Corona und die Folgen für ambulante Pflegedienste

WZO-Interview über die Situation der Kirchlichen Sozialstation Elz/Glotter in Denzlingen

Denzlingen (db). Wie sieht der schwierige Corona-Alltag bei der Denzlinger kirchlichen Sozialstation Elz/Glotter aus? Eine große Herausforderung für Mitarbeiterinnen, Patienten und Angehörige gleichermaßen. Darüber sprach WZO-Redakteur Detlef Berger mit Petra Conrad (Vorstand und Pflegedienstleitung der Kirchlichen Sozialstation Elz/Glotter e.V.).

WZO: COVID-19 stellt den Pflegebereich vor besondere Herausforderungen: Wie gestaltet sich der Alltag in diesen Tagen für die Pflegebedürftigen, ihre Angehörigen und Pflegekräfte? Wie kann ich z.B. den Kontakt zu Oma oder Opa aufrechterhalten?

Conrad: Der Alltag hat sich sicherlich verändert durch eine große Zurückhaltung und anfänglichen Verunsicherung bei den zu Pflegenden und Betreuenden. Die Angst vor einer möglichen Ansteckung war bei vielen zu spüren. Gerade die ältere Generation, die ihre Kontakte zu Ihren Familien einschränken musste, war kein leichtes für viele. Sind doch gerade die Menschen, die in ihren eigenen vier Wänden leben, auf die Unterstützung Ihrer Familienangehörigen, Freunden oder Nachbarn angewiesen. Hat die Tagespflege und die Betreuungsgruppe leider schließen müssen, Angebote, die für viele Angehörige eine Entlastung boten in ihrem pflegerischen Alltag. Verschnaufpausen, die dringend benötigt werden, gerade im Umgang mit dementiell erkrankten Angehörigen. Das bedeutet, dass zu den Angehörigen der Tagespflegegäste der Kontakt telefonisch aufrechterhalten wird, so dass sie dort Ihre Sorgen und Belastungen zumindest in einem gemeinsamen Gespräch gelindert werden. Manch eine Angehörige oder Angehöriger nimmt in dieser Zeit unser Angebot der Nachbarschaftshilfe, Mensch zu Mensch in Anspruch. So sind der Pflege und Betreuungsalltag zumindest stundenweise unterbrochen. Alle Betroffenen hoffen an dieser Stelle, dass der Beschluss, dass die Tagespflege wieder in Betrieb gehen kann, bald kommt. Konzepte was die Gruppengröße und das Einhalten der Hygieneregeln anbelangt sind bereits in Arbeit.

WZO: Wie hat sich der Arbeitsalltag für Ihre Mitarbeiterinnen der Sozialstation in Zeiten von Corona verändert?

Conrad: Die häusliche Betreuungssituation und Pflege haben sich in Krisenzeiten stark verändert. Vermehrte Schutzmaßnahmen gelten, wie Abstandsregelungen, das Tragen von einem Mund-Nasenschutz wurde in der Versorgung Pflicht, wie sonst schon üblich das regelmäßige Händewaschen und das desinfizieren der Hände. Das Tragen von Schutzmasken ist bis heute für ältere Menschen gewöhnungsbedürftig, gerade wenn gesundheitliche Einschränkungen bestehen oder derjenige im Alter schlechter hört. Auch für unsere Pflegekräfte ist das Tragen einer Schutzmaske eine neue Herausforderung, während ihrer pflegerischen Tätigkeit, gerade an warmen Tagen oder während der pflegerischen Versorgung wie z.B. beim Baden oder Duschen eines zu Pflegenden. Aber auch sonst hat sich der Alltag für unsere Pflegekräfte verändert, denn die Abstandsregeln und Hygienemaßnahmen gelten auch in unserem Hause für die einzelnen Pflegeteams.

Das wöchentliche Rückkehrgespräch mit den Teamleitungen entfällt, wie die Dienstbesprechungen. Die Aufenthalte im Haus für notwendige Übergaben an die Kollegen erfolgen in Kurzform, per Telefon oder schriftlich. Längere Besprechungen werden über Video Konferenzen abgehalten.

Aufwändig waren anfänglich der Pandemie das Beschaffen der notwendigen Schutzausrüstungen und ohne eine gemeinsame Zusammenarbeit den einzelnen Sozialstation untereinander und den Landratsämtern wäre die Beschaffung umso schwieriger geworden. Verfügen die Einrichtungen zwar über Schutzhandschuhe und Desinfektionsmittel, jedoch nicht über Masken in den benötigten Mengen. Bis Anfang April gab es so gut wie keine Schutzausrüstung irgendwo her zu bekommen und der Erlas, dass nun Schutzausrüstung zu tragen sei, wirkte auf uns zunächst unverantwortlich unsere Mitarbeiter ohne die nötige Schutzausrüstung zu unseren Patienten zu schicken. Diese Situation hat sich jedoch gebessert und wir können unsere Patienten weiter umfassend mit der vorhandenen Schutzausrüstung versorgen. Mit der Zeit wurden Stoffmasken von Mitarbeitenden, Freunden und Bekannten genäht und wir erhielten eine Maskenspende der Firma Schölly, so dass wir heute sagen können, dass wir gut ausgerüstet sind um unsere Patienten bei den Hausbesuchen zu schützen.

WZO: Alle Menschen im sozialen Bereich leisten in diesen Wochen außergewöhnliches. Sorgt die Krise aus Ihrer Sicht langfristig für eine Aufwertung dieses Berufsstandes? Was wünschen Sie sich von der Politik?

Conrad: Einen herzlichen Dank aussprechen möchten wir an dieser Stelle all unseren Mitarbeitenden, die all die Veränderungen, die der Berufliche Alltag mit dieser Pandemie mit sich gebracht hat, so geduldig und engagiert mitgetragen haben. Denn neben der normalen Grippewelle hat dieses neuartige Virus uns vor bisher unbekannte Herausforderungen gestellt, beruflich wie privat. Und hier haben die Mitarbeiter tolle Arbeit geleistet und haben ihr Bestes gegeben! Aus diesem Grunde hoffen wir allgemein, dass die Politik zukünftig den Stellenwert der Mitarbeiter nicht nur in der jetzigen Krise auch weiter anerkennt. Pflege am Menschen ist wichtig und Pflegende sollten sich nicht mit einer Bonuszahlung aufgrund einer Krise zufriedengeben. Hier ist generell zu überlegen, wie können Mitarbeiter sich langfristig für diesen Beruf entscheiden, auch mit der Überlegung einer angemesseneren Bezahlung.