Etwa jeder zehnte Test fällt positiv aus

Abstrichstraße und Infektsprechstunde: Interview mit Dr. Boris Weber über die Arbeit in einer Corona-Schwerpunktpraxis

Ettenheim (ks). Seit Beginn der Pandemie wenden sich unzählige Ratsuchende mit und ohne Symptome an das Praxiszentrum Friedrichstraße, das als Corona-Schwerpunktpraxis ausgewiesen ist. Über den aktuellen Stand der Dinge unterhielt sich unser Mitarbeiter Klaus Schade mit Dr. Boris Weber.

Herr Dr. Weber, wie sieht die Inanspruchnahme Ihrer Corona-Schwerpunktpraxis aus – beispielsweise im Vergleich zum Frühjahr?

Wir haben derzeit eine anhaltend hohe Auslastung und immer wieder positive Coronabefunde - sicher ebenso viele Fälle wie im Frühjahr, wobei jetzt natürlich auch wesentlich mehr getestet wird.

Gab es zwischendurch mal „ruhigere Zeiten“? Seit wann hat es wieder angezogen?

Der Sommer war wesentlich ruhiger, bei uns sind die Zahlen wie auch deutschlandweit im Oktober angestiegen.

Hat sich hinsichtlich der Altersstruktur der Patienten, die Sie aufsuchen, etwas verändert?

Seit Beginn der Pandemie hat sich die Altersstruktur mehrfach geändert. Zunächst waren es vor allem die Skifahrer, dann hat sich die Erkrankung in alle Altersbereiche ausgedehnt. Im Sommer und Frühherbst waren es zunächst wieder eher die jüngeren Patienten, seit Oktober leider auch wieder ältere Menschen, vor allem in den Pflegeheimen.

Aus welchen Gründen werden Sie aufgesucht: mehr aus Gründen der Vorsichtsmaßnahme oder mehr aufgrund von Symptomen, die auf eine Corona-Erkrankung schließen könnten?

Es gibt sehr unterschiedliche Gründe für den Praxisbesuch. Vor allem sind das Patienten mit einer Atemwegsinfektion, bei denen es nach wie vor oft mit Hilfe eines Tests möglich ist, zwischen banalen Infekten und einer Coronainfektion zu unterscheiden. Zusätzlich führen wir auch Tests bei Patienten durch, die keine Symptome haben, zum Beispiel wegen Reisen oder vor deren Aufnahme in Rehaeinrichtungen.

Welche Arten von Tests sind gefragt beziehungsweise notwendig?

Wir machen sowohl Antigen-Schnelltests als auch Abstriche, die mittels PCR im Labor untersucht werden.

Wie viele der Tests in Ihrer Praxis fallen letztendlich dann tatsächlich positiv aus?

Derzeit fallen rund zehn Prozent der Proben positiv aus.

Wie bewerkstelligen Sie mit Ihrem Praxisteam die zusätzliche Aufgabe zum üblichen Praxisbetrieb?

Wir haben nach wie vor eine Abstrichstraße im Hof und zusätzlich jeden Tag eine sogenannte Infektsprechstunde, die wir zeitlich und räumlich vom übrigen Praxisablauf trennen und bei der wir uns auch besonders schützen.

Stehen die Corona-Schwerpunktpraxen untereinander in Kontakt?

Es gibt spezielle Informationen von Seiten der Kassenärztlichen Vereinigung für die Schwerpunktpraxen, dazu gibt es den üblichen kollegialen Austausch.

Bis wann rechnen Sie damit, dass dieser Bereich Ihrer Praxis wieder zurückfahren kann?

Ich hoffe, dass im Herbst die meisten Menschen geimpft sein werden und wir dann wieder ein Stück zurück zur Normalität kommen können. Ein Teil der Infektionsschutzmaßnahmen werden wir sicher aber auch dauerhaft fortführen, da sie sich bewährt haben und sie auch das Personal schützen.