Ideensammlung für den Klimaschutz

Der Denzlinger Klimaschutzbeirat tagte letzte Woche coronabedingt online

Denzlingen (hg). Zu einer dreistündigen Online-Konferenz am häuslichen Computer lud der Denzlinger Klimaschutzbeirat am vergangenen Donnerstag Mitglieder und Interessierte ein. Aufgrund der aktuellen Inzidenzen und des Inkrafttretens der Alarmstufe in Sachen Corona hatte man sich kurzfristig entschlossen, die geplante Veranstaltung nicht in Präsenz durchzuführen.

„Hauptsache, wir bewegen was in Sachen Klimaschutz“, hatten Lena Hartmann-Kist und Diana Sträuber als verantwortliche Initiatorinnen seitens der Kommune in der Einladung vermerkt. Anhand gut vorbereiteter Folien konnten sich die Teilnehmer jederzeit nicht nur akustisch über die aktuelle Situation ein Bild machen. Einleitend sprach Bürgermeister Markus Hollemann mit einer Luftaufnahme von Denzlingen im Bildhintergrund ein Grußwort und dankte allen Teilnehmer für deren Engagement in Sachen Klimaschutz.


Ein Blick in die Vorgeschichte zeigt, dass der Gemeinderat bereits im September 2019 die Erstellung eines Klimaschutzkonzeptes für Denzlingen beschloss. Dabei sollte ein entsprechendes Konzept mit Bürgerbeteiligung entwickelt werden, und zwar durch ein längerfristig tätiges Gremium, nämlich den „Klimaschutzbeirat“ (KSB). Der Gemeinderat beschloss daraufhin im Februar dieses Jahres als Klimaschutzziel „Klimaneutralität bis 2035“. Der KSB sollte in Zusammenarbeit mit der Verwaltung und externen Experten, zum Beispiel die Energieagentur Freiburg, Maßnahmenvorschläge für das Klimaziel entwickeln. Im gesamten Prozess sollte der KSB den Gemeinderat und die Verwaltung konstruktiv und kritisch begleiten.


So tagte neben einem Jugendworkshop auch ein Verwaltungsworkshop, um aus der jeweiligen Sicht geeignete Maßnahmen zu erarbeiten. Beispiele aus den Reihen der Jugend: Regiokarten bezuschussen, freiwilliger autofreier Sonntag, Mietfahrräder und E-Bike-Verleih. Die Gemeinde schlägt zum Beispiel vor Solarzellen auf Dächern und Feldern, Begrünung von Häusern und freien Flächen, Stadtplanung (nachhaltig bauen, Grünflächen erhalten, Solaranlagen fördern), Verwendung von Tablets zur Papiervermeidung und Förderung regionaler Landwirtschaft.


Intensiver Gedankenaustausch

Nach der Gründung des KSB Anfang Juli fand noch im selben Montag die erste Sitzung statt, wobei bereits erste Ziele und Maßnahmen in Arbeitsgruppen entwickelt wurden – unter Einbeziehung von „Experten-Inputs“. Anfang Oktober trafen sich die AG-Sprecher mit der Klimaschutzkoordinatorin, Lena Hartmann-Kist, zu einem Gedankenaustausch, um am 14. Oktober eine ausgearbeitete Maßnahmensammlung an die Energieagentur zu übergeben, die ihrerseits eine fachliche Überprüfung vornahm. Ein Online-Meeting und einige Treffen zwischen Energieagentur und AG-Sprecher folgten im Oktober und November.


Beim Online-Meeting vergangene Woche ging es somit zunächst um eine Bestandsaufnahme und schließlich um eine Einordnung geplanter Maßnahmen in eine Zeitschiene. Unter den Maßnahmenvorschlägen werden zum Beispiel genannt: „ … die Ortsmitte autofrei zu gestalten, den Autoverkehr einzugrenzen und Parkplätze durch Grünflächen zu ersetzen … “, einschließlich „Bepflanzung und Renaturierung“. Als Schlüsselmaßnahme wird eine „klimaangepasste Stadtentwicklung“ genannt, wobei man dafür „eine genaue Definition für Denzlingen finden und ein Konzept erstellen“ will.

Der KSB blickt hierbei auf eine geeignete Umsetzungsstrategie, nämlich auf die Einordnung der Maßnahmen in eine Zeitschiene. Dabei soll unter anderem aufgezeigt werden, wie hoch der Anteil ist, um das Ziel (Klimaneutralität 2035) zu erfüllen. Die Frage lautet: Welche Maßnahme trägt wieviel zur Zielerreichung bei und wo gibt es noch „blinde Flecken“?

Diskrepanz wird sichtbar

Kritisch angemerkt wurde in den Reihen des KSB zum Beispiel, wie die geplanten Denzlinger Neubaugebiete mit den Zielen der Klimaneutralität zusammenpassen würden. Eine Frage, die zumindest bei diesem Meeting nicht geklärt oder gar verbindlich beantwortet werden konnte. Eine mögliche Diskrepanz zwischen „Wunsch und Wirklichkeit“ also? Moderatorin Lena Hartmann-Kist empfahl den KSB-Vertretern, in der Frage Neubaugebiete für Denzlingen ein Positionspapier des KSB zu formulieren, um dieses mit dem Gemeinderat zu diskutieren.

KSB-Teilnehmer wiesen darauf hin, dass es wichtig sei, dass der KSB und die Verwaltung weiterhin im engen Austausch bleiben für die Erarbeitung der Steckbriefe für die „Schlüsselmaßnahmen“. Besonders wichtig sei es, dass „genug Zeit für Rückkopplungsschleifen“ bleibe. Denn vor allem sei Transparenz wichtig, was mit den Maßnahmenvorschlägen passiert. Daher wird das anvisierte Arbeitstreffen im ersten Quartal des kommenden Jahres sehr begrüßt. Diana Sträuber verwies darauf, dass im Moment daran gearbeitet werde, die verwaltungsinternen Strukturen zu verbessern, die für die schnelle Umsetzung wichtiger Klimaschutzmaßnahmen erforderlich seien.