Freitagmittag in einem Hof in der Grundackerstraße. Die Garage ist geöffnet. Der zweieinhalb auf fünf Quadratmeter große Raum gleich einem kleinen Lädchen. Neben einer Theke stehen Holzregale. Darin erblickt man Bücher, Spielsachen, Kleider, Haushaltswaren und sogar Lebensmittel.
Seit dem 7. Januar gibt es in Kollmarsreute den „Umsonstladen“. Untergebracht ist das Geschäft in einer Garage in der Grundackerstraße 3a. Geöffnet hat es immer dienstag- und freitagnachmittags jeweils von 14 bis 17 Uhr. Geld ist hier ein Fremdwort, es gibt 100 Prozent auf alles. Getreu dem Motto „Wer hat, gibt und wer braucht, nimmt“ können in diesen Zeiten die Waren einfach mitgenommen oder gebracht werden. Voraussetzung ist, dass die Sachen sauber und gebrauchsfähig sind. Ausgenommen von der Annahme sind große Gegenstände wie beispielsweise Möbel.
Gegründet wurde der „Umsonstladen“ von Jörg Zimmermann. Der 34-jährige Kollmarsreuter ist gelernter Schreiner. Nach seiner Ausbildung und dem Zivildienst war er viel auf Reisen. Weil er zu dieser Zeit nur von wenig Geld lebte, entdeckte er in den großen Städten die Kost nix-Geschäfte. Dort fand er für sein Unterwegssein immer wieder nützliche Dinge. „Ich war froh, dass es diese Läden gab“, blickt der junge Mann zurück. In der Gesellschaft werde „so viel weggeschmissen, was noch gut ist“. „Was für den einen Müll ist, kann für den anderen ein gefundener Schatz sein“, findet er.
Mittlerweile hat Zimmermann sein Hobby zum Beruf gemacht. Er arbeitet für einen Verein, der Reisen für Menschen mit Behinderungen organisiert. Vor zwei Jahren kehrte er zudem nach Kollmarsreute in das Haus seiner Familie zurück, bezog dort eine Wohnung, gründete eine 3er-WG und eröffnete in der Garage darunter einen eigenen Umsonstladen. Die Regale und die Theke hat er kostenlos über Ebay-Kleinanzeigen bekommen.
Anfangs war das Sortiment noch überschaubar. Im Laufe der letzten Wochen haben sich die Regale jedoch zunehmend gefüllt. Die Garage hat nun richtige Abteilungen mit Büchern, Bastelsachen, Spielzeug, Kleidung für Kinder, Kleidung für Erwachsene, Schmuck oder auch Haushaltsware. Weil der Platz knapp wird, ragt eine lange Garderobe mit Jacken und Mänteln in den Hof. Ganz hinten im Raum befinden sich außerdem ein Kühlschrank für Lebensmittel wie Fleisch, Obst und Gemüse. Der Umsonstladen ist Teil des Netzwerks „Foodsharing“.
„Derzeit ist es so, dass in den drei Stunden immer so etwa 20 Personen kommen – der Kundenkreis reicht von Bedürftigen bis hin zu Anzugsträgern, von Kindern aus dem Ort bis hin zu Senioren aus der benachbarten Einrichtung“, erzählt Zimmermann. Oft werde er von den Kunden gefragt, wo man denn bezahlen kann oder welchen Preis die Artikel hätten. Dies sei ein normaler Reflex. Er verneine dann und erkläre den Gästen das Konzept. So entstünden interessante Gespräche. „Angenommen werden jedoch Spenden“, zeigt der Schreiner auf die kleine Box an der Theke und verweist auf „Unkosten für Strom und Werbung“.
Gewinn wirft der Umsonstladen nicht ab. Bleibt die Frage, warum man überhaupt ein solches Projekt betreibt? Zimmermann sagt zum einen, dass er bedürftigen Menschen helfen wolle. Zum anderen gehe es ihm darum, ein politisches Statement gegen die Wegwerfgesellschaft und für mehr Nachhaltigkeit zu setzen. Er wolle sich mit Menschen darüber austauschen. Der Laden biete die Möglichkeit dazu. Den Standort in Kollmarsreute finde er sehr gut. „In Freiburg gibt es so etwas schon und ich finde, dass es besser ist, Alternativen dort zu machen, wo es sie nicht gibt“, meint er.
Geöffnet hat der Umsonst-Laden zweimal in der Woche. Meist ist Jörg Zimmermann dann als Ansprechpartner vor Ort. Manchmal wird er jedoch von seinen beiden Mitbewohnern unterstützt oder vertreten. In den wärmeren Jahreszeiten wird er berufsbedingt wieder mehr unterwegs sein. „Ich suche daher noch Freiwillige, die Lust haben mitzumachen“, sagt er. Melden könne man sich einfach vor Ort, wenn der Laden geöffnet hat oder unter www.uladen.blackblogs.org. Dort gibt es viele weitere interessante Infos zum Umsonstladen.





