„Mauracher Hof“ schließt Ende 2022

In Denzlingen endet eine fast hundertjährige Familientradition

Denzlingen (hg). In einem persönlichen Gespräch mit Thomas Trenkle, dem derzeitigen Pächter des in Gemeindebesitz befindlichen Mauracher Hofes, und im Rahmen einer offiziellen Pressekonferenz am Montag dieser Woche mit Bürgermeister Markus Hollemann im Rathaus wurde eine für Denzlingen nicht unbedeutende Entscheidung bekannt gegeben: Familie Trenkle hat zum Jahresende 2022 das Pachtverhältnis gekündigt. Somit stehe die Kommune vor der grundsätzlichen Entscheidung, was mit dem Areal Mauracher Hof in Zukunft geschehen soll.

Familie Trenkle habe sich über mehrere Generationen hinweg „große Anerkennung und Respekt erarbeitet“. Durch ihren besonderen Umgang mit den Kunden hätten die Generationen Trenkle in Denzlingen auch ein besonderes Ansehen genossen. Die jetzt getroffen Entscheidung sei gewiss durch den frühen Tod von Andreas Trenkle, dem Vater von Thomas Trenkle, ausgelöst worden, betonte Hollemann.

Der Gemeinderat und die Gemeindeverwaltung stünden nun vor wichtigen Abwägungen. Die besondere Lage des Anwesens Mauracher Hof als „super attraktives Ausflugsziel“ am Fuße des Mauracher Berges mit den vorhandenen Freizeiteinrichtungen müssten bei den Überlegungen über die Zukunft dieses Anwesens sorgfältig abgewogen werden. Die Landwirtschaft müsse seiner Ansicht nach auch in Zukunft mit dem Mauracher Hof verbunden bleiben. Ein Verkauf komme nach einem klaren Votum des Gemeinderates nicht in Frage, so Hollemann.

Entscheidung schweren Herzens

„Ich sehe mich gezwungen, ein Stück meines Lebens aufzugeben. Wir haben der Gemeinde Denzlingen schweren Herzens mitgeteilt, dass wir das Höfle noch bis zum 31.12.2022 bewirtschaften möchten und ab Januar 2023 abgeben werden. Wir halten dies für eine faire Lösung, da beide Seiten so ausreichend Zeit haben, das weitere Vorgehen zu organisieren“, unterstrich Thomas Trenkle in einem Brief. Dazu seine Frau Nicole: „Wir hätten wirklich gerne weiter gemacht, es ist nicht nur traurig für uns, sondern auch für unsere treuen Gäste.“ Diese Worte aus dem Mund der jetzigen Pächtergeneration Trenkle zeigen, dass man sich die Entscheidung wirklich nicht leicht gemacht hat.

Mehrere Generationen der Familien Trenkle haben die Gaststätte und den landwirtschaftlichen Hof seit 1928 bewirtschaftet. Thomas Trenkle nannte deren Namen wie folgt:

1928 haben die Urgroßeltern, Martha und Andreas Trenkle, den Hof von Familie Sonntag gepachtet und diesen als Gastwirtschaft betrieben. Ihnen folgten die Großeltern Stefanie und Franz Trenkle. Im Jahr 1991 übernahmen die Eltern, Gudrun und Andreas, den Betrieb. Thomas half bereits damals fleißig mit und stieg 2007 richtig ein, wobei er sich größtenteils um die zugehörige Landwirtschaft kümmerte, aber abends auch oft am Herd stand oder für die Gäste Bier zapfte. Im Juni 2019, also gerade mal vor zwei Jahren, traf die Familie ein sehr harter Schicksalsschlag: Vater Andreas kam bei einem schweren Autounfall ums Leben, wobei auch die Mutter Gudrun hart getroffen wurde.

Für die Zukunft rüsten

Nach diesem schweren Schock musste sich die Familie neu orientieren und entscheiden. Bereits im August 2019 war der Hof wieder geöffnet. Nicole Trenkle bringt als gelernte Hotelfachfrau und Hotelmeisterin perfekte Voraussetzungen zur Führung eines gastronomischen Betriebes mit. Daher lag es auf der Hand, dass man sich für die Zukunft zu rüsten versuchte.

Diese Zukunft beinhaltete in ihren Überlegungen allerdings mehr als die Durchführung von diversen Veranstaltungen in der 2017 in Eigenleistung errichteten Eventscheune. In der lediglich sieben Tische zählenden Gaststube im denkmalgeschützten Gasthaus mit einem über 60 Jahre alten Holzherd in der Küche war/ist schließlich auf Dauer kein rentables Geschäft zu machen. Zur unverzichtbaren Sanierung der Küche hätte man auf der Basis eines konkreten Angebotes rund 200.000 Euro investieren müssen, wozu man gerade noch bereit gewesen wäre. Hinzu kämen allerdings noch wesentlich weitergehende Sanierungen, wie zum Beispiel Isolierungen und vor allem die gesamte veraltete Hauselektrik und anderes mehr: Insgesamt eine Sanierungssumme, die deutlich über einer Million Euro läge, wie auch Bürgermeister Hollemann bestätigte.

So hätten Thomas und Nicole Trenkle vorab einiges klären müssen, zumal sie nach dem Tod von Andreas Trenkle nur einen „befristeten Unterpachtvertrag geschlossen“ hatten. Nicht zuletzt sei aber die Frage zu klären gewesen, wer zukünftig die umfangreichen Investitionen tätigt, die für eine erfolgreiche Fortführung des Betriebes und einen schadenfreien Erhalt des denkmalgeschützten Gebäudes unabdingbar seien. Seiner Meinung nach seien vorgenommene Erhaltungsmaßnahmen durch die Gemeinde als Eigentümerin „in den letzten Jahren überschaubar“ gewesen.

Keine Erbpachtlösung

So wäre man entschlossen gewesen, das Höfle und das zugehörige Areal zu erwerben, sofern „die Rahmenbedingungen akzeptabel“ gewesen wären. Allerdings schloss Familie Trenkle eine von der Gemeinde angebotene Erbpachtlösung grundsätzlich aus, in der sie deutliche finanzielle Nachteile sieht. So hat sich Familie Trenkle mit einem Gastronomieberater in Verbindung gesetzt, mit dem man alternative Konzepte prüfte. Allerdings sei das Ergebnis immer gleich gewesen: Gemessen an den Investitionskosten stehen die Erträge in keinem vertretbaren Verhältnis. Aus diesem Grund sah man sich nun zu dem genannten Schritt gezwungen, den Pachtvertrag mit der Gemeinde zum Jahresende 2022 zu kündigen.

Gefragt nach der Zukunft des Anwesens Mauracher Hof konnte Bürgermeister Hollemann nach der erst Ende Juni eingegangen Kündigung noch keine Auskunft geben. Er rechne mit mehreren Monaten intensiver Prüfungen und Beratungen, ehe man dazu Näheres sagen könne.