Kampf gegen Arbeitslosigkeit

Festakt zum 20. Geburtstag der WABE im Gisela-Sick-Bildungshaus

Waldkirch (jb). 1999, in einer konjunkturell schwierigen Lage, nahm die Waldkircher Beschäftigungsinitiative WABE ihren Kampf insbesondere gegen die Jugendarbeitslosigkeit auf. Mit veränderten Voraussetzungen am Arbeitsmarkt wuchs auch die WABE zu einem Dienstleister der Menschen mit verschiedenen Einstellungshindernissen in Lohn und Brot bringen kann. Am vergangenen Freitag feierte die WABE den 20. Geburtstag mit zahlreichen Gästen im Gisela-Sick-Bildungshaus.

„Der Mensch, ob jung oder alt, seine Würde, seine Achtung und sein Selbstwertgefühl muss im Mittelpunkt unseres Handelns stehen“, postulierte der erste Vorstand des WABE-Vereins, Richard Leibinger, in seiner Begrüßungsansprache. Leibinger, in dessen Amtszeit als Waldkircher Oberbürgermeister die Vereinsgründung fiel, war als Gründungsmitglied von Anfang an dabei und bot den Zuhörern aus Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft einen Überblick über die wechselvolle Geschichte der Initiative. Habe anfangs die Jugendarbeitslosigkeit im Elztal noch im zweistelligen Prozentbereich gelegen, stünde die WABE in Zeiten der Vollbeschäftigung vor ganz neuen Herausforderungen. Integration von Migranten und die nach wie vor existierende Langzeitarbeitslosigkeit stünden nun verstärkt auf der Agenda.

In zwei Gesprächsrunden wurde mit Fachleuten die Themen Ausbildung und Langzeitarbeitslosigkeit behandelt. Vordringliches Ziel, da waren sich die Gesprächspartner einig, sei die Verhinderung eines Schul- oder Ausbildungsabbruches.

„Jugendlichen da abholen, wo sie stehen“

Bauunternehmer Christof Burger warb dafür, „die Jugendlichen da abzuholen, wo sie stehen“. Im Gegensatz zu der eher „akademischen Ausrichtung der Schulen“ gelte es, die Vielzahl an Berufen und Karrieren im Handwerk vorzustellen.

„Durch die WABE werden Ausbildungsplätze geschaffen, die es sonst nicht geben würde“, betonte Thorsten Ruprecht, Geschäftsführer der Waldkircher Stadtwerke, die auch am Ausbildungsverbund teilnehmen. Auch ehemalige und aktuelle Auszubildende kamen zu Wort. Ein Beispiel für die Möglichkeiten der Initiative zeigte die junge Frau, die als alleinerziehende Mutter hier eine Ausbildung in Teilzeit absolvieren konnte, die im freien Arbeitsmarkt gar nicht angeboten werde. „Ich hatte eine super Zeit“, beschrieb sie rückblickend ihre Ausbildung.

Auch in der Gesprächsrunde über Langzeitarbeitslosigkeit zeigte sich an Beispielen; so gehe ein mittlerweile ein junger Mann, der drogenabhängig und im Gefängnis war, bei der Wabe seit mittlerweile fünf Jahren einer geregelten Tätigkeit nach.

„Erfreulich hohe Motivation“

Heinz Disch, Geschäftsführer des Jobcenters Emmendingen beschrieb die aktuelle Lage am Arbeitsmarkt im Landkreis. Aktuell betrage die Zahl der Arbeitslosen, die seit mehr als drei Jahren auf Jobsuche sind, rund 470 Menschen. Insgesamt seien rund 3.700 Personen im ALG II-Bezug, von denen pro Jahr etwa 1.000 bis 1.200 in den Arbeitsmarkt integriert werden könnten. Bei den Migranten stellte Disch „eine erfreulich hohe Motivation“ fest. Bislang hätten rund ein Drittel in die Arbeitswelt integriert werden können.

Jutta Beckmann, Gründungsmitglied der WABE warb für ein Engagement der Bürger im Verein: „Jeder Einzelne ist dafür verantwortlich, dass das Zusammenleben gelingt“.

In seinem Grußwort stellte Oberbürgermeister Roman Götzmann fest, dass die WABE nicht nur etabliert und über die Grenzen des Kreises hinaus bekannt sei, sondern sich auch mit den Erfordernissen der Zeit weiterentwickelt habe. Soziales Engagement sei heute so wichtig wie damals. „Es gilt alle Talente, alle Begabungen auszuschöpfen“, erklärte Götzmann.

Auch Landrat Hanno Hurth lobte den Einsatz der WABE und der zweiten Beschäftigungsinitiative im Kreis „48 Grad Süd“. Ohne deren Arbeit läge die Arbeitslosenquote nicht bei nur drei Prozent. In der Zusammenarbeit mit dem Jobcenter liege auch der Grund, warum dieses in bundesweiten Rankings stets auf den vorderen Plätzen zu finden sei.

Zum Abschluss baten Vorstandsmitglied Armin Welteroth und Geschäftsführer Frank Dehring noch den Vorsitzenden Richard Leibinger und seinen Stellvertreter Dr. Herbert Jochum auf die Bühne. Beide wurden, nach 20-jährigem Engagement, zu Ehrenmitgliedern erklärt.