Spannender Pokalfight der Frauen

SC Freiburg steht nach 1:0-Erfolg über Meppen im Viertelfinale / Frauenfußball als Alternative zur umstrittenen WM im TV

Freiburg. In Nürnberg haben die Fans den Aufruf einiger Aktivisten, statt die WM im TV zu verfolgen, das DFB-Pokalspiel der Fußball-Frauen zu besuchen, besonders ernst genommen; über 17.000 sahen das 0:6 der Club-Frauen gegen den VfL Wolfsburg. In Freiburg kamen zwar nur knapp 2.000 Zuschauer ins Dreisamstadion, hatten aber mehr Freude als die Nürnberger Fans: Der SC setzte sich gegen den Bundesligakonkurrenten SV Meppen mit 1:0 durch und erreichte das Viertelfinale.

Als der Autor dieser Zeilen vor einem Vierteljahrhundert in einem Benefizspiel gegen die Frauen-Bundesligamannschaft des SC antrat, gewannen die Jungs, ein Team von Radiomachern, mit 5:1. Heute würde so eine Truppe von den Erstligafußballerinnen ganz sicher noch viel schlimmer verprügelt als Fernsehikone  Stefan Raab vor sieben Jahren bei seinem legendären Boxkampf gegen Regina Halmich. Frauen haben sich in den sogenannten klassischen Männersportarten längst emanzipiert. Athletisch top, fußballerisch anspruchsvoll, so präsentierten sich auch die Pokalkontrahentinnen am Sonntag in Freiburg, wobei der SC das klar überlegene Team stellte. Dreh- und Angelpunkt des Freiburger Spiels ist die 23-jährige (Sport-)Polizistin Janina Minge, Trägerin der Fritz-Walter-Medaille des DFB. Die Schützin  des einzigen Tores (8. Minute) war auf dem Spielfeld überall zu finden. Ebenfalls eindrucksvoll: Meret Felde (23) war auf der Sechserposition vor der Abwehr unverzichtbar. Auch Flügelflitzerin Chiara Bouziane (25), Ehefrau des früheren Freiburger Fußballschülers Mounir Bouziane (FC Homburg), bestach mit Schnelligkeit, Dynamik und technischer Raffinesse.  
„Hallo Haupttribüne“ – „hallo Nordtribüne“ hallte es in der 30. Minute von den Rängen, gefolgt vom Wechselgesang „SCF“ – „SCF“. Die Zuschauer feierten die tolle Mannschaft und sich selbst – die Stimmung war großartig. 
Auch bei den Frauen ist der SC Freiburg Ausbildungsverein. Das Team  ist jung, talentiert und vielversprechend. Noch fehlt ihm wohl  ein wenig von der Qualität des Freiburger Teams, das 2019 in Köln das Pokalfinale denkbar knapp mit 0:1 gegen den von VW-Geld  mit internationalen Stars gespickten VfL Wolfsburg verlor. An der Passgenauigkeit und in der Konsequenz vor dem gegnerischen Tor muss Cheftrainerin Theresa Merk (33) noch mit ihren Schützlingen, die im Viertelfinale beim Zweitligisten FC Carl-Zeiss Jena antreten  werden, arbeiten. Aber sonst …
 Wer am späten Nachmittag, beim Zappen, vielleicht  doch beim WM-Auftakt Katar gegen Ecuador (0:2) hängengeblieben ist, konnte feststellen: Das Frauen-Spiel im Dreisamstadion war besser … Wer es nicht glaubt, kann sich selbst ein Bild davon machen: Am Samstag, 3. Dezember, um 16 Uhr kicken die SC-Frauen in der Bundesliga gegen den MSV Duisburg. Frank Rischmüller