„Einfach ein Wahnsinns-Gefühl!“

Matthias Müllers Weg vom Fußball zur Triathlon-WM

Am vergangenen Samstag startete Matthias Müller bei der Triathlon WM in Lausanne. In der Sprintdistanz (750, 20, 5) holte der Riegeler in seiner Altersgruppe einen tollen 28. Platz im breit aufgestellten Feld von 103 Startern. Mit einer Zeit von 1:07.37,2 trennten ihn nur 6.21,4 Minuten vom Erstplatzierten Neuseeländer Josh Hemara.

Die Leistung kann sich sehen lassen. Denn es war die erste WM für Matthias Müller, und bis vor ein paar Monaten hatte der 34-Jährige sich verletzungsbedingt auf eine eher ruhige Saison eingestellt. Er kämpfte monatelang mit einem Fersensporn - eine ziemlich schmerzhafte Angelegenheit beim Laufen. Dann fehlte seinen Kollegen vom TV Riegel ein Mann für die Mannschaftswertung in der Landesliga BW, und er erklärte sich spontan bereit, es doch mit Wettkämpfen zu versuchen. „Das Training lief erstaunlich gut“, erinnert sich Matthias Müller im KWB-Gespräch. „Als ich dann mitbekommen habe, dass am Starttag die Bewerbungsfrist für die WM endete, dachte ich mir: was soll’s, einen Versuch ist es wert.“ Und so warf er mit seinen Ergebnissen aus den vergangenen zwei Jahren seinen Hut in den Ring. Die Freude, dass es dann tatsächlich geklappt hat, war riesig. „Eine WM so nahe vor der Haustüre – wann hat man diese Chance schonmal?“

Dass Matthias Müller überhaupt den Triathlon-Sport betreibt, ist eigentlich nochmal eine Geschichte für sich. Ursprünglich lag sein sportlicher Fokus nämlich ganz beim runden Leder. Von klein an spielte er Fußball bei diversen Vereinen, zuletzt längere Zeit beim SV Mundingen in der Bezirksliga und als es beruflich stressiger wurde beim Riegeler SC. Hier passierte im Februar 2011 auch der Schicksalsschlag, der sein Leben ziemlich auf den Kopf stellen sollte. „Ein blöder Unfall“, erinnert sich Matthias Müller zurück. Men Gegenspieler und ich sind umgefallen. Er landete auf meinem Bein. Danach war so ziemlich alles ab, was man sich vorstellen kann.“ OP, Krücken, Reha und ein nicht gerade begeisterter neuer Arbeitgeber – keine leichte Zeit für den jungen Mann.

Wo andere resignieren, war für Matthias Müller klar: ohne Sport geht es nicht. Ein Ersatz muss her. Der Arzt riet ihm, von nun an Kontaktsportarten zu meiden und empfahl Schwimmen und Radfahren. „Na toll, hab‘ ich mir damals gedacht“, so Müller. „Technisch richtig Schwimmen kann ich nicht, und Radfahren mag ich nicht.“ In Riegel kennt man sich, deshalb waren Matthias Müller natürlich auch die Mitglieder des Tri-Team vom TV Riegel bekannt. Man kam ins Gespräch und die Geschichte nahm ihren Lauf. Er überwand sich, ließ sich zu Weihnachten seinen ersten Kraulkurs schenken, kaufte sein erstes Rennrad. „Am Anfang konnte ich noch nicht mit Klick-Pedalen fahren. Denn mit meiner eingeschränkten Beweglichkeit im Fuß ging die Drehbewegung zunächst nicht“, erinnert er sich. Auch das Laufen war am Anfang noch sehr schwierig, aber mit der Zeit besserte sich das ebenfalls. Die Liebe für den Triathlon war geweckt. Bereits im Juni 2012, keine anderthalb Jahre nach der schweren Verletzung, absolvierte er seinen ersten Rigolator Jedermann-Triathlon. Es folgte die Steigerung von der Sprint über die Olympische bis zur Mitteldistanz und schließlich die Königsdisziplin Langdistanz. Mit Vereinskamerad Chris Wehrle trat Matthias Müller 2018 in Hamburg beim Ironman an. „Chris hat es bekanntlich nach Hawaii geschafft – ich habe überlebt“, lacht er. Nun hat er es zur WM geschafft: „Ein Wahnsinns-Gefühl. Das kann man kaum beschreiben.“

In neun Wochen Vorbereitungszeit wurde im Training alles rausgeholt. Der Breisgau-Triathlon in Malterdingen war nochmal eine gute Vorbereitung. Und dann ging es nach Lausanne. „Die Nationenparade haben wir leider verpasst, aber das Wettkampfbriefing war beeindruckend“, berichtet er. Zusammen mit dem österreichischen Team wurde im Olympischen Museum in einer Art Kinosaal die Strecke durchgegangen. „Da realisiert man dann erstmal, wo man eigentlich ist.“ Am Wettkampftag hieß es früh raus, um pünktlich in der Startzone zu sein. Für die 103 Teilnehmer fiel um 11.15 Uhr das Signal für den Wasserstart. „Alle schwimmen gleichzeitig auf eine Boje zu und jeder will sich den besten Platz sichern – so viel zum Thema keine Kontaktsportart mehr“, lacht Matthias Müller. 

Nach 12.44,3 Minuten kam er aus dem Wasser. Dann hieß es, sich in der Wechselzone zurecht zu finden. Rund 2.000 Räder waren dort bereitgestellt. Die Radstrecke war brutal, bereits nach einem Kilometer kam der erste Anstieg mit 12% Steigung. Müller versuchte zu einer Gruppe vor ihm aufzuschließen, als dort plötzlich zwei Fahrer stürzten – zum Glück ist nichts passiert. „Es lief insgesamt auf dem Rad erstaunlich gut. Ich hatte am Ende mit 30.31,7 Minuten die 14.-schnellste Radzeit im Feld“, berichtet er stolz. Die Anstrengende Radstrecke forderte jedoch ihren Tribut, beim Laufen wurden die Beine schwer (Zeit 20.17,4). „Aber ich konnte meine Platzierung halten du bin mit dem Ergebnis super zufrieden“, resümiert er. Die mitgereisten Unterstützer waren jedenfalls mächtig stolz und nach dem Rennen wurde ausgiebig gefeiert.

Und was steht als nächstes an? „Erstmal Pause und danach noch Urlaub!“ Das müsse auch sein nach so einer Anstrengung. Und für nächstes Jahr steht dann ein ganz besonderer Wettkampf auf dem Plan: „Ich habe es tatsächlich geschafft, einen Platz bei der Challenge in Roth zu ergattern“, strahlt Matthias Müller. „Das ist für einen deutschen Triathleten so ziemlich das Höchste, was es gibt.“