„Ringsheim hat unglaubliche Chancen, die wir nutzen müssen“

„Halbzeit-Interview“ mit Pascal Weber, seit vier Jahren Bürgermeister der Gemeinde Ringsheim

Ringsheim (hpb). Am 5. Dezember 2017 trat Pascal Weber, nachdem er im ersten Wahlgang mit 96 Prozent aller Stimmen von der Bevölkerung zum neuen Bürgermeister von Ringsheim gewählt worden war, sein neues Amt an. Ein guter Grund, um im Gespräch mit ihm Rück- und Ausblick zu halten. Das Gespräch mit ihm führte unser Mitarbeiter Herbert Birkle.


Voller Lob über die vielen Chancen, welche die kleine Gemeinde hat, über die harmonische und zielorientierte Zusammenarbeit mit dem Gemeinderat, eine Bürgerschaft, die aktiv mitarbeitet, sich einbringt und eine gute Entwicklung der Gemeinde in vielen Bereichen, im Miteinander und konsequentem Arbeiten für die Zukunft, zeichnete Bürgermeister Pascal Weber die aktuelle Situation. Vieles wurde in den vergangenen vier Jahren erreicht, zwei Drittel der Schulden konnten abgebaut und trotzdem sehr viel investiert werden. Die Gemeinde habe viel Potenzial in ihrer weiteren Entwicklung, und gemeinsam mit Gemeinderat und Bevölkerung gelinge es, die Gemeinde ständig attraktiver zu machen.

In Ihrer Neujahrsansprache 2019 haben Sie Thomas Edison zitiert: „Erfolg hat nur der, der etwas tut, während er auf den Erfolg wartet.“ Sie haben in den vergangenen vier Jahren sehr viel getan, geht es in diesem Tempo weiter?
 Pascal Weber: Hoffentlich können wir das Tempo beibehalten. Nur wenn wir weiter investieren und kraftvoll zukunftsweisende Themen angehen, können wir als Gemeinde attraktiv bleiben.

Kommunalpolitik braucht Langfristigkeit im Denken und Planen, Geld und Überzeugungskraft. Welche Projekte stehen derzeit auf Ihrem Planungstableau?
Ganz oben stehen die aktuellen Projekte Mobilitätsknoten am Bahnhof, der neue Bauhof und das Feuerwehrhaus. Aber auch, um einige Beispiele zu nennen, die Zukunft des Gebäudes „Alter Ochsen“, das Landessanierungsprogramm mit vielen kommunalen Einrichtungen (Altgebäude Bauhof/Feuerwehr, Einsegnungshalle, Bürgerhaus, Straßen und Plätze), Klimaschutz und mehr.

„Bildung und Betreuung“ ist für Sie eine sehr wichtige Aufgabe für die Gemeinde. Viel Geld wurde investiert und neue Angebote geschaffen. Sind Sie damit am Ziel?
 Das ist eine Daueraufgabe. Wir haben bisher rund eine Million Euro in Schulgebäude, Betreuung, Schulhof und Digitalisierung gesteckt. Immer neue Aufgaben kommen von Bund und Land ohne Kostenausgleich, das wird die Gemeinde stark belasten. Die Gemeinde schafft gerne erforderliche Angebote für Kindergarten- und Ganztagsplätze in der Schule, auch für die Jugend müssen weitere Angebote geschaffen werden.

Von Anfang an haben Sie gesagt, dass Ihnen das Miteinander in der Gemeinde wichtig ist, und dass Sie immer das Gespräch mit den Menschen suchen. Haben Sie damit Erfolg gehabt?
 In den absolut überwiegenden Fällen ja. Insbesondere das Miteinander im Gemeinderat und auch bei den Mitarbeitern ist hervorragend und wichtige Grundvoraussetzung. Im Zwiegespräch mit den Bürgern und Vereinen lassen sich oft konstruktive, hilfreiche Ergebnisse erzielen. So verstehe ich auch meine Aufgabe als Bürgermeister.

Wichtige Entwicklungen und Auswirkungen sind in den Fragen Ausbau der Rheintalbahn und Ausbau der Autobahn zu erwarten. Wird Ringsheim durch die Vielfalt der Bahnstrecken und deren Bau, wie auch dem Ausbau der BAB „eingekesselt“?
 Auf unserer kleinen Gemarkung sind wirklich mit Alter Bundesstraße, Bestandsstrecke Bahn, Umgehungsstraße, Neubaustrecke Bahn und Autobahn viele parallele Verkehrsachsen auf circa zwei Kilometer Breite. Mit Problemen und Chancen. Ich möchte die Chancen sehen und ergreifen, gleichzeitig an den Problemen arbeiten. Unsere Gemeindeentwicklung muss sich daran orientieren.

Der Haushalt der Gemeinde Ringsheim hat sich in den vergangenen Jahren trotz großer Investitionen positiv entwickelt und Schulden wurden abgebaut. Kann die Gemeinde, trotz Corona, in der mittel- und langfristigen Finanzplanung weiterhin wie bisher „kräftig“ investieren?
Das hoffe ich. Dem Gemeinderat und mir ist es in den letzten vier Jahren gelungen, die Schulden um zwei Drittel zu reduzieren, durch solide Finanzpolitik, aber auch durch erfolgreiche Beantragung von Zuschüssen in Millionenhöhe für fast alle größeren Gemeindeprojekte, zuletzt über 80 Prozent beim Mobilitätsknoten. Diesen Weg möchte ich durch eine vorausschauende Planung gerne fortsetzen.

Ein wichtiges Ziel ist die Verbesserung des ÖPNV und vor allem der örtlichen Verbindungen im Nahbereich nach Rust und Ettenheim. Sie kündigten entsprechende Verhandlungen mit den Trägern an und, wenn es gelingt, entsprechende Testzeiten. Glauben Sie, dass ein örtliches, zusätzliches Angebot für Ringsheim wirtschaftlich realistisch ist?
 Wir haben gute Bahnverbindungen, aber es ist einfacher mit dem Zug nach Mailand zu kommen als mit dem Bus nach Ettenheim. Die Schaffung von Busverbindungen ist Sache des Ortenaukreises, wir werden aber mit den Gemeinden in der südlichen Ortenau im Zusammenspiel hier eine Verbesserung erreichen. Zugegeben, wir werden um die Akzeptanz der Angebote werben müssen, ein gutes Angebot ist wichtig für die weitere Stärkung der Region. Aber ganz ehrlich auch: Ich glaube nicht, dass wir im ländlichen Raum sehr viele Fahrgäste erreichen, das zeigt ja auch das Beispiel Ettenheim. Da sollten wir uns keine Illusionen zum Verhalten der Menschen machen.

In den vergangenen vier Jahren wurde die kommunale Zusammenarbeit in der südlichen Ortenau vertieft und erweitert. 
Ich bin ein absoluter Fan von Zusammenarbeit. Wir arbeiten hier an einer guten und vertrauensvollen Verteilung in der südlichen Ortenau: Rust für Tourismus, Ettenheim Abwasser und Planung, Kappel-Grafenhausen ÖPNV. Wir in Ringsheim wollen verantwortlich für die gesamte Region die Wasserversorgung professionell in kommunaler Hand erhalten, Naturschutz in den Elzwiesen betreiben und die Versorgungssicherheit in unserer boomenden Wohn-, Gewerbe- und Tourismusregion gewährleisten.

Mit dem „Multimodalen Mobilitätsknoten Bahnhalt Ringsheim/Europa-Park“ ist ein wichtiger Schritt des Erhalts und Ausbaus der Bahnverbindungen geschaffen. Bis der Ausbau der Rheintalbahn vollendet ist, vergehen noch gut zwei Jahrzehnte. Welche Verbesserungsmöglichkeiten bestehen in dieser Zeit?
 Es gilt, unseren Bahnhalt stetig noch attraktiver für Pendler und Touristen zu machen. Wir sind „ganz oben“ bei der Bahn im Gespräch für Maßnahmen bei Brücken, aber auch beim Ausbau und Verlegung des Bahnhofs. Gleichzeitig wollen wir schnellstmöglich die Güterzüge aus dem Ort haben und die Neubaustrecke muss schnellstens gebaut werden.

Die Corona-Pandemie hat auch die Gemeinde Ringsheim und ihre Bürger stark belastet. Vor allem im gesellschaftlichen Bereich von Kultur, Sport, Vereinen und im Tourismus. Wie sehen Sie die Zukunft und was kann die Gemeinde helfend tun?
 Wir werden nochmals bis Anfang April schwierige Wochen erleben. Als Gemeinde haben wir auch zusammen mit der Gemeinde Rust wichtige Maßnahmen um die Gesunderhaltung verwirklicht. So zum Beispiel ein gemeinsames Testzentrum sowie ganz früh Tests in den Kitas und Schulen. Wir haben die Zuschüsse an die Vereine stabil gehalten und mit Gebührenverzicht bei den Kitas sowie konkreten Förderungen der gesellschaftlichen Zusammenarbeit wie Solidaritätswein, Dorfhock statt Gassenfest und so weiter auch breit Betroffene unterstützt. Hier gilt ein besonderer Dank den ehrenamtlichen Helfern, Mitarbeitern der Verwaltung und den Vereinen.

Gewerbe und Tourismus sind für Ringsheim wichtige wirtschaftliche Faktoren. Mit der Erschließung von Leimenfeld 3.0 werden hier neue Arbeitsplätze und auch zusätzliche Steuereinnahmen geschaffen. Wie entwickelt sich Leimenfeld 3.0?
Die Erschließungskosten lagen sogar unter der Kostenschätzung. Die Nachfrage ist riesig, dabei gilt es genau darauf zu achten, solche Betriebe anzusiedeln, die auch neue Arbeitsplätze „mitbringen“ und eine langfristige Wertschöpfung für die Gemeinde darstellen.

Haben Sie weitere Gebiete für Gewerbeansiedlung im Blick?
Die gewerbliche Entwicklung muss weitergehen, das wollen auch die Bürger. Jetzt aber haben wir zuerst die Vermarktung von Leimenfeld 3.0 im Blick.

Mit Europafeld I wurde die Grundlage für ein attraktives neues Wohngebiet geschaffen. Die schnelle Reihenfolge der Bauanträge zeigt, dass hier sehr zügig eine Bebauung erfolgt. Muss die Gemeinde bald Europafeld II anschließen?
Zuerst muss das jetzige Baugebiet (42 Bauplätze, alle verkauft) begleitet werden. Aber auch beim Thema „Wohnen“ müssen wir bald zu neuen Möglichkeiten kommen, brauchen dabei aber auch immer die Mitwirkung der Flächeneigentümer. Chancen bietet auch das Landessanierungsprogramm für die Ortsmitte.

Am 5. Dezember 2017 haben Sie Ihren Dienst als Bürgermeister von Ringsheim angetreten. Vier Jahre sind schnell vergangen. Ihr Rückblick dazu?
Ich habe immer gesagt, Ringsheim hat unglaubliche Chancen, die wir nur ergreifen müssen. Es ist zusammen mit dem Gemeinderat und den Gemeindemitarbeitern gemeinsam mit der aktiven Bürgerschaft gelungen, viele dieser Chancen zu ergreifen, Ringsheim noch attraktiver zu machen und gut für die Zukunft aufzustellen. Bei stark abgebauten Schulden, somit soliden Finanzen und mit Hilfe vieler Zuschüsse. Ich denke, ich konnte da auch einen guten Beitrag dazu leisten.

Und welche Themen sind im Mittelpunkt der nächsten Jahre?
Die Themen der nächsten Jahre liegen auf der Hand: Corona, Neubau Bauhof, Neubau Feuerwehrhaus, Schaffung von Kita-Plätzen,. Ausbau von Betreuung in der Schule, weitere Digitalisierung der Verwaltung. Natur- und Klimaschutz weiter voranbringen, Weiterentwicklung von Gewerbe, Tourismus und Wohnen, Nutzung des Landessanierungsprogramms sowie viele weitere Themen der Ortsgestaltung.
 

Wir danken für das Gespräch.