Schwierig, aber unumgänglich

Mit „Social Distancing“ dem Lauffeuer Corona entgegentreten

Beim aktuellen Tempo der Entwicklungen in Sachen Corona ist es nicht einfach, auf dem neusten Stand zu bleiben. In den vergangenen Tagen überschlagen sich die Ereignisse. Immer mehr Auflagen werden erlassen. Zuletzt verkündete die Landesregierung am Montagabend einschneidende Maßnahmen.

Was beinhalten die Maßnahmen genau? Die erlassene Rechtsverordnung zum Infektionsschutz regelt neben der bereits am Freitagmittag beschlossenen Schließung von Kinderbetreuungseinrichtungen, Schulen und Hochschulen (mit Ausnahme der Notfallbetreuung) das Betriebsverbot einer großen Anzahl an Betrieben. Vorerst geschlossen bleiben unter anderem Kultureinrichtungen jeglicher Art (Museen, Theater, etc.), Bildungseinrichtungen (u.a. VHS, Musikschulen, Jugendhäuser), Kinos, Schwimm- und Hallenbäder, Saunen, Fitnessstudios und sonstige Sportstätten in geschlossenen Räumen, öffentliche Bibliotheken und Vergnügungsstätten.

Alle Besuche in Krankenhäusern, Reha-Einrichtungen, Dialyse-Einrichtungen und Tageskliniken sind ab sofort bis auf Weiteres verboten. Ausnahmen sind nur bei erkrankten Kindern, in Teilen der Psychiatrie und zur Sterbebegleitung unter Auflagen erlaubt. In Alten- und Pflegeheimen sowie stationären Einrichtungen für Menschen mit Behinderung sind Besuche nur mit Erlaubnis der Einrichtungsleitung und unter Schutzvorkehrungen möglich. Personen mit Anzeichen von Atemwegserkrankungen sowie Kontaktpersonen von Corona-Erkrankten ist der Zutritt zu all diesen Einrichtungen komplett untersagt.

Der Betrieb von Gaststätten wird grundsätzlich untersagt. Es gibt Ausnahmen zu diesem Verbot, dafür müssen die Gaststätten unter anderem die Plätze für die Gäste so anordnen, dass ein Abstand von mindestens 1,5 Metern zwischen den Tischen besteht. Auch bei Stehplätzen muss der Abstand von mindestens 1,5 Metern zwischen den Gästen gewährleistet ist. Zudem müssen die Betreiber in geeigneter Weise sicherstellen, dass im Falle von Infektionen für einen Zeitraum von jeweils einem Monat mögliche Kontaktpersonen nachverfolgbar bleiben – ob sich das in der Praxis überhaupt umsetzen lässt bzw. ob sich einzelne Gastwirte das zutrauen, bleibt abzuwarten.

Veranstaltungen in geschlossenen Räumen und unter freiem Himmel mit mehr als 100 Teilnehmern sind laut der Verordnung ebenfalls verboten. Hier sind die Städte und Gemeinden in der Region aber einen Schritt voraus, vielerorts wurden Veranstaltungen mit mehr als 50 Teilnehmern schon vor dem vergangenen Wochenende untersagt. Grundsätzlich sollte man sich aktuell bei allen Veranstaltungen Gedanken machen, ob sie unbedingt notwendig sind, und diese im Zweifelsfall besser absagen – auch Familienfeiern.

Social Distancing

„Social Distancing” – ein Wort, das uns in den vergangenen Tagen immer wieder begegnet. Es handelt sich um eine Strategie, um die Verbreitung einer Infektionskrankheit zu verhindern oder zu verlangsamen. Im Rahmen der aktuellen Corona-Pandemie wird „Social Distancing” zu neuen Norm. Es schließt alle Möglichkeiten ein, Menschen körperlich voneinander fern zu halten – denn durch Nähe wandern die Erreger von einem Menschen zum nächsten. Man kann sich das wie die Ausbreitung eines Feuers vorstellen. Die Flammen greifen, wenn sie nicht gehindert werden, auf umliegende Gegenstände über. Bringt man die Gegenstände auf Distanz, so brennt das Feuer aus.  Maßnahmen reichen von Quarantäne infizierter Personen oder solchen, die es möglicherweise sein könnten, bis dahin, Menschen generell voneinander fern zu halten – also genau das, was in den vergangenen Wochen immer wieder von Experten gepredigt wird und nun in den Maßnahmen der Landesregierung verordnet wurde.

Warum das Ganze? Besonders im Fall der aktuellen Pandemie ist „Social Distancing“ wichtig, denn aktuell gibt es noch keinen Impfstoff gegen das SARS-CoV2-Virus. Verläuft die Ausbreitung also unkontrolliert, so steigt unter Umständen die Zahl der Infizierten exponentiell an, was schnell die Kapazitäten unseres Gesundheitssystems sprengen könnte. Einzelne Patienten könnten so im schlimmsten Fall nicht angemessen behandelt werden. Dementsprechend verlaufen mehr Fälle tödlich.

Nicht vergessen sollte man überdies, dass zu jeder Zeit ja nicht nur schwerere Corona-Fälle intensivmedizinische Betreuung benötigen könnten. Auch Menschen mit anderen Problemen vom Herzinfarkt, über andere Infektionserkrankungen bis zu Verletzungen durch zum Beispiel einen Autounfall, könnten ein Intensivbett im Krankenhaus brauchen - das bei einem exponentiellen Anstieg der Corona-Erkrankten bereits belegt sein könnte. Das aktuelle große Ziel ist also, die Verbreitung zu verlangsamen.

Wichtiger Einschnitt

„Social Distancing” braucht ein generelles Umdenken und die Abkehr von Alltagsgewohnheiten. Das mag für einige eine große Herausforderung darstellen, denn bei vielen alltäglichen Dingen trifft man auf viele Menschen. Man muss also in den kommenden Wochen bewusster durch den Tag gehen. In Zeiten geschlossener Schulen und Kitas ist es zudem wichtig, den Kindern die Notwendigkeit zu vermitteln, von ihren Freunden fern bleiben zu müssen. Zudem sollten in der schulfreien Zeit die Eltern die privaten Kontakte der Kinder verantwortungsvoll gestalten. Auch Menschenansammlungen im Freien wie zum Beispiel der Besuch voller Spielplätze sind zu meiden. Bei anderen Aktivitäten im Freien wie z. B. Spazierengehen oder Joggen sollte man ausreichenden Abstand zu Mitmenschen einhalten. Auf größere private Feste und Familienfeiern sollte man verzichten und dabei immer an die besonders gefährdeten Angehörigen denken. Generell sollte man engen Kontakt mit anderen Menschen meiden (kein Händeschütteln, keine Umarmungen) und halten einen Sicherheitsabstand von ein bis zwei Metern einhalten. 

So schwer die Einschnitte in das normale Leben jedoch sind, die modernen Medien erleichtern es, den Kontakt zu Verwandten und Freunden trotzdem eng zu halten, nur eben auf andere Art und Weise: über Videotelefonie, gemeinsame Online-Spiele, social Media und mehr.

Wenn jeder das „Social Distancing” bei sich gut umsetzt, so kann es effektiv die Ausbreitung des Virus zum Schutz der Allgemeinheit verlangsamen. Denn denken Sie immer daran: Wir sind alle in dieser Situation – nur eben nicht so eng zusammen …