„Schandfleck Silberbrunnen“ bleibt

Der Eigentümer „plant weder kurz- noch mittelfristig“ – Vor 120 Jahren erbaut

(heb). Als „Schandfleck“ wurde der „Silberbrunnen“ in der letzten Sitzung des Bahlinger Gemeinderats von einem Bahlinger Zuhörer bezeichnet. Dieser war der Meinung, dass dem Eigentümer eine Frist für einen Abbruch gesetzt werden müsse, der Anblick sei „ein Elend; das ist traurig anzusehen, auch für die vorbeikommenden Gäste. Wo früher gerne Touristen gewesen sind, übernachten heute die Tiere." Das sei nicht zu steuern seitens der Gemeinde, betonte Bürgermeister Harald Lotis jedoch, denn der Silberbrunnen sei in Privatbesitz.

Ein Thema sei für ihn die Sicherheit, denn stabil sei das Gebäude sicher nicht mehr, „aber die Baupolizei (Bauaufsichtsbehörde) hat bisher noch keine Notwendigkeit gesehen, hier einzugreifen“, meinte der Bürgermeister weiter. Das Anwesen, von jeher in Privatbesitz, wurde vor ein paar Jahren von einer Eigentümergesellschaft an einen anderen Eigentümer verkauft. „Die Gemeinde hatte mit dem neuen Eigentümer mal ein kurzes Gespräch, aber etwas Genaues gab es da noch nicht.“ Leonhardt-Immobilien Riegel hat die Grundstücke an Christian Schnürle (Stölting Südholding GmbH) verkauft. Auf Nachfrage erklärt Schnürle, „zum Silberbrunnen gibt es leider nichts zu sprechen aktuell; es ist weder kurzfristig noch mittelfristig etwas geplant“.

2014 dachte man an 41 Chalets

„So weit wie jetzt waren wir noch nie“, betonte Helmut Oskar Leonhardt von Leonhardt-Immobilien Riegel und Sprecher der Silberbrunnen Grundstücksverwaltung GmbH zum geplanten Naturressort Kaiserstuhl Bad Silberbrunnen im Jahre 2014. Damals wurde das Vorhaben einer Feriensiedlung mit geplanten 41 Chalets auf einer Rebfläche von 2,1 Hektar gegenüber dem „Silberbrunnen“, von Bahlingen Richtung Schelingen linker Hand, vorgestellt. Nach seiner Zwangsversteigerung übernahmen 25 Eigentümer den „Silberbrunnen“, der 1901 erbaut worden war und bis dato auch noch über eine Quelle verfügt. Nutzungsideen der Vergangenheit, wie der Golfplatz oder die im Jahr 2007 vorgestellten Pläne für ein Hotel, das auf dem bisherigen Parkplatz gegenüber dem Bestand erstellt werden sollte samt Wellness-Bereich und Hallenbad sowie drei Stockwerken mit Appartments, Restaurant, einer Bar und einer großen Terrasse, scheiterten. Diese Nutzung entsprach damals laut Gemeinderat nicht den Festsetzungen des Flächennutzungsplanes, der für den Silberbrunnen eine Sonderfläche für Tourismus, Sport und Naherholung ausweist.

Mit dem Naturresort Kaiserstuhl sahen die Beteiligten vor Jahren dann eine reelle Chance, das brachliegende Gelände und das nicht sehr ansprechende Gebäude „Bad Silberbrunnen“ wiederzubeleben. In Holzbauweise als Holzblockhaus oder Holz-Riegelbau sollten die Ferienhäuser entstehen, die als Renditeobjekte bundesweit verkauft werden sollten. Leonhardt sah damals diese Idee als Highlight für den gesamten Kaiserstuhl, denn „so etwas gibt es in der Region schlichtweg noch nicht“. Der Eigentümer, der solch ein Chalet für 240.000 oder rund 271.000 Euro zuzüglich Grundstück je nach Größe ab rund 43.000 Euro kaufen konnte, hätte sein Chalet für 21 Tage im Jahr für den eigenen Urlaub nutzen dürfen. Gerechnet wurde mit einer Belegung von 42 Prozent im ersten Jahr, das sind 153 Tage, bei berechneten 3,5 Personen je Chalet.

5.000 Quadratmeter gehören zur Bad Silberbrunnen GmbH, der Nutzung weiterer benötigter Fläche in der Größenordnung von acht Grundstücken wurde seinerzeit per Optionsverträgen mit Gültigkeit von drei Jahren zugestimmt. Am 24. Februar 2014 hatte der Gemeinderat in nichtöffentlicher Sitzung der Idee zugestimmt und wollte den Erlass des Bebauungsplanes unterstützen. Neben der Ferienanlage sollte das Gebäude des „Bad Silberbrunnens“ abgerissen werden und ein neuer Gastronomie-Bereich entstehen. Um die Ferienanlage für Fußgänger mit der Gastronomie zu verbinden, wurde eine Holzbrücke über die Kreisstraße geplant. Zum einen, weil die Straße schlecht einsehbar in der Kurve ist, zum anderen liegt die Feriensiedlung rund drei Meter höher als die Straße. Die Zustimmung seitens des Landratsamtes Emmendingen für diese „Ferienregion“ liege vor, hieß es damals. Laut der Verkaufs-Hochglanzprospekte sollen die 41 Chalets mit dem Wasser der geprüften Mineralquelle (Silberbrunnen) versorgt werden. Die Abrissgenehmigung liegt laut Bürgermeister Lotis schon ein paar Jahre zurück - bereits 2015 ging man von einem Abriss des Gebäudes aus. Im Flächennutzungsplan ist mindestens seit 1995 eine Sonderfläche für touristische, gastronomische Nutzung vorgesehen. Darunter fallen Restaurants, Hotels, Veranstaltungshallen und ähnliches. „Leider hat sich da bisher unter keinem Eigentümer etwas Konkretes ergeben“, führte Lotis weiter aus.

Monika Boos (Vorsitzende Touristik Bahlingen) sagte auf Nachfrage: „Der Silberbrunnen ist in erschreckendem Zustand für die Gäste aus Bahlingen und vom Kaiserstuhl. Wanderer, Radler, jeder, der vorbei kommt oder nebenan im Silberberghock sitzt, muss sich diesen Schandfleck ansehen. Außerdem stellt das auch eine Gefahr dar, die Scheiben sind eingeschlagen, Nässe im Gebäude., einfach gefährlich. Wenn wir mit unseren Gästen Traktorfahrten durch die Reben machen, fragt jeder Gast, warum, weshalb, wieso und ob so etwas überhaupt geht.“

Gabriel Boos (Kommandant FFW Bahlingen): „Zur Löschwasserversorgung dort oben könnte man die alten Kammern der Quelle nutzen, um dort Wasser zu holen, wenn das dann nicht ausreicht, muss zusätzlich Wasser antransportiert werden. Wichtig wäre bei einem Brand des Silberbrunnens die Riegelstellung zum Nachbargebäude, um das abzuschirmen. Wenn der Sommer arg trocken ist, wird es allerdings eng mit dem Wasser aus der Quelle.“

Silberbrunnen-Anschluss an Wasser und Abwasser
Der Bereich des Silberbrunnens, so hieß es in der Gemeinderatssitzung im März 2020, soll an die Wasserversorgung und Abwasserbeseitigung angeschlossen werden. Hierfür eingeplant sind mittelfristig 770.000 Euro. Technisch ist der Anschluss ans Trinkwassernetz jedoch aufwändig, da das Gelände höher liegt als der Hochbehälter. Bürgermeister Lotis erklärte damals, dass die Gemeinde mit der Übernahme der vollen Kosten gerechnet hat. Wenn das Projekt allerdings über eine Eigentümergemeinschaft abgewickelt werde, könnte es billiger werden. Denn über solch eine Gemeinschaft könnten Zuschüsse generiert werden,die die Gemeinde nicht erhält. Derzeit gibt es nur einen kleinen Biergartenbetrieb neben dem baufälligen ehemaligen Hotel. Michael Schies hatte im März in der Fragestunde seinem Ärger Luft gemacht, weil er schon einmal Planungskosten für einen Wohnmobilstellplatz am Silberbrunnen in den Sand gesetzt habe, „weil nur geredet wurde, aber keine Taten folgten“. Aktuell sei er in einer neuen Planung und hoffe, dass Wasser und Abwasser bald kommen.

Der Silberbrunnen – die Sage (Quelle: Du mein Kaiserstuhl /1926)

Graf Hesse der einstige Burgherr von Nimburg, soll, wie die Sage berichtet, der Begründer des Bad Silberbrunnen sein, der Anlass dazu sei folgender gewesen: „In Endingen am nördlichen Kaiserstuhl gelegen, wohnte die arme Witwe, ‚Kräuterlies‘ genannt, mit ihrer Tochter Veronika. Die alte Lies suchte täglich am Kaiserstuhl würzige Kräuter und verkaufte dieselben an die Apotheker in Freiburg und Breisach. Von dem Erlös bestritt sie den Lebensunterhalt für sich und ihr Kind. An einem heißen Julimorgen sammelte sie wieder Kräuter. Die Hitze wurde immer drückender und die Kräuterlies war bald so schwach, dass sie ohnmächtig wurde. Als sie wieder zu sich kam, sah sie nicht weit entfernt ein kleines, zierliches Männchen, das ihr zuwinkte. Ihre ganze Kraft zusammennehmend, folgte sie ihm, bis beide zwischen zwei großen Bäumen standen, zwischen denen ein Stein auf dem Boden lag. Der Zwerg wälzte nun den Stein von der Stelle und sogleich quellte klares Wasser aus dem Boden. Im gleichen Augenblick war auch das Männchen verschwunden. Die Kräuterlies trank von dem Wasser und fühlte sich rasch wieder wohl. Sie deckte die Quelle wieder zu, damit sie niemand anderer fände als sie und ihre Tochter. Von diesem Wasser fasste sie in Krüge, erzählte von der Wirkung des heilsamen Wassers und hatte bald viele Abnehmer. Nun wurde die Tochter des Grafen Hesse von Nimburg krank und auch sie machte das Wasser der Kräuterlies gesund. Aus Dankbarkeit ließ der Graf die Quelle fassen und daneben ein kleines Wirtshaus bauen. Als der Bau fertig war, schenkte der Graf das Anwesen der Tochter der Kräuterlies, die dann des Grafen Oberjäger heiratete und somit die erste Besitzerin des Bades ‚Silberbrunnen‘ war.“