Was Bleichheimer an ihrem Ort schätzen und vermissen

„Unser Dorf hat Zukunft“ - Regine Glöckle startete mit dem Ortschaftsrat eine Umfrage mit überraschenden Ergebnissen

Bleichheim (heb). 713 Einwohner zählt der Herbolzheimer Ortsteil und Ortsvorsteherin Regine Glöckle liegt ihr Dorf sehr am Herzen. Zielstrebig und mit pfiffigen Ideen will sie Bleichheim zukunftssicher machen. Wie? Sie nimmt am Landeswettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft” teil.

Diese Initiative motiviere die Bürgerinnen und Bürger seit vielen Jahren zu großem Eigenengagement in den Dörfern und gebe dadurch wesentliche Impulse zur Verbesserung der Lebensqualität im ländlichen Raum. Dezember 2019 wurde die Teilnahme vom Ortschaftsrat beschlossen und April 2020 kam dann wegen Corona die Absage und das Verschieben auf 2021.

Da persönliche Treffen nicht mehr möglich waren, startete Regine Glöckle mit dem Ortschaftsrat eine Umfrage, um herauszufinden, was die Bleichheimer an ihrem Ort schätzen, was erhaltenswert ist und was ihnen fehlt. 619 Umfragebögen wurden versandt, 184 kamen zurück – ein Rücklauf von 30 Prozent und zudem 17 Rückmeldungen mit Interessensbekundungen an weiteren Ideen.

Rücklauf von 30 Prozent

Überrascht habe sie, so Glöckle, mehrere Ergebnisse: Zum Beispiel 14 Ja-Stimmen mit Interesse an Carsharing oder 39 Ja-Stimmen für die Möglichkeit eines Lieferservices (lokaler) Lebensmittel. Auch die Überlegungen, eine wirtschaftliche Initiative zu gründen (neun Ja-Stimmen) oder eine Ferienwohnung bzw. Gästezimmer einzurichten(15 Ja-Stimmen), seien unerwartet hoch bewertet worden. Dass die Anzahl der Wartenden auf einen Bauplatz oder die Interessenten für einen Hauskauf hoch ist, war klar; aber 35 sei doch weit höher als die Anzahl der ihr bisher bekannten Interessenten.

Hierzu ergänzt Glöckle, was sie besonders gefreut habe. Nämlich zuerst einmal, dass 86 Prozent der Befragten gern in Bleichheim wohnen und sich hier wohl fühlen würden; ebenso die Offenheit für Tourismus (70 Prozent Zustimmung). Dass 75 Prozent bis ins hohe Alter in Bleichheim wohnen bleiben möchten, sei erfreulich, aber auch mit der Aufforderung verbunden, gute Bedingungen dafür zu schaffen. 76 Prozent besuchten gerne die Veranstaltungen im Dorf - dies sei Motivation für alle Vereine, diesen Wunsch bald wieder zu erfüllen.

„Schauen, ob es passt“

Mit dem Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ sieht Ortsvorsteherin Regine Glöckle die Chance, dass sich die Bürger mit ihrem Dort auseinandersetzen und selbst einen Blick darauf werfen, ob es in Bleichheim passt. „Die Menschen hier identifizieren sich mit Bleichheim“, so Glöckle. Doch man wisse ja, dass jeder Ortsteil hier anders „tickt“. Geschätzt würde beispielsweise die Ruhe, der Wald, die Natur und Dorfgemeinschaft. Aber schon der Arztbesuch werde in Bleichheim aufgrund fehlendem ÖPNV zum Problem.

Grundsätzlich aber zeige sich für Glöckle, dass die Dinge im Fluss seien. „Das ist wichtig und sollte auch unterstützt werden. Aber nicht jede Erkenntnis kann zu einer Veränderung führen. Die Anonymität der Umfrage bringt uns natürlich auch nicht automatisch in Kontakt mit den Teilnehmern“, sagt Glöckle.

Kommission im September

Nachdem Ende Mai der Erläuterungsbogen mit einer umfangreichen Beschreibung des Dorfes beim Regierungspräsidium eingereicht wurde, folgt nun der nächste Schritt: der Besuch der Bewertungskommission im Dorf am 16. September. Zwei Stunden steht man dann zur Verfügung, um das Dorf zu präsentieren, ausgewählte Orte zu besuchen und die Fragen der Kommission zu beantworten.

Diese Präsentation vorzubereiten ist die nächste anstehende Aufgabe. Etwas betrübt ist die Ortsvorsteherin, weil man 2020 bereits einen Filmdreh mit einer Arbeitsgemeinschaft junger Leute aus dem Dorf terminiert hatte, bei dem neben dem Spaziergang durchs Dorf auch alle Bleichheimer Vereine und Gruppierungen beteiligt sein sollten – aber Corona machte das alles zunichte. „Mal sehen, ob wir bei sinkenden Inzidenzen doch noch in die Umsetzung kommen können.“, sagt Glöckle.

Blick von außen ein Gewinn

Nach dem Besuch der Bewertungskommission wird ein Ergebnisbericht erstellt, der auch Empfehlungen für die weitere Entwicklung des Dorfes gibt. Allein dieser Bericht verschiedener, fachlich qualifizierter Juroren sei für Bleichheim ein Gewinn.

Wie geht es mit den neu gewonnenen Erkenntnissen weiter? Bleichheim fühle sich als ein Ortsteil der Gesamtstadt Herbolzheim grundsätzlich gut aufgehoben. Jedes Dorf hat aber sein Eigenleben und sollte daher in Form von Bürgerbeteiligung immer wieder in die Formulierung der Entwicklungsziele mit involviert werden.

In einem ersten Schritt fand daher Anfang Mai der Einstieg in einen fachlich begleiteten Leitbildprozess statt. Zusammen mit Ortschaftsrat, Vereinsvertretern und Bürgern wurden Leitbilder und Ziele formuliert. In einem nächsten Schritt werden Handlungsfelder abgeleitet und letztlich kurz- und langfristige Umsetzungsvorschläge entwickelt. Für diesen Prozess sind die Umfrageergebnisse und später der Bericht der Bewertungskommission von großer Bedeutung.

Im ersten Workshop wurde von den Teilnehmern eine erste Priorisierung der Themen vorgenommen. Aber auch dies sei eine Form der gemeinsamen Gestaltung aller Beteiligten. Weitere interessierte Bürger seien zur Mitarbeit willkommen.

Thema am Dienstag

Am nächsten Dienstag, 8. Juni, wird Ortsvorsteherin Regine Glöckle in der Ortschaftsratssitzung den derzeitigen Stand der Wettbewerbsvorbereitungen auch noch einmal öffentlich bekannt machen.