„Der Unmut wächst“

Gewerbeverband: Peter Lob über  den „Lockdown 2“ und die Stimmung in der Wirtschaft

Bad Krozingen. Seit dem 20. März führt der Vorsitzende des Gewerbeverbands Bad Krozingen, Peter Lob, täglich Buch über die regionale Entwicklung der Pandemie. 9.226 Infizierte gab es bis gestern im Bereich Freiburg / Breisgau-Hochschwarzwald. „Das Virus sucht den Winter“ bilanziert Lob, der den rapiden Anstieg der Infizierten-Zahlen in November und Dezember beobachtet hat. Das sei  einerseits beängstigend, genau wie die 231 bedauernswerten Todesfälle; andererseits müsse man die Zahlen in Relation zu den  über eine halbe Million Menschen sehen, die in dieser Region leben.Immer häufiger wird bei selbstständigen Unternehmern, die jetzt zum zweiten Mal von einem Lockdown betroffen sind, die Frage gestellt, ob diese Zahlen den Exodus von Betrieben, ja ganzer Branchen und die daraus resultierenden Folgen – auch für die Gesundheit der Betroffenen – rechtfertigen. Lohnt es sich für uns alle, so viele Existenzen wirtschaftlich und gesundheitlich existenziell zu gefährden?  
Die Fragen werden lauter, je knapper die Kassen werden. Selbst solvente und rundum gesunde  Unternehmen, die im „Lockdown 1“  ihre finanziellen Reserven aktiviert haben und halbwegs schadlos durchgekommen sind, geraten in „Lockdown 2“, dessen Verlängerung gestern von den Regierenden in Bund und Ländern beschlossen wurde, an die Grenzen ihrer Möglichkeiten und damit immer mehr an die Grenzen ihrer Geduld, gibt Lob zu verstehen und führt an: „Die Entscheidungen, ob diese  unverschuldet in Not geratenen Selbstständigen ihr Geschäft öffnen dürfen oder nicht, treffen Menschen, deren Gehaltszahlung allmonatlich sicher ist. Und in der Abwägung bewegen sich diese Entscheider auf unbekanntem Terrain. Diese gut versorgten Verantwortungsträger treffen Entscheidungen, die Existenzen gefährden. Die Bereitschaft, diese Entscheidungen zu akzeptieren und zu befolgen, sinkt zusehends – der Unmut wächst“, erfährt Peter Lob in seinen Gesprächen mit Gewerbetreibenden in der Regio. 
In diesen Wochen werden für Selbstständige Steuernachzahlungen für 2019 fällig – einem florierenden Geschäftsjahr, in dem Corona in Südbaden noch als ausländisches Bier galt. Natürlich hätten die Unternehmen im Wissen um eventuelle steuerliche Nachforderungen  entsprechend Geld zurückgelegt. „Aber dann kam der erste Lockdown und diese Reserven wurden angegriffen; zum Teil, vielleicht auch komplett zur Existenzsicherung eingesetzt. Jetzt sind wir im zweiten Lockdown und die Steuernachzahlungen für 2019 werden fällig; mal sind es nur vierstellige, oft genug fünfstellige oder noch höhere Beträge, die jetzt flüssig gemacht und nachgezahlt werden müssen – bei einer  monatlichen Umsatzgröße von derzeit null...“  
Bis zum Jahreswechsel hatte  von den mehr als 300 Mitgliedsbetrieben im Gewerbeverband Bad Krozingen noch keiner die Waffen strecken müssen. Für das erste Halbjahr 2021 könne er, Lob, nicht die Hand dafür ins Feuer legen, dass das so bleibt, wenn kein politischer Kurswechsel stattfindet. Die versprochenen staatlichen Corona-Hilfen aus dem zweiten Lockdown seien bis heute nicht in den Betrieben angekommen, berichtet Lob aus den Gesprächen mit Mitgliedsfirmen. Die Auszahlung  geschieht  ähnlich  schleppend wie die  Versorgung mit Impfstoff für die Bevölkerung – eine Farce.  Auch das war  offenbar ein selbst verschuldeter Stolperstart. Das Vertrauen in die Politiker, also jene Zeitgenossen mit dem sicheren Gehalt, schwindet. Den selbstständigen Gewerbetreibenden dürstet es nach klaren Entscheidungen, „kein Hin und Her mehr, kein Lockdown 3 und 4, sondern Perspektiven für ein Überleben der Betriebe.“
Die Verbraucher bittet Peter Lob um betonte Berücksichtigung des lokalen Handels und der Gastronomie, sobald das wieder ermöglicht wird. Frank Rischmüller