Früher heulten Sirenen, heute piept die WarnApp

Bundesweiter Warntag: Im Katastrophenfall wird die Bevölkerung über unterschiedliche Kanäle mit Informationen versorgt

Wie kommen Menschen im Katastrophenfall an wichtige Informationen? Die Antwort darauf gibt der morgen bundesweit stattfindende Warntag. Um Punkt 11 Uhr wird alles ausgelöst, was am modularen Warn- und Kommunikationssystem (MoWaS) des Bundes hängt. Informiert wird über TV, Radio, Internet, App, Lautsprecher und Sirenen.

Auch der Landkreis Emmendingen sowie die 24 Städte und Gemeinden beteiligen sich an der Aktion. Sowohl über die Homepages als auch über Social Media-Kanäle der Behörden werden lokale Probewarnungen abgegeben. Über die Mittelungsblätter hat man schon im Vorfeld informiert. Auch die Medien tragen ihren Teil dazu bei. Die Gemeinde Freiamt lässt morgen um 11 Uhr außerdem ihre Sirenen heulen. „Der Warntag soll zur Belastungsprobe für das gesamte System werden“, sagt Christian Leiberich. Als Kreisbrandmeister ist er Leiter des Amtes für Katastrophenschutz.

Das Warnsystem des Bundes besteht aus drei Stufen. In diese werden jeweilige Ereignisse eingeordnet. Zur geringsten Stufe gehört beispielsweise eine Evakuierungsmaßnahme bei einem Bombenfund so wie vor sieben Jahren im Emmendinger Ramie-Areal. Eine mittlere Gefährdung liegt vor, wenn es bei einem Großbrand zu einer Rauchgasentwicklung kommt und in der Nachbarschaft die Türen und Fenster geschlossen halten werden sollen. Zur hohen Stufe zählen beispielsweise Umweltkatastrophen, kerntechnische Ereignisse, Hochwasser oder auch großflächige und langandauernde Stromausfälle wie im Münsterland an Weihnachten 2005.

Je nach Dringlichkeit werden dann automatisch unterschiedliche Kanäle bespielt. Sie reichen von den offiziellen Portalen des Bundes, des Landes, der Landkreise und der Kommunen bis hin zu digitalen WarnApps wie die des Bundes („NINA“). Letztere haben mittlerweile viele auf ihrem Handy. Die App läuft immer im Hintergrund und liefert wichtige Nachrichten. Zuletzt wurden auch die neuesten Corona-Verordnungen verschickt. Auch die freien Medien spielen im Warnsystem eine bedeutende Rolle. „Wir brauchen sie für den Weckeffekt“, so Leiberich. Je nach Dringlichkeit könne man TV- und Radiosendungen unterbrechen lassen.

Äußerstes Mittel sind die Lautsprecheranlagen auf den Feuerwehrfahrzeugen. Durch sie ist es möglich, die Menschen unmittelbar in ihren Häusern zu erreichen. „Auch spielen die Lautsprecher bei einem Stromausfall eine wichtige Rolle“, so der Leiter des Amts für Katastrophenschutz. Aktuell lösen sie die im Zweiten Weltkrieg eingeführten und bis zum Ende des Kalten Krieges gültigen klassischen Sirenen ab. Nur noch in acht der 24 Städte und Gemeinden des Landkreises sind die heulenden Signalhörner in Betrieb. Stattdessen werden immer mehr Feuerwehrfahrzeuge mit Lautsprechern ausgestattet.

„Mit dem Warntag wollen wir außerdem die Menschen im Landkreis für dieses Warnsystem sensibilisieren“, spricht Freiamts Bürgermeister Hannelore Reinbold Mench für die Städte und Gemeinden. Der letzte Katastrophenfall im Landkreis sei das Hochwasser vor 33 Jahren gewesen. „Gott sei Dank ist das schon so lange her, jedoch ist in den letzten Jahren vieles zur Selbstverständlichkeit geworden“, beobachtet sie. Es gehe darum, dass gewisse Dinge wieder eingeübt werden. Dies beginne damit, zu wissen, wie man an Informationen kommt - auch um Hysterie zu vermeiden, sollte es tatsächlich zu einem Katastrophenfall kommen.

Christian Leiberich liegt ebenfalls viel an der Aufklärung auf diesem Gebiet. Gleichzeitig will er die Selbstschutzfähigkeit der Bevölkerung wieder stärken. „Manchmal spüre ich bei den Menschen eine Art Kaskomentalität – so nach dem Motto: der Staat wird schon dafür sorgen, dass alles reibungslos funktioniert.“, so der Leiter des Amtes für Katastrophenschutz. Jedoch könne auch die Behörde nicht für alles garantieren. Es gebe Szenarien, die auch den Staat überfordern. Eben dafür müsse man wissen, was man als Einzelner in solchen Fällen tun kann.