Wenn ein Hotelgrundstück zum Wohngebiet wird

Auf ehemaligem Areal des „Windenreuter Hofs“ sollen Einzel-, Doppel- und Reihenhäuser entstehen – Neustart der Planungen

Emmendingen. Das Hotel „Windenreuter Hof“ hat viereinhalb Jahrzehnte das Geschehen im Stadtteil mitgeprägt. Unzählige Profi-Fußballer, internationale Musikgrößen, Künstler und andere Promis haben dort übernachtet. Auch als Veranstaltungsort für Emmendinger Vereine und Gewerbetreibende war die Location begehrt. Jetzt ist das Hotel Geschichte. 2021 wurde das Hotelareal verkauft. Mittelfristig soll dort nun ein Wohngebiet entstehen. Im Technischen Ausschuss wurde die Vorentwurfsplanung für die Plangebiete „Windenreuter Hof“ und „Rathausweg - Bergstraße“ vorgestellt. 


Grundstück und Gelände des ehemaligen Hotelkomplexes grenzen im Norden an den Geltungsbereich des bestehenden Bebauungsplans „Rathausweg - Bergstraße“ an, der 2013 als Fortführung und Ablösung des Bebauungsplans „Saulache“ mit dem Ziel aufgestellt wurde, die vorhandenen Flächenpotentiale im Nordosten sowie im südlichen Innenbereich für die Entwicklung von Wohnbauflächen zu nutzen. Durch die Einbeziehung des ehemaligen Hotelareals in die bestehenden Planungen ergibt sich am nördlichen Ortseingang von Windenreute nun ein zusammenhängendes Entwicklungsgebiet. In einer Gesamtbetrachtung sollen für diesen Bereich der Rahmen und die Inhalte der künftigen städtebaulichen Entwicklung aufeinander abgestimmt werden.
Gebäude und Grundstücksflächen des ehemaligen Hotels wurden 2021 verkauft. Aktuell ist eine Nutzung im baulichen Bestand geplant. Mittelfristig streben die neuen Grundstückseigentümer aus Freiburg jedoch einen Abriss des Hotelkomplexes und eine anschließende Neubebauung mit einer Wohnnutzung an. Zusammen mit den sich nach Westen anschließenden Grundstücksflächen wird der neue Bereich jetzt in die städtebauliche Planung mit einbezogen. Voraussetzung für eine Entwicklung von Wohnbauflächen ist die Aufstellung eines Bebauungsplans. Für den Planbereich „Windenreuter Hof“ gibt`s zwei Erschließungsvarianten mit einer Anbindung über die bestehende Zufahrt am Friedhof. Die Bebauungsvarianten sehen eine insgesamt kleinteilige Bebauung vor. So sollen insbesondere am Ortseingang und entlang des Rathausweges Einzel- und Doppelhäuser entstehen. Für den rückwärtigen Bereich der Entwicklungsfläche käme laut Entwurfsplanung auch eine Reihenhausbebauung in Betracht. Im Planbereich „Rathausweg - Bergstraße“ werden die Geländeverhältnisse beibehalten. Die Entwurfsplanung sieht im Anschluss an den Bereich „Windenreuter Hof“ ebenfalls eine kleinteiligere Einzelhausbebauung mit oberirdisch zugeordneten Stellplätzen vor, die eine Hofstruktur bilden. Nach Süden schließen sich zwei zweitere Wohnhöfe an mit je einer Tiefgarage an. Im Süden des Planbereichs ist eine aufgelockerte Einzelhausbebauung angedacht, die über eine Stichstraße erschlossen werden soll.
Am Montagabend wurde der neue Planungsentwurf im Ortschaftsrat Windenreute vorgestellt und diskutiert. Das Interesse der Anwohner und Bürger war sehr groß. Rund 50 Personen kamen zur Sitzung in die Turn- und Festhalle und der Zulauf riss nicht ab, so dass Ortsvorsteher Karl Kuhn die Hallentüren aus Hygieneschutzgründen schließen lassen musste. Die Einwohner hatten viele Fragen im Gepäck, die sich rund um das Thema „Infrastruktur“ drehten (Verkehrsdichte, Einrichtung von Parkplätzen, Versorgung mit Internet und Strom). Der stattliche Fragenkatalog liegt der Ortschaftsverwaltung auch in schriftlicher Form vor. Planer Thomas Thiele vom Freiburger Architekturbüro stellte die Entwürfe vor, die grundsätzlich auf ein positives Echo stießen. Am Ortseingang aus Richtung Maleck, in bester Lage, sollen zwei neue Wohngebiete mit rund 20 Wohneinheiten im Plangebiet „Windenreuter Hof“ sowie 43 bis 50 Wohneinheiten im Bereich „Rathausweg - Bergstraße“ entstehen. „Das ist ein ganz neuer Vorentwurf, bei dem das Freiburger Büro viele Freiheiten hatte und keine Weiterentwicklung der bisherigen Planungen, die im November 2019 von unserem Ortschaftsrat wegen zu dichter und massiver Bebauung abgelehnt wurde“, erklärte Ortsvorsteher Karl Kuhn im ET-Gespräch. Das neu hinzugekommene Areal „Windenreuter Hof“ biete jetzt die Chance beide Gebiete entsprechend zu überplanen. Der Ortschaftsrat, der die geplante kleinteilige Bebauung begrüßt, hat am Montagabend mit seiner Abstimmung (5:3-Stimmen) den Weg für eine öffentliche Diskussion freigemacht. „Eigentlich ging es in der Sitzung nur um eine Kenntnisnahme, da aber die Planungen vor gut zwei Jahren abgelehnt wurden, habe ich vorsorglich ein Votum des Rates eingeholt“, erklärt Kuhn. Grundsätzlich seien noch viele Fragen offen, aber der erste Schritt zum neuen Plangebieten sei getan. „Jetzt geht’s dann ins Detail“, so der Ortsvorsteher.


Diskussion im Technischen Ausschuss

Die Überplanung dieses Gebietes beschäftigt uns schon seit mehreren Jahrzehnten. Mit dem neuen Verfahren wollen wir nun mehr Objektivität und Transparenz reinbringen“, betonte OB Schlatterer. Heike Nagel stellte den neuen Entwurf vor. „Das sind zwei Plangebiete, die nun zusammen betrachtet werden. Der rechtsverbindliche Bebauungsplan Rathausweg - Bergstraße wird in Teilen überarbeitet“, so die Stadtplanerin. „Wir wollen die Diskussion nach der verfahrenen Vorgeschichte bewusst offen halten“, informierte Architekt Thomas Thiele zu den Planungen und zur städtebaulichen Entwicklung vor Ort. Analog zu den Diskussionen im Ortschaftsrat sprühten auch die Mitglieder des Technischen Ausschusses gestern nur so vor neuen  Ideen. Es gab eine Menge Anregungen. Und obwohl der neue Planungsentwurf nur zur Kenntnisnahme vorgelegt wurde, dauerte die Beratung knapp zwei Stunden. Der Neustart in den Planungen wurden von den Fraktionssprechern der SPD, der Grünen, der CDU, der Freien Wähler und der „Fraktion“ grundsätzlich begrüßt. „Auf dieser guten Grundlage können wir nun weiterarbeiten“, lautete der einhelliige Tenor.

Thomas Gaess