Fasnacht 2021 wird deutlich kleiner

Nach aktuellem Stand soll die fünfte Jahreszeit zwar stattfinden, allerdings ohne Großveranstaltungen

Die Fasnacht 2021 vom 11. bis 17. Februar findet nach aktuellem Stand statt. Wegen der Corona-Pandemie wird die fünfte Jahreszeit jedoch kleiner als sonst. Schon jetzt ist klar, dass viele Veranstaltungen abgesagt werden. Gleichzeitig wird auch im ET-Gebiet über alternative Ideen nachgedacht.

Vor 30 Jahren fiel die Fasnacht komplett aus. Ein Großteil der heute feiernden Narren war damals noch gar nicht geboren – oder stand noch in Kinderstrohschuhen. Grund war der Beginn des 1. Golfkriegs im Nahen Osten. Die Frage war damals eine moralische: darf man fröhlich feiern, während anderswo auf der Welt ein Krieg ausbricht? Die Karnevalshochburgen am Rhein sagten nein und entschieden sich für eine kollektive Absage. Die schwäbisch-alemannische Fasnet, und damit auch das Narrentreiben im Raum Emmendingen, zog ebenfalls nach.

Drei Jahrzehnte später steht das närrische Treiben erneut auf der Kippe. Das Problem ist jedoch anders gelagert. Eine Pandemie ist ausgebrochen. Große Menschenansammlungen bei Umzügen, Saalfasnachten und Partys würden die Ausbreitung fördern. In Nordrein-Westfalen haben sich die Karnevalsverbände mit der Landesregierung schon jetzt auf ein Verbot der Großveranstaltungen verständigt. Die Arbeitsgemeinschaft der Südwestdeutschen Narrenvereinigungen – ihr gehören 678 Zünfte an – tat vor zwei Wochen ähnliches. Sie empfiehlt die Absage der großen Ereignisse und damit auch der Umzüge.

Ob der Große Fasnachtsumzug in Emmendingen in seiner üblichen Form wird, scheint damit eher unwahrscheinlich. Rund 20.000 Menschen besuchen Jahr für Jahr das Ereignis in der Innenstadt. Von der Neubronnstraße über den Marktplatz und dem Tor bis in die Hebelstraße bilden sie ein enges Spalier. Man steht dicht an dicht. Besser könnten sich die Corona-Viren wohl kaum ausbreiten. Organisiert wird der Umzug von den „Ämädinger Fellteyfel“. Deren 1. Vorsitzender Ralf Büche wollte sich im ET-Gespräch am Montag noch nicht auf eine Absage festlegen. „Am Freitag werden wir uns innerhalb der Vorstandschaft treffen und eine Entscheidung fällen“, so Büche. Mit der Gemeinschaft der Emmendinger Fasnacht (GEF), die das Narrendorf auf dem Schlossplatz organisiert, sei ebenfalls ein Treffen geplant. Sprechen werde man außerdem über mögliche Alternativen.

Mit großer Wahrscheinlichkeit werden auch die drei Saalveranstaltungen der Emmendinger Fasnachts-Gesellschaft (EFG) ausfallen. Gemeint sind die Seniorenfasnacht, die Powerparty und der Bockfrühschoppen in der Fritz-Boehle-Halle. Präsident Gerhard Bürklin, bei dem seit über vier Jahrzehnten die organisatorischen Fäden zusammenlaufen, spricht sich klar gegen die Durchführung aus. Der EFG-Präsident wolle zum einen jegliches Risiko vermeiden. Entwicklungen wie in Heinsberg seien nicht zu verantworten. Zum anderen sei die Fasnacht ein Gemeinschaftserlebnis. Eine Saalfasnacht lebe von der Interaktion zwischen Akteuren und Publikum. Ein Live-Stream könne dies nicht leisten. „Ich werde sowohl dem Präsidium als auch dem Elferrat die Absage vorschlagen“, sagt Bürklin. Diese wolle man sich austauschen. „Obwohl unter aktuellen Umständen ein Lachen eigentlich wichtig wäre“, fügt er hinzu.

Und was machen die Hästräger? Als größte Zunft im Verbreitungsgebiet haben die Kindringer Ruäbsäck ihre Kampagne 2020/21 jetzt schon abgeblasen. Somit wird es am Fasnachtssamstag keinen Ruäbsackhock, keinen Kinderumzug und auch keine Dorffasnet geben. „Wenn man sich die Bilder von der herzergreifenden mitreißenden Fasnet 2019/20 vor Augen führt, dann merkt man schnell, dass unter den aktuellen Beschränkungen und Einflüssen der Pandemie an Feiern nicht zu denken ist“, gaben die Ruäbsäck via Facebook bekannt. Der Verein sehe sich „in der Verantwortung, die Gesundheit unserer Mitglieder, Familien, Freunde und Arbeitskollegen zu schützen und dem Virus aktiv entgegenzuwirken“.

Nicht ausfallen wird der traditionelle Zunftabend des Narrenrats Blau Weiß. Geschäftsführer Gerhard Oswald und sein Team werden die Sitzung ohne Publikum durchführen und per Livestream ins Internet übertragen. Anschauen kann man sich die Veranstaltung also gemütlich vom eigenen Sofa aus. „So haben alle Narren die Möglichkeit, in kleinen corona-konformen Gruppen mit Programm und Musik Fasnet zu feiern“, sagte Oswald jüngst in einer Pressemitteilung. Gesendet werde aus dem Studio der Veranstaltungsfirma „B&HP Weißhaar“. Der Stream laufe unter dem mittlerweile bekannten Label „zeigtsich.tv“. Das Programm und weitere Einzelheiten werde man zu gegebener Zeit veröffentlichen.

Auch wenn die Arbeitsgemeinschaft des Südwestdeutschen Narrenvereinigungen die Absage der Großveranstaltungen empfiehlt, soll die Fasnacht nicht ganz ausfallen. „Sie kann überhaupt nicht abgesagt werden“, sagte Roland Wehrle, Präsident der Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte (VSAN) bei dem Treffen am 31. September. Die Fastnacht sei ein Fest und ein inneres Bedürfnis. Niemand habe das Recht, die Fastnacht als jahreszeitliches Fest abzusagen, weder die Verbände - noch die Zünfte, noch die Politik. Statt in großem Rahmen könne sie draußen und ausschließlich im Kleinen stattfinden. Die Pandemie böte auch eine Chance, alte Bräuche wieder aufleben zu lassen. Man könne sich vorstellen, dass Gruppen von Haus zu Haus gehen. Eine andere Idee wäre ein leicht veränderter Schulsturm mit weniger Hästrägern. Auch einzelne Narren könnten die Schüler aus den Klassenzimmern holen und mit ihnen ins Freie gehen. Viel müsse eben an der frischen Luft geschehen. Die Vereinigung arbeite an Konzepten, bei denen die Corona-Regeln eingehalten werden.