Musikvereine verschieben 100-Jahr-Feiern

Prechtäler und Katzenmooser Musikvereins-Vorstände im WZO-Interview

 

Elzach (mkt). 100 Jahre alt werden die beiden Musikvereine Katzenmoos und Prechtal in diesem Jahr. Das sollte eigentlich gebührend gefeiert werden. Beide Vereine hatten für 2021 verschiedene Veranstaltungen das ganze Jahr über geplant. Doch die werden nun um ein Jahr auf 2022 verschoben. Warum, und wie es den beiden Vereinen insgesamt geht, darüber hat unser Mitarbeiter Kurt Meier mit den beiden Vorstandssprechern Markus Schultis (Prechtal) und Jürgen Wölfle (Katzenmoos) gesprochen.

Herr Schultis, Herr Wölfle, warum haben Sie ihre Jubiläumsfeierlichkeiten verschoben?

Markus Schultis: So ein großes Fest, wie wir es geplant haben, ist aktuell nicht denkbar. Wir haben uns schon im letzten Jahr Gedanken gemacht, ob wir absagen oder verschieben sollen, wollten die Entwicklungen aber erst noch abwarten. Die Vorstandschaft hat sich dann Mitte Januar digital zusammen gesetzt. Der Beschluss, unsere Jubiläumsfeier um ein Jahr auf 2022 zu verschieben, fiel einstimmig.

Jürgen Wölfle: Aus zwei Gründen: Zum einen ist einfach nicht absehbar, wann man wieder Veranstaltungen mit einer größeren Anzahl an Besuchern durchführen darf. Zum Anderen ist so ein Jubiläum mit viel Organisation und Arbeit verbunden. Und nicht alles lässt sich online machen. Wir wollen uns ja auch musikalisch präsentieren, aber ohne Proben, keine Musik! Alles, was wir uns an Alternativen überlegt haben, würde dem Anlass einfach nicht gerecht. Also haben wir uns für’s Verschieben entschieden.

 Was war geplant und was davon wird im nächsten Jahr realisiert?

Schultis: Das Festprogramm 2021 wird eins zu eins auf das Jahr 2022 übertragen. Wir beginnen mit einem Jubiläumskonzert am 9. April. Am 14. Mai findet ein Jubiläumsabend statt. Vom 10. bis 13. Juni feiern wir ein großes Jubiläumsfest in einem eigens errichteten Festzelt mit vielen Gästen. Am Freitagabend beginnen wir mit den Almrockern. Am Samstag haben wir die  Volksmusikstars Reiner Kirsten, Stefan Mross, Anna-Carina Woitschak und das Schwarzwaldquintett zu Gast. Nach dem Festgottesdienst am Sonntag spielt die Stadtmusik Elzach zum Frühschoppen auf und am Nachmittag gibt’s einen Festumzug. Den Montagabend lassen wir mit einem Handwerkervesper ausklingen. Vom 6. bis 8. August wollen wir unser traditionelles Heidburgfest feiern. Am 22. Oktober findet unser Herbstkonzert statt. Das steht dann ganz im Zeichen des 20-jährigen Dirigentenjubiläums von Joachim Riester.

Wölfle: Kein großes Event, sondern mehrere Veranstaltungen auf’s Jahr verteilt. Wir wollten mit einem Festgottesdienst im Januar den Auftakt feiern. Im Mai war ein Jubiläumabend im Haus des Gastes geplant. Unser traditionelles Bergfest auf der Katzenmooser Höhe solle als „Bergfest plus“ daher kommen. Ende Oktober wollten wir mit einem Jubiläumskonzert den Schlusspunkt setzen. Stand heute werden wir das alles im nächsten Jahr auch machen. Die genauen Termine haben wir aber noch nicht festgelegt.    

Wie haben ihre Mitglieder, und vor allem die Aktiven, auf diesen Beschluss reagiert?

Schultis: Ich glaube, die meisten haben nichts anderes erwartet. Die Resonanz war fast durchweg positiv. Wir haben alle Aktiven schon gleich nach dem Beschluss per E-mail informiert, damit sie es nicht über den „Buschfunk“ erfahren.

Wölfle: Die Vorstandschaft hat den Beschluss einstimmig gefasst und in den Diskussionen ist klar geworden, dass es keine sinnvolle Alternative gibt. Auch die Mitglieder teilen diese Ansicht. Es freut sich zwar Jeder auf das Jubiläum, aber man will es halt auch gebührend feiern und Spaß dran haben.   

Sind Sie für die Jubiläumsfeiern schon in Vorleistung gegangen?

Schultis: Ja. Wir haben uns eigens für unser Jubiläumsjahr neu eingekleidet, neue Uniformen beschafft. Die sollten beim Jubiläumskonzert erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Wir hoffen, wir haben Gelegenheit das noch in diesem Jahr zu tun, egal bei welchem Auftritt. Hauptsache, wir dürfen wieder Musik machen. Und wir haben – auch für das Jubiläumskonzert – eine Auftragskomposition bei Thomas Doss in Auftrag gegeben. Die haben wir über eine Spendenaktion finanziert. Der Österreicher ist einer der renommiertesten Komponisten zeitgenössischer Blasmusik. Er hatte sogar sein Kommen zur Uraufführung beim Jubiläumskonzert zugesagt und wollte das Stück selbst dirigieren. Wir hoffen, dass er nächstes Jahr kommt, die Gespräche laufen noch. Ansonsten sind wir aber keinerlei finanziellen Risiken eingegangen. Alle Verträge, die wir gemacht hatten, sind so gestaltet, dass sie auch eine Verschiebung um ein Jahr beinhalten.

Wölfle: Finanziell weniger, organisatorisch schon. Auch wir haben uns eine neue Musikeruniform zugelegt. Die wollten wir im Januar erstmals der Öffentlichkeit präsentieren. Wir haben schon vor einem Jahr mehrere Arbeitsgruppen gebildet, die schon viel Vorarbeit geleistet und sich sehr kreativ eingebracht haben. Das wollen wir nun im nächsten Jahr auch entsprechend umsetzen.

Wie geht es Ihren beiden Vereinen aktuell?

Schultis: Tja, das ist schwer zu beschreiben. Besonders in der Jugendarbeit ist es aktuell schwierig. Da läuft alles online, aber man merkt schon, dass bei den Einen oder Anderen die Motivation nachlässt. Uns allen fehlt das Musik machen, die Kameradschaft, das gesellige Miteinander. Wie sehr, das haben wir gemerkt, als wir nach dem ersten Lockdown wieder die ersten Proben abhalten durften. Der Probenbesuch war so gut wie selten, auch wenn’s unter erschwerte Bedingungen war. Wir haben, je nach Wetter, entweder im Freien oder in der Halle geprobt, später dann, im „Lockdown light“, in Kleingruppen. Aber Ende Oktober war plötzlich wieder Schluss. Ich hoffe sehr, dass alle wieder dabei sind, wenn es wieder richtig losgeht. Auch finanziell merken wir die Misere natürlich. Wir hatten 2020 so gut wie keine Einnahmen. Besonders schmerzlich war, dass uns das Heidburgfest als größte Einnahmequelle weggebrochen ist. Hier hoffen wir natürlich, dass wir dies in diesem Jahr wieder durchführen können, wenn auch evtl. in einer anderen „Corona“ Form.  

Wölfle: Wie in allen anderen Vereinen auch – uns fehlen Einnahmen und das Miteinander. Die Probenarbeit ist das A und O für einen Musikverein. Vor dem zweiten Lockdown, als man sich wieder zum Proben treffen durfte, waren alle wieder sehr engagiert dabei. Es waren teilweise sehr kreative Proben mit alternativen Konzepten, aber alle haben begeistert mitgezogen. Unser Open-Air-Konzert auf dem Nikolausplatz war 2020 ein echtes Highlight für uns. Wir hatten Gottseidank ja noch die Fasnet 2020 als eine unserer wichtigsten Einnahmequellen, aber das Bergfest und unsere Theateraufführung fielen aus. Glücklicherweise sind wir bei einer Spendenaktion der Sparkasse zum Zug gekommen. Klar ist schon jetzt: Wir werden in den nächsten Jahren ordentlich sparen und manche Anschaffung schieben müssen. Ich glaube, wir alle fiebern darauf hin, dass wir endlich wieder musizieren dürfen. So ein kleiner Verein wie unserer ist auf Jeden angewiesen und so hoffe ich einfach, dass niemand abspringt und wir nach dem Lockdown wieder mit allen durchstarten können.

MV Prechtal: Mitglieder: 250; Aktive: 85; Dirigent: seit November 2002 Musikdirektor Joachim Riester. Vorstand: Markus Schultis (45), Beruf Produktionsplaner, Seit seinem zehnten Lebensjahr aktives Mitglied im Musikverein Prechtal, seit 2004 Mitglied des Vorstandes, seit 2013 Vorstand des Geschäftsbereichs Musikalischer Betrieb, Repräsentation.

MV Katzenmoos: Mitglieder: keine Angabe; Aktive: 42; Dirigent: seit 2017 Mario Rosenfeld. Vorstand: Jürgen Wölfle (46), Beruf: Informatiker: Seit 1986 aktives Mitglied des Musikvereins Katzenmoos, seit 2003 Vorstand des Geschäftsbereichs Presse, Öffentlichkeitsarbeit und Vorstandssprecher.