Im Ernstfall trotzdem gut versorgt

Gemeinden, DRK-Ortsvereine und Privatinitiativen bieten am Kaiserstuhl Einkaufsservice für Quarantäne-Betroffene an

Verordnete Quarantäne oder häusliche Absonderung – eine Situation, in der sich im Landkreis momentan viele Personen wiederfinden. Die Meisten haben für die ersten Tage genügend Lebensmittel und andere notwendige Dinge zuhause. Doch was, wenn doch etwas ausgeht und man keine Verwandten oder Bekannten in der Nähe hat, die für einen einkaufen gehen können?

Übers Wochenende hat das Deutsche Rote Kreuz seine Ortsvereine aufgerufen, in Zusammenarbeit mit den Gemeinden dafür Lösungsansätze abzustimmen. Viele Ortsvereine sind dem Aufruf gefolgt. Entsprechende Angebote wurden in vielen Gemeinden eingerichtet. Dort besorgen ehrenamtliche Mitarbeiter ein bis zwei Mal pro Woche Lebensmittel und Artikel des täglichen Bedarfs aus und liefern sie vor der Haus- oder Wohnungstür ab. Dabei warten sie selbstverständlich – in angemessenem Abstand – bis die Einkäufe von der jeweiligen Person aufgenommen werden. Die Kosten werden zunächst vom DRK ausgelegt und können dann dem DRK-Ortsverein überwiesen werden. Die entsprechenden Bankdaten werden den Einkäufen zusammen mit dem Kassenbon beigelegt.

DRK-Initiativen

Der Ortsverein des DRK Bahlingen bietet in Zusammenarbeit mit der Gemeindeverwaltung einen solchen Einkaufsservice an. Bestellungen können unter Telefon 07663 / 9331-19 oder per E-Mail an einkaufsservice@bahlingen.de übermittelt werden.

Der DRK-Ortsverein Endingen/Forchheim arbeitet aktuell noch an der Einrichtung des Einkaufsservice. Wir berichten nach, sobald der Dienst eingerichtet ist. In Kiechlinsbergen hat der DRK-Ortsverein bereits eine Kontaktadresse eingerichtet. Hilfsbedürftige können sich unter Telefon 07642 / 6092 oder per E-Mail an die5nothen@aol.com melden.

In Eichstetten engagiert sich der Einkaufservice des DRK-Ortsvereins in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Eichstetten nicht nur für die oben genannten Gruppen, sondern auch für Menschen mit erhöhtem Risiko, wie ältere Personen und Menschen mit Vorerkrankungen (zum Beispiel Lungenerkrankungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetiker), sowie Personen, die keine familiäre oder sonstige Unterstützung haben. Infos gibt es im Gemeindebüro unter Telefon 07663 / 9323-0.

In der Gemeinde Sasbach sind alle drei Ortsvereine an der Aktion beteiligt. In Sasbach kann Bedarf unter Telefon 07642 / 9269-12 oder 0171 / 9907044 sowie per WhatsApp unter 0171 / 3015033 angemeldet werden. Bürger aus Jechtingen wird unter Telefon 0160 / 96874932 weitergeholfen. Betroffene aus Leiselheim können sich bei Liane Müller, Telefon 07642 / 6036 bzw. per E-Mail an ov-leiselheim@t-online.de melden.

Die Stadt Vogtsburg erarbeitet derzeit ein Konzept in Zusammenarbeit mit dem DRK. Die Planungen waren zum Redaktionsschluss noch nicht abgeschlossen. Wir informieren nach, wenn sich dies ändert.

In Wyhl bietet der DRK-Ortsverein zusammen mit der Gemeindeverwaltung Wyhl den Einkaufsservice an. Bei Bedarf kann man sich an die Gemeindeverwaltung, Claudia Maurer, Telefon 07642 / 6894-15 bzw. E-Mail c.maurer@wyhl.de melden.

Initiativen der Gemeinden

Andere Gemeinden sind unabhängig von den DRK-Ortsvereinen aktiv. In Bötzingen haben die ökumenische Nachbarschaftshilfe, der Sozialfonds und die Gemeinde eine gemeinsame Aktion zur Unterstützung älterer und kranker Menschen in der Gemeinde gestartet. Wer Hilfe braucht oder als ehrenamtlicher Helfer tätig sein möchte, kann sich über das Bürgertelefon unter 07663 / 931011 an die Gemeinde Bötzingen oder unter Telefon 07663 / 949484 an die Nachbarschaftshilfe. Auch einige Bötzinger Erzeuger/Betriebe zeigen sich solidarisch und bieten neben dem Direktverkauf einen Lieferservice an: Metzgerei Kanzinger, Obst- und Gemüsehof Weiß, Bioland-Betrieb Schambachhof, Obst- und Gemüsehof Meier, Rats-Apotheke und TM Autohaus Höfflin (Fahrzeug Hol- und Bringservice für alle Fahrzeugbesitzer der betroffenen Risikogruppen für fällige Inspektionen, Reparaturen oder Servicearbeiten). Weitere Angebote können an die Gemeinde nachgemeldet werden.

In Riegel werden die Bemühungen vom BEreit Büro koordiniert. Engagierte Einwohner bieten Einkaufshilfen und weitere Unterstützung für die Risikogruppen an. Wer Unterstützung benötigt, kann dies unter Telefon 07642 / 904430 oder per E-Mail an bereit@gemeinde-riegel.de signalisieren. Auch wer gerne seine Dienste anbieten möchte, kann sich hier melden. Alle Riegeler werden zudem aufgerufen, aufmerksam durchs Leben zu gehen. „Sollten Sie von besonders gefährdeten alleinstehenden Personen in der näheren Umgebung wissen, gehen Sie auf diese zu und bieten Ihre Unterstützung an, oder weisen auf das Angebot des BEreit Büros hin“, bittet Thomas Schäfer.

Private Initiativen

Auch private Zusammenschlüsse sprießen erfreulicherweise in den vergangenen Tagen aus dem Boden. Die Mannschaften des TuS Königschaffhausen sind aktiv geworden. „Wir möchten in dieser schwierigen Zeit etwas zurückgeben“, erklärt Steffen Müller. man habe deshalb einen Einkaufsdienst/Bringdienst für Lebensmittel und Medikamente für ältere Menschen und Menschen, die zu Risikogruppen zählen, ins Leben gerufen. Aufgrund der aktuellen Situation sollten bekanntlich ältere und kranke Menschen möglichst soziale Kontakte meiden. Die Einkaufsliste kann zuhause in Ruhe verfasst werden. Ist sie fertig, dann meldet man das entweder per E-Mail an tushilft@gmail.com (Namen und Telefonnummer vermerken) oder telefonisch unter 0163 / 7756458 an. Dienstags und donnerstags, jeweils ab 16 Uhr, werden die Einkaufszettel dann abgeholt nach dem Einkauf werden die Lebensmittel und Medikamente – natürlich unter Einhaltung der aktuellen Hygiene-Standards – bis an die Haustüre gebracht.

Auf Facebook hat Sandra Schilling die Corona-Nachbarschaftshilfe Endingen gegründet. Bei der Gründung in am vergangenen Freitag war das Angebot noch allgemein gefasst. „Da sich aber mittlerweile der DRK-Ortsverein engagiert, haben wir uns natürlich zusammengesetzt, um unsere Anstrengungen zu koordinieren“, erklärt sie. Über die Gruppe werden nun Freiwillige „gesammelt“. Einkaufs-Unterstützer leitet sie ans DRK weiter, mit den übrigen Freiwilligen werden ergänzende Dienste wie zum Beispiel Unterstützung bei der Kinderbetreuung oder Gassi-Geher für Hundebesitzer in Quarantäne organisiert. Außerdem bietet sie Vordrucke zum herunterladen an, mit denen jeder in der eigenen Nachbarschaft darauf aufmerksam machen kann, wenn er Hilfe anbieten möchte oder welche sucht.

Überregional ist auf Facebook die Gruppe Hilfe im Corona-Ernstfall aktiv. Sie wurde von Birte Könnecke aus Sölden, Amtstierärztin und in der SPD Breisgau-Hochschwarzwald aktiv. Nach Postleitzahlen sortiert können sich auf ihrer Plattform Hilfsbereite und Hilfesuchende selbstständig zusammenfinden. „Ich habe die Gruppe am vergangenen Donnerstagabend gegründet. Als ich morgens wieder danach geschaut habe, war ich sprachlos, wie viele Leute schon Hilfsbereitschaft signalisiert hatten“, berichtet sie. Mittlerweile sind es schon über 4.000 Mitglieder aus ganz Deutschland, Tendenz steigend. Eine solch große Gruppe müsse man doch stärker moderieren, schließlich gehe es um ehrenamtliche Hilfsangebote. „Ausufernde Diskussionen oder Spendenaufrufe sind hier fehl am Platz und werden gelöscht“, erklärt Könnecke. Sie findet es gut, dass sich aus der großen Gruppe mittlerweile einige regional selbstständig agierende Gruppen abgespalten haben. „Lokal sind die Leute halt doch anders vernetzt und ich freue mich, wenn wir hier etwas anregen konnten. Im Idealfall können sich online und offline optimal ergänzen“, ruft sie Menschen in anderen Orten auf, sich ebenfalls lokal zu vernetzen.

In Zeiten, in denen viel über Hamsterkäufe und den damit einher gehenden Egoismus diskutiert wird, tut es gut zu sehen, dass sich die Menschen mit Herz und Verstand füreinander engagieren – ein Trend, der hoffentlich auch nach Corona noch lange nachwirken wird …