stelle die Pandemiezeit eine zusätzliche Herausforderung auf der Baustelle dar, so die beiden Bauexperten. Gestörte Lieferketten (Preisveränderungen), Einreiseprobleme (Quarantäne-Regelungen), aufwendiges Hygienekonzept mit Schnelltest-Strategie – alles sind zusätzliche „Steine“, die quasi aus dem Weg geräumt werden müssen. Im Schnitt bis zu 40 Bauarbeiter aus verschiedenen Ländern bevölkern diese gewaltige Riesenbaustelle; Planer, Ingenieure, Bauüberwachung usw. gar nicht mitgerechnet. „Unser Corona-Hygienekonzept ist bisher voll aufgegangen“, so Haberstroh erleichtert. Auch von schlimmeren Unfällen sei man bisher Gott sei Dank verschont geblieben. 

Tunnelbau – Eine Welt für sich

Ein solcher Tunnelbau sei „eine ganz andere Welt“, so die beiden Bauexperten. Beide lobten den unfassbaren Zusammenhalt der Bauarbeiter im Tunnel. Hier gehe es vor allem darum, dass jeder sich auf den anderen zu 100 Prozent verlassen könne. Das schweiße „unter Tage“ eben auch zusammen. Ququnda erklärte beim Tunnelrundgang die aufwendigen Arbeiten mit viel Schmutz und Lärm ohne Sonnenlicht. Ohrenbetäubender Lärm erschwerte teilweise die Verständigung. Angenehm kühl ist derweil in der Röhre. Beim Gang aus der Tunnelröhre in Fahrrichtung Niederwinden „West“ blickt man dann auf diese gewaltige und beeindruckende Baustelle. In „offener Bauweise“ soll die Straße schließlich zum Ortsausgang bzw. Eingang von Oberwinden geführt werden (Höhenunterschied zur Tunnelröhre über zehn Meter). Neben der Tunnelröhre „West“ soll dann auch Ende des Jahres das neue Tunnel-Betriebsgebäude erstellt werden. 

Vollsperrung nachts am 6. Juni

In der Nacht von Samstag auf Sonntag, 6. Juni von 0,30 bis ca. 4.30 Uhr, wird die B294 komplett für den Verkehr  gesperrt sein (ab der Kläranlage Elzach). Grund dafür ist der Umzug des gewaltigen Beton-Schallenwagens vom Rettungsstollen „Ost“ zum Stollen „West“. Hier muss in sehr beengten Verhältnissen und mit schwerem Gerät dieser Umzug schließlich umgesetzt werden. Dafür sei die Straßensperrung unausweichlich. Eine offizielle Umleitungsausschilderung werde es indes nicht geben. Es gelte die weiträumige Umfahrung über Biederbach/Freiamt. Abschließend bedankte sich Haberstroh abermals bei den Anliegern der Baustelle für deren großes Verständnis und bei der Gemeinde Winden für das sehr gute Miteinander. Pandemiebedingt könne man derzeit weder ein Tunnelfest, noch Rundgänge anbieten. Dies werde man dann aber zu gegebener Zeit bestimmt nachholen, so Haberstroh. Als waschechter Elztäler spürt man sein Herzblut für dieses Jahrhundertprojekt.