„Wir können jetzt mit den Top-Teams mithalten“

Der Köndringer Handballprofi Pascal Bührer von den „Eulen“ Ludwigshafen im Gespräch mit Thomas Gaess

Vor zweieinhalb Jahren hat Pascal Bührer den Sprung von der Dritten Liga in die Handball-Bundesliga gewagt. Mit Erfolg. Der jetzt 24-jährige Spielmacher wechselte von der SG Köndringen/Teningen zu den „Eulen“ Ludwigshafen und hat sich dort gut etabliert. Mittlerweile ist er eine feste Größe im Team von Trainer Ben Matschke geworden. WZO-Redakteur Thomas Gaess sprach mit dem Handballprofi aus Köndringen in der EM-Pause über seine sportlichen Ziele bei den „Eulen“, die aktuelle Situation seines Vereins in der Bundesliga und natürlich über die Handball-Europameisterschaft, die am 9. Januar beginnt.

WZO: Hallo Pascal, wie geht es Dir? Ich hoffe, Du bist gut ins neue Jahr gestartet? Wo hast Du gefeiert?

Bührer: Mir geht es gut. Ich war Zuhause in Köndringen bei meiner Familie und habe zuerst dort und danach noch mit Freunden gefeiert. Der Jahreswechsel war sehr entspannt und fröhlich und ich konnte es richtig genießen.        

WZO: In den letzten Spielen vor Weihnachten, beziehungsweise zwischen den Jahren, haben die „Eulen“ gut gepunktet und mit knappen Niederlagen gegen Melsungen (25:26) und Hannover-Burgdorf (24:26) sowie mit zwei Heimsiegen in Serie gegen Flensburg-Handewitt (25:23) und Göppingen (24:23) ein Ausrufezeichen gesetzt und damit den Abstand auf einen Nichtabstiegsplatz auf zwei Punkte verringert. Wie siehst du die momentane Situation?

Bührer: Im Moment sind wir so konkurrenzfähig wie noch nie. Wir haben eine richtig gute Abwehr und mit unserem neuen, sehr erfahrenen Torwart Gorazd Skof einen starken Rückhalt. Unser Team ist in der Breite noch besser aufgestellt und wir sind für unsere Gegner nicht mehr so ausrechenbar. Der Zusammenhalt ist vorbildlich und jeder bringt sich auf dem Spielfeld für die anderen ein. Bestes Beispiel: In der Halbzeitbesprechung sitzt die ganze Mannschaft geschlossen in der Kabine.

WZO: Auffallend ist, dass die „Eulen“ in ihrer dritten Bundesliga-Saison auch gegen Top-Vereine wie Kiel, Rhein-Neckar-Löwen oder Hannover-Burdorf nur mit beziehungsweise zwei Toren Unterschied verloren haben. Lediglich gegen die „Füchse“ Berlin gab’s eine deftige Niederlage (19:29). Kann die Mannschaft jetzt auch mit den „großen Teams“ mithalten? Woran machst du den Erfolg Deines Teams fest?

Bührer: Wir kommen hauptsächlich über die Abwehr und unsere schnellen Tempogegenstöße. Was die Gegentore anbelangt, sind wir in der Liga ganz vorne mit dabei. Für mich ist es deshalb kein Zufall, dass wir mit den Top-Teams mithalten können. Wir hatten viele enge Spiele, die erst in den letzten fünf Minuten entschieden wurden und die wir teils nur durch überhastete Aktionen dann noch verloren haben. Unser Auftreten ist viel selbstbewusster geworden und wir haben mit unserem Team einen Riesenschritt nach vorne gemacht. In den entscheidenden Spielmomenten fehlt uns halt manchmal noch die nötige Routine und Erfahrung, was nachvollziehbar ist, schließlich sind wir mit einem Altersdurchschnitt von rund 23,5 Jahren nach wie vor das jüngste Team der Handball-Bundesliga.            

WZO: Wie siehst Du deine eigene sportliche Entwicklung bei den „Eulen“? Wächst Du allmählich in die Rolle des Spielmachers hinein und bekommst mehr Verantwortung?

Bührer: Ich merke deutlich, wie ich mich von Spielzeit zu Spielzeit ständig weiterentwickle und besser und routinierter werde. Mittlerweile liegt der Fokus bei mir weniger auf dem Handball, sondern mehr auf anderen Aspekten, die für das Spiel ebenso wichtig sind: Die Kommunikation mit meinen Mitspielern, die Ruhe im Spiel und mehr Verantwortung zu übernehmen. Auch diese Dinge bringen mich auf meiner Position als Spielmacher entscheidend weiter. Ich spüre ebenso deutlich, wie mir Trainer und Mitspieler ihr Vertrauen entgegenbringen, ich bekomme mehr Einsatzzeiten und habe in den letzten beiden Spielen fast komplett durchgespielt. Mit Dominik Mappes vom HC Erlangen und Max Neuhaus vom SC Magdeburg sind in dieser Saison zwei junge, hoch talentierte „Mittelmänner“ zu uns dazugestoßen. Wir ergänzen uns sehr gut und sind zusammen ein schlagkräftiges Spielmacher-Team.

WZO: Was sind Deine konkreten Ziele für diese Saison?

Bührer: Das erste große Ziel für mich heißt natürlich Klassenerhalt. Obwohl wir derzeit auf dem vorletzten Tabellenplatz stehen, sind wir mit nur zwei Punkten „zum rettenden Ufer“ noch gut mit dabei und können, wenn wir uns weiterhin so reinhängen, das Saisonziel aus eigener Kraft erreichen.  Ich persönlich möchte an meine guten Leistungen in den Spielen gegen Flensburg-Handewitt und Göppingen anknüpfen und damit das in mich gesetzte Vertrauen künftig bestätigen.  

WZO: Nun zur Handball-Europameisterschaft 2020, die im Januar in drei Gastgeberländern veranstaltet wird. Erstmals nehmen auch 24 Teams daran teil. Wie siehst Du die Neuerungen und den neuen Turniermodus?

Bührer: Für die Nationalspieler ist das natürlich ein großes Highlight, wenn auch manche davon schon in der Hinrunde viele Bundesliga- und Champions-League-Spiele „in den Knochen“ haben und jetzt noch so ein langes Turnier ansteht. Das zehrt an den Kräften und die Mehrfachbelastung ist nicht zu unterschätzen. Nichtsdestotrotz ist so eine große Europameisterschaft auch eine gute Werbung für den Handallsport.

WZO: Dem DHB-Team von Christian Prokop wurden in der Vorrunde Spanien, Lettland und Niederlande zugelost. Eine machbare Gruppe, oder?

Bührer: Ich denke schon. Der einzige schwere Brocken sind die Spanier, aber Prokop hat eine gute Truppe beisammen, die durchaus konkurrenzfähig ist.

WZO: Vor dem EM-Turnier gibt’s ähnlich wie vor vier Jahren zahlreiche Ausfälle, insbesondere im Rückraum, zu beklagen? Stufst Du das deutsche Team trotzdem als Mitfavorit ein?

Bührer: Auf jeden Fall. Das ist eine individuell starke Mannschaft, die sehr geschlossen auftritt, was man in den Testspielen gegen Island und Österreich bereits deutlich gesehen hat, auch wenn einige Neulinge mit an Bord sind. 

WZO: Apropos Neulinge. Gibt es aus Deiner Sicht irgendwelche überraschende Nominierungen? Wo schaust Du die EM-Spiele an?

Bührer: Mit der Nominierung von Torwart Jogi Bitter hat natürlich keiner gerechnet. Doch der 37-jährige Weltmeister vom TVB Stuttgart hat in der Hinrunde sehr gute Leistungen gebracht und der Bundestrainer hat das zurecht honoriert. Ganz besonders freut es mich, dass sein TVB-Teamkollege David Schmidt, der noch vor zwei Jahren bei den „Eulen“ gespielt hat, berücksichtigt wurde. Auch Linksaußen Patrick Zieker vom TVB gehört für mich zu den vielversprechenden Newcomern. Die EM-Spiele schaue ich mir in Ludwigshafen an, zusammen mit „meinen Jungs“ nach dem Training, das am 10. Januar wiederbeginnt.

WZO: Zu guter Letzt noch ein kleiner Abstecher zu Deinem Heimatverein. Wie intensiv verfolgst Du das Geschehen bei der SG Köndringen/Teningen in der Oberliga Baden-Württemberg. Warst Du wieder mal in der Ludwig-Jahn-Halle bei einem Heimspiel?

Bührer: Was die SG anbelangt, werde ich natürlich in erster Linie über meinen Bruder Maurice informiert, der im Oberliga-Team spielt. Und wenn ich die Gelegenheit habe bei einem Spiel dabei zu sein, dann nutzte ich sie auch. So habe ich beispielsweise die Auswärtsspiele in Pforzheim und in Baden-Baden besucht, die letztendlich auch zu einem Familientreffen wurden. 

WZO: Wie siehst Du die augenblickliche Situation der SG nach der Freistellung des langjährigen Trainers Ole Andersen?

Bührer: Die SG befindet sich derzeit in einem großen Umbruch. Ole Andersen hat das Team in den letzten neun Jahren geprägt und ein Trainerwechsel in so einer Phase ist immer schwierig. Ich hoffe, dass bei der Mannschaft bald wieder ein Licht angeht. Derzeit spielt das Team noch etwas verkrampft, so war jedenfalls mein Eindruck bei den Spielen in Pforzheim und Baden-Baden. Ich glaube aber, dass sich dies in der Rückrunde ändern wird und die Jungs wieder Vollgas geben.