Der Wahlkrimi hat begonnen

Die Pandemie hat das Wählerverhalten verändert: Briefwahl ersetzt vielfach den Gang zur Urne

Regio. Auch für die Bundestagswahl 2021, die am 26. September über die Zusammensetzung des künftigen Bundestages, die Regierung und die Kanzlerschaft entscheidet, hat sich der ReblandKurier entschlossen, die Wahlkreiskandidaten jener Parteien, die für eine Regierungsbildung in Frage kommen, in Porträts vorzustellen. Dies allerdings früher als in  vergangenen Jahren.

War bei den Wahlen der Vergangenheit der Mittwoch vor dem jeweiligen Wahlsonntag der geeignete Zeitpunkt zur Veröffentlichung der Kandidatenporträts, ist es nun angeraten, die auf Besuchen der Kandidaten im WZO-Verlagshaus und entsprechende Redaktionsgespräche basierenden Vorstellungen des politischen  Personals vorzuziehen. Pandemiebedingt erreichte die Briefwahlquote etwa bei der jüngsten Landtagswahl eine Quote von 51.5 Prozent – und die Briefwahlphase für die Bundestagswahl 2021 hat längst begonnen.
Vor diesem Hintergrund steigt der ReblandKurier mit der heutigen Ausgabe in die Vorstellung der für die spätere Regierungsbildung relevanten Kandidaten ein. 
Für die RK-Lokalausgabe 200 (Bad Krozingen, Staufen, Batzenberg,  Hexental, Südlicher Breisgau) sind zwei Wahlkreise  von Bedeutung: Der Wahlkreis 281 (Freiburg) und der Wahlkreis 282 (Lörrach/Müllheim). In beiden Wahlkreisen geht es bei der aktuellen Wahl besonders spannend zu. Bei den letzten beiden Bundestagswahlen setzte sich jeweils der Kandidat der CDU durch und holte das Direktmandat: In Freiburg war das jeweils Matern von Marschall, im Wahlkreis Lörrach/Müllheim holte jeweils Armin Schuster den Sieg. Da dem einstigen Bundespolizisten  vor einigen Monaten von Innenminister Seehofer die  Leitung des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe angetragen wurde, geht im Wahlkreis Lörrach/Müllheim für die Christdemokraten mit der Rheinfelder Bürgermeisterin Diana Stöcker eine neue Kandidatin an den Start. Sowohl für Matern von Marschall als auch für Diana Stöcker gilt: Wird das Direktmandat verpasst, werden sie dem künftigen Bundestag nicht angehören. Laut der Umfragen der vergangenen Wochen und Monate haben Grüne, SPD und auch die FDP, verglichen mit dem amtlichen Wahlergebnis von 2017,  bundesweit enorm zugelegt.  Dies beflügelt auch die Wahlkreiskandidaten dieser drei Parteien im Kampf um die Direktmandate vor Ort. Die Wahlkreiskandidaten von Bündnis90/Die Grünen, Chantal Kopf (Freiburg) und Gerhard Zickenheiner (Lörrach/Müllheim), verkünden ebenso offensiv den Gewinn des Direktmandats als eigenes Wahlziel wie auch die jungen und unverbrauchten SPD-Kandidaten Julia Söhne (Freiburg) und  Takis Mehmet Ali (Lörrach-Müllheim). Jüngste Umfrageergebnisse und auch von ihm selbst aufgeschnappte Stimmungsbilder im Wahlkreis lassen selbst den FDP-Bundestagsabgeordneten Dr. Christoph Hoffmann kühn von einer Sensation träumen: „Ich möchte der erste Liberale sein, der das Direktmandat im Wahlkreis Lörrach/Müllheim gewinnt.“ Während   für Matern von Marschall, Diana Stöcker (beide CDU) und Julia Söhne  (SPD) das persönliche politische Schicksal, sprich die Mitgliedschaft im Deutschen Bundestag, vom Gewinn des Direktmandates abhängt, könnten gute Ergebnisse der Gesamtpartei in Baden-Württemberg für Chantal Kopf, Gerhard Zickenheiner (beide Bündnis 90/Die Grünen), Takis Mehmet Ali (SPD), Dr. Christoph Hoffmann (FDP),  eventuell sogar für Newcomerin   Claudia Raffelhüschen  (FDP) ausreichen, um ohne das Direktmandat über die Landesliste in den Bundestag einzuziehen. Sicher ist das freilich nicht. 
Da von den größeren politischen Wettbewerbern  weder die SPD noch die Grünen eine Koalition mit der Partei „Die  Linke“ für eine Regierungsbildung komplett ausschließen, werden  auch die betont linken Kandidaten im ReblandKurier vorgestellt. Tobias Pflüger aus dem Wahlkreis Freiburg ist zurzeit Abgeordneter im Bundestag – ob er es bleibt, hängt vom Ergebnis seiner Partei im Land ab, weiß er. Da zählt  jede Stimme und es wird unglaublich eng. Gelassener bleibt der linke Kandidat Moritz Kenk aus dem Wahlkreis Lörrach-Müllheim. Er hat auf einen Listenplatz verzichtet und kämpft, wie er sagt,  um ein gutes Ergebnis seiner Partei.  Wegen der allgemeinen Stimmungslage im Land und in den beiden hiesigen Wahlkreisen sowie wegen der besonderen Möglichkeit in Deutschland Erst- und Zweitstimme zu splitten, ist das Rennen um die Direktmandate im Südwesten so spannend wie nie – eigentlich ähnlich wie auf Bundesebene.  Frank Rischmüller