„Überall steckt Handwerk drin… “

WZO-Interview mit Kreishandwerksmeister Martin Schubnell zum „Tag des Handwerks“

Am Samstag ist Tag des Handwerks. Auch in dieser Branche sind die Auswirkungen von Corona zu spüren. WZO-Redakteur Detlef Berger sprach mit Kreishandwerksmeister Martin Schubnell über die aktuellen Entwicklung im regionalen Handwerk in diesen unruhigen Zeiten.

Wo steckt überall Handwerk drin?“, wird unsere Leitfrage für den „Tag des Handwerks“ sein, den wir in diesem Jahr in Elzach ausrichten. „Da wird mancher staunen, was alles fehlen würde, wenn's kein Handwerk gäbe. Nicht umsonst heißt es ja: Das Handwerk – die Wirtschaftskraft von nebenan“.

Das Handwerk in Corona-Zeiten

Die Corona-Pandemie sei eine außerordentliche Belastung für alle - auch für das regionale Handwerk. Vor allem sei die Arbeitsproblematik und Planung in den einzelnen Betrieben in Anbetracht der umfangreichen Hygiene- und Sicherheitsvorschriften sehr anspruchsvoll, so Schubnell. Nach dem ersten großen Schock zu Beginn der Pandemie im Frühjahr hätten die Betriebe im Innungsbezirk Emmendingen nunmehr kreative und innovative Konzepte kreiert, um das Beste aus der Krise zu machen. Kurzarbeit könne auch im Handwerk nicht die Lösung sein. Gleichwohl seien die Aufträge in Teilbereichen in den letzten Monaten schon etwas zurückgegangen, so Schubnell. Mittlerweile sei dies aber wieder deutlich besser geworden. Allerdings würden die Auftraggeber gegenwärtig, aufgrund der komplizierten Lage, deutlich kurzfristiger planen wie noch vor der Corona-Krise. Dies mache es den Handwerksbetrieben deutlich schwieriger, langfristige Planungen zu gestalten, so der Elektromeister. Grundsätzlich sei der Markt „straffer geworden“, so Schubnell. In den meisten Betrieben im Kreis laufe das Arbeitspensum aber schon wieder „auf vollen Touren“. Erfreut zeigt er sich über das veränderte Kundenverhalten in der Krise getreu der Devise: Lokal einkaufen, bestellen und essen gehen. Davon profitiere natürlich auch das lokale Handwerk im Kreis ungemein. Allerdings sei der Markt für Feste, Konzerte und Events natürlich aus bekannten Gründen vollends zum Erliegen gekommen. Dies treffe einzelne Branchen sehr hart, so der Handwerker aus Leidenschaft. „Es darf keinen zweiten Lockdown geben. Dies muss mit allen Mitteln verhindert werden“,  sprach Schubnell Klartext, verbunden mit dem Appell an die Bevölkerung, sich weiterhin vernünftig zu verhalten und die Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen einzuhalten. Viele Betriebe würden einen erneuten Lockdown wohl nicht überleben, so ein besorgter Kreishandwerksmeister.

Fachkräfte nach wie vor gesucht

Ungeachtet dieser Pandemie benötige das Handwerk im Innungsbezirk mit seinen ca. 2.400 Betrieben mehr denn je Fachkräfte in allen Bereichen, betonte Schubnell, der erneut eine überzeugte Lanze für die attraktive und vielfältige Ausbildung im Handwerk mit sehr guten Verdients- und Weiterbildungsmöglichkeiten brach. „Wir haben ganz viele hochattraktive Ausbildungsbetriebe im Landkreis und Ausbildungsplätze stehen in Hülle und Fülle zur Verfügung. Im Handwerk locken Chancen über Chancen“. Seit Jahren betreibe die Handwerkskammer einen immensen Aufwand, um auf allen Kanälen sowie in den sozialen Netzwerken mit griffigen Kampagnen und originellen Sprüchen für die Ausbildung im Handwerk zu werben. Die Ausbildungszahlen im Landkreis seien indes ungeachtet der Krise „auf sehr gutem Niveau nur ganz leicht gesunken“.  

Freisprechungsfeier unter besonderen Vorzeichen

Auch warb Schubnell für die neu angesetzte Freisprechungsfeier am 20. und 21. Oktober in Emmendingen-Wasser (Elzhalle) unter ganz besonderen (Corona)-Bedingungen. Man habe ein eigenes Sicherheitskonzept entwickelt und die zweitägige Veranstaltungen aus Sicherheitsgründen auf vier separate Gruppen gesplittet. Man wolle trotz der komplizierten Lage die außerordentliche Leistung der Auszubildenden in einem anspruchsvollen Rahmen gebührend würdigen, betonte der Kreishandwerksmeister.  So werde die Verteilung der einzelnen Gesellenbriefe bei Speis und Trank auf zwei Tage verteilt. Man sei u.a. mit Videobotschaften um einen kürzeren und strafferen Anlauf der Feier bemüht.

Tag des Handwerks in Elzach  

Wie bereits angekündigt findet der diesjährige Tag des Handwerks am kommenden Samstag, 19. September in Elzach unter Corona-Bedingungen statt. Es haben sich bereits viele Politiker sowie Vertreter des Handwerks (Handwerkskammer Freiburg, Obermeister aus dem Landkreis Emmendingen) aus der Region angemeldet. „Elzach ist eine Stadt mit viel Tradition, dies zeigt sich auch in der Anzahl der Familienbetriebe, welches es bereits seit Jahrhunderten gibt. Überall steckt Handwerk drin“, so Schubnell, der die hervorragende und konstruktive Zusammenarbeit mit der Stadt mit Bürgermeister Roland Tibi an der Spitze, dem Gewerbeverein sowie den 13 beteiligten Firmen und Geschäften lobte.  Nach den tollen Erfolgen in Waldkirch (2018) und Endingen (2019) werde man auch dieses Jahr an das bewährte Konzept anknüpfen und insgesamt 13 Elzacher Betriebe und Firmen besuchen und bei einem gemeinsamen Rundgang „unter die Lupe nehmen“ (Teilnahme nur nach vorheriger Anmeldung möglich. Es gelten die bekannten Corona-Sicherheitsregeln). Bereits um 8.30 Uhr habe Bürgermeister Roland Tibi zu einem  nicht öffentlichen Empfang im Rathaus geladen. „Beeindruckend in wieviel Facetten das Handwerk in Elzach vertreten ist. Ein richtiges Handwerkerzentrum auf engstem Raum in der Innenstadt“, so Schubnell. Nach insgesamt zwölf Stationen in der Innenstadt werde man den Ausklang schließlich um ca. 13 Uhr bei der Schreinerei Becherer mit einem zünftigen Handwerkervesper feiern. Schubnell würdigte die positive Entwicklung des Handwerkerstädtchens Elzach mit vielen attraktiven (Ausbildungs)-Betrieben und Geschäften, einem agilen Gewerbeverein sowie einer eigenen Ausbildungsbörse der Stadt. Elzach beweise, wie vielfältig und leistungsstark das Handwerk im Innungsbezirk Emmendingen doch sei, so der Kreishandwerksmeister.

Appell an die Politik

Zum Abschluss des Pressegesprächs richtete Schubnell noch einen dringenden Appell an die große und kleine Politik. Gerade vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie seien neue Kommunikationswege wie Videokonferenzen (Home-Office), Streaming ec. noch mehr in den Vordergrund gerückt. Umso wichtiger sei damit der schnelle Ausbau der Glasfasertechnik für ein schnelles und professionelles Internet in unserer Raumschaft, so Schubnell. Er forderte die Landes- und Bundespolitiker eindringlich dazu auf, sich für den zeitnahen Ausbau des Glasfasernetzes als wichtiger Standortvorteil in der Region und als wichtiger Beschleuniger für die heimische Wirtschaft einzusetzen. Es gehe um die Stärkung der Infrastruktur in anspruchsvollen Zeiten. „Handwerk ist schon lange digital“, machte Schubnell die Wichtigkeit seines Anliegens deutlich.