Letzter Besuch im "Grünen Baum"?

Ortsgeschichte: Historische Bedeutung eines zentralen Gasthofs in Denzlingen beleuchtet

Denzlingen (hg). Auf Einladung des Verbandsbauamtes, vertreten durch Katharina Saladin und Bauhofleiter Heinz Jund, kamen am Dienstag dieser Woche einige Pressevertreter zum ehemaligen Gasthof „Grüner Baum“. Professor Dieter Geuenich und Ortshistoriker Dieter Ohmberger erläuterten vor Ort die historische Bedeutung des Gasthofes, der aufgrund einer neuen städtebaulichen Bestimmung noch in diesem Jahr für immer verschwinden soll.

Als Verfasser der Denzlinger Ortsgeschichte gaben die beiden Historiker einen kurzen Abriss über die Geschichte des Denzlinger Traditionsgasthofes an der Bahnlinie, der weit über Denzlingen hinaus bekannt ist.

Im zweiten Band der Denzlinger Ortsgeschichte kann man auf Seite 265 lesen, dass 1847 die „Schildgerechtigkeit“ (von der Verwaltung vergebenes Recht, eine Gastwirtschaft mit einem Schild zu kennzeichnen und als Gewerbe zu betreiben) des vormaligen Gasthauses „Birke“ im Unterdorf an das Gasthaus „Grüner Baum" übertragen wurde. Damit verbunden war die sogenannte Schankerlaubnis für das neue Gasthaus, das unmittelbar neben der damals neu erbauten Eisenbahnlinie Karlsruhe-Freiburg eröffnet wurde.

Unmittelbar neben der damals neu erbauten Bahnlinie

Auf dem Grundstück stand bis 1847 ein einfaches Wohnhaus aus Eichen- und Tannenholz mit ausgemauerten Riegelwänden. Nach einer Beschreibung aus dem Jahr 1917 gehörten zum Grünen Baum ein Wohn- und Wirtschaftsgebäude mit Balkenkeller, ein Saalanbau mit Stallunterbau, eine Durchfahrt und ein gewölbter Keller sowie weitere Gebäudeteile.

1927 wurde im Saal des Gasthauses ein Kino eingerichtet. Bereits drei Jahre später wurden das gesamte Anwesen mit Ökonomiegebäude und Stallungen sowie Teile der Metzgerei und des Gasthauses ein Raub der Flammen. 1931 / 32 wurde das Gasthaus wieder aufgebaut; die Metzgerei nebenan wurde 2014 abgerissen. Innen gab es einen Festsaal mit einer kleinen Bühne, außen eine große Terrasse mit Pergola, eine Kegelbahn und weitere Einrichtungen.

Jahrzehntelang ein beliebter Treffpunkt

Nur wenige Jahre vor der endgültigen Schließung musste die Familie Schemmer als letzter Besitzer des Gasthauses wieder einen großen Brand beklagen. Erneut wurden die zerstörten Hotelzimmer im Dachgeschoss und die Gaststätte saniert. Aus ganz Deutschland kamen die Gäste. Zeitweise fanden vor Jahren auch Flüchtlinge hier eine erste Bleibe. Aber als Hotel unmittelbar neben der viel befahrenen Bahnstrecke Hamburg-Basel konnte der Grüne Baum „letztlich niemals Pluspunkte sammeln“, wie die beiden Historiker wiederholt unterstrichen.

In früheren Jahrzehnten war der Grüne Baum für zahlreiche Besucher in Denzlingen – nicht zuletzt aufgrund der Nähe zum Baumhof – zentraler Veranstaltungsort für Feste, Tanzveranstaltungen, Hochzeiten, Vereinsversammlungen und viele andere Zusammenkünfte. Nicht zuletzt deshalb ist der Traditionsgasthof besonders für viele ältere Denzlinger ein beliebtes Haus „im Herzen von Denzlingen“, wo sie zahlreiche schöne Stunden in ihrer Jugend erlebt hatten.

Auf der anderen Seite trauern ebenfalls nicht wenige Einwohner dem inzwischen heruntergekommenen Gebäude nicht sehr nach. Vielmehr wächst die Zahl der Bürger, die sich über eine eindeutige städtebauliche Verbesserung der Denzlinger Ortsmitte freuen, zumal nach den vorliegenden Plänen auch die verkehrstechnische Verbindung in nord-südlicher Richtung (und umgekehrt) zwischen Bahnhof und Hauptstraße eine spürbare Verbesserung erfahren wird. Platz für einen „lebenden“ Grünen Baum – und sogar für mehrere davon – wird es dabei wohl auch geben.