Das „Jawort“ bekräftigt

Das rebellische Dorf Waltershofen feierte „Goldene Hochzeit“ mit Freiburg

Freiburg-Waltershofen. Eine Szenerie, die es in den Asterix-Büchern wohl nie geben würde, ist, dass das kleine rebellische Dorf zu Rom und Cesar ja sagt und eine Verbindung eingeht. Das kleine rebellische Dorf Waltershofen mit seinem, bei der Festrede, „auf Krawall gebürsteten“ Majestix, eine Rolle in die sich Ortsvorsteherin Petra Zimmermann begeben hatte, bekräftigte das vor 50 Jahren gegebene „Ja“. Waltershofens Ortsvorsteherin Petra Zimmermann hatte sich und für alle Waltershofener die Frage gestellt, ob der Bund mit Freiburg vor 50 Jahren wohl der Richtige war, es nicht vielleicht besser gewesen wäre, sich mit Umkirch oder Gottenheim zusammen zu tun? Dabei legte Ortsvorsteherin die Karten offen auf den Tisch, wo den Bürgern in Waltershofen der Schuh drückt. Etwas erstaunt nahm es Oberbürgermeister Martin Horn aber sportlich, dass, obwohl es der „explizite Wunsch“ gewesen sei, nicht über „Fachthemen, einzelne Projekte und Verzögerungen sowie Begründungen zu sprechen“, die kritischen Themen sehr wohl zur Sprache kamen.
Martin Horn war gekommen, um zu feiern, dass „sie zu uns, wir zu ihnen oder wir gemeinsam zusammengefunden“ haben. Der Oberbürgermeister erinnerte an die nicht einfache Annäherung, dass diese eben etwas länger gedauert habe, ab letztlich sei jenes Jahr vor 50 Jahren durch zwei Schaltsekunden das längste Jahr seit 440 Jahren gewesen. Waltershofen sei der kleinste der vier Tunibergorte der Stadt und der zweitkleinste Stadtteil. „Gerade wenn man klein ist, rückt man viel enger zusammen. Wenn man klein ist, schreibt man Zusammenhalt besonders groß“, würdigte Horn den Ortsteil mit seinen vielen Vereinen und seinen besonderen Eigeninitiativen deren Krönung der Farrenstall sei. Es sei früher nicht alles nur „Friede, Freude, Eierkuchen“ gewesen. Horn erinnerte an 1991, als Waltershofen sich erfolgreich gegen eine Mülldeponie gewehrt habe. Die Sanierung der Steinriedhalle und den Radweg nach Gottenheim, zu dem jüngst erst wieder Gespräche im Regierungspräsidium stattgefunden hätten, sprach Horn selbst an. Er lobte Waltershofen für seinen „kritisch-konstruktiven Geist“ und seine Eigenständigkeit.
Petra Zimmermann erinnerte an Horns Vorgänger, der Waltershofen einmal als das „kleine gallische Dorf“ bezeichnet hatte, wobei die Ortsvorsteherin klar machte, dass sie sehr gerne dazu stehe. „Es ist ein Synonym dafür, dass wir Bürger zusammenhalten, besonders wenn es gegen die Großen geht. Wir gehen auf die Barrikaden wenn wir uns nicht ernst genommen fühlen und mischen auf, wenn man uns vergisst. Wenn etwas nicht möglich ist, dann machen wir es gerade selber“, so Zimmermann und nahm dabei nicht das kleinste Blatt vor den Mund. Petra Zimmermann dankte allen in Waltershofen für ihr Engagement, dass das Fest stattfinden könne und sowohl dem „Einsatz zum Wohle unseres Ortes, der Bürgerschaft und zum Wohle von Freiburg“. Eugen Keidel habe große Überzeugungsarbeit leisten müssen und mit der Kanalisation, der Steinriedhalle, der Einsegnungshalle und dem Feuerwehrhaus habe Waltershofen einiges erhalten. Der Ort habe aber auch einiges mitgebracht, den Wald, die landwirtschaftlichen Flächen und die Reben. Freiburg mache jetzt damit Werbung als Stadt des Waldes und den Weines am Tuniberg. Die Ortsvorsteherin bilanzierte, dass die acht zuletzt eingemeindeten Ortschaften 47 Prozent der Fläche Freiburgs ausmachen würden. Waltershofen sei in den vergangenen 50 Jahren gewachsen, von 1.140 Einwohnern auf 2.180. 
Opfingen, Tiengen und Munzingen habe seine Einwohnerzahl gar fast verdreifacht. Über 13.000 Einwohner hätten diese vier Ortsteile jetzt, bei der Eingemeindung seien es 4370 gewesen. „Ich freue mich, wenn sich auf dem alten Kickplatz jetzt der Markt ansiedelt, die Baukräne sehen bereits.“ Man benötige die Bevölkerung, damit die Infrastruktur sich erhalte. Das angestrebte Baugebiet sei seit 40 Jahren „in der Pipeline“. Freiburg brauche bezahlbaren Wohnraum und Waltershofen können dort Platz für 400 Menschen schaffen, fast ein Viertel der Ortsbevölkerung. Die Eingliederung könne man mit der Vereinsstruktur stemmen, „ganz ohne Quartiersozialarbeiter“. 
Wann habe sie schon einmal die Möglichkeit, sich vor Verwaltung, Gemeinderat und vor den Augen der Waltershofener gleichzeitig zu äußern. Immerhin waren der Finanzbürgermeister Stefan Breiter, mehrere Gemeinderäte und weitere Vertreter der Stadt sowie auch ehemalige Bürgermeister zur Feier gekommen. „Wir brauchen die weiterführende Schule am Tuniberg.“ Zimmermann kritisierte die Zeitpläne, die nie eingehalten würden und andere nicht eingehaltene Versprechen. Der Erlös des Verkaufs des alten Kickplatzes sei nicht in den Ort geflossen. Mit dem Geld hätte die Steinriedhalle, deren undichte Stelle auf dem Dach „seit zehn Jahren mit einem Fetzen“ geflickt sei, saniert und eine neue Radsporthalle gebaut worden sein. Wie erkläre sie ihrem „rebellischen Volk“ die Sachlage zum Radweg nach Gottenheim?
Auf Krawall gebürstet„Ich vermisse die Ernsthaftigkeit der Stadt uns bei diesem Vorhaben zu unterstützen.“ Als Majestix des Dorfes sei sie heute auf „Krawall gebürstet“. Dennoch sei sie der Überzeugung, dass die damalige Entscheidung die richtige gewesen sei, sich mit Freiburg einzulassen. Wie es in jeder Ehe sei, gebe es gute und schlechte Zeiten. Man dürfe aber hartnäckig sein „Wichtig ist aber, man muss gemeinsam unterwegs sein, manchmal auch Kompromisse eingehen.“ Man müsse miteinander reden und zuhören. Dafür bot das Fest dann bis zum Abend mehreren Hundert Festgästen ausreichend Raum. Daniel Hengst