Jeder Abstrich nur eine Momentaufnahme

Um die Corona-Pandemie einzudämmen, wird nun auch im Kreis Emmendingen fleißig getestet

Kreis Emmendingen (dgo). Mit dem langen Stäbchen tief in die Nasenlöcher hinein. Dort mit kurzen kreisenden Bewegungen den Abstrich nehmen. Den Stab anschließend in die Flüssigkeit tauchen und rühren. Und dann mehrere Tropfen in das kleine Loch der Plastikkassette träufeln. Ein Strich heißt negativ, zwei Striche positiv.

Ob bei der Arbeit, in der Schule, im Testzentrum oder Zuhause: regelmäßige Corona-Tests gehören mittlerweile zum Alltag. So richtig vergegenwärtigt wurde einem dies in der Osterzeit. Rund um die Feiertage wurden so viele Abstriche genommen wie noch nie. Vor dem Familienbesuch unterzog man sich einfach einem Test. Damit reduzierte man das Risiko einer unbewussten Übertragung. Die Osterfeiertage liefen dadurch deutlich entspannter ab. Welch ein signifikanter Unterschied zum letztjährigen Weihnachten!

Selbsttest oder Schnelltest?

Im Kreis Emmendingen wird nun ebenfalls flächendeckend getestet. Als Privatperson hat man zwei Möglichkeiten, einen Abstrich zu machen. Zum einen gibt es die Selbsttests. Die Plastiksets bestehend aus Stäbchen, Testkassette und Röhrchen sind auf dem Markt keine Mangelware mehr. Erhältlich sind sie nicht nur in Apotheken, sondern auch in Supermärkten. Entsprechend sind auch die Preise gefallen. Selbsttest-Kits bekommt man ab fünf Euro. Die Anwendung ist simpel. Im Internet existieren überall Erklärvideos. Und: bei einem Selbsttest ist man nicht an Ort und Zeit gebunden. Vor einem Treffen kann man sich beispielsweise im Auto testen.

Zum anderen betreibt im Landkreis nahezu jede der 24 Städte und Gemeinden ein eigenes Schnelltestzentrum. Meist befinden sie sich in großen öffentlichen Gebäuden. Dort wird der Abstrich von geschulten Mitarbeitern vorgenommen. Das Ergebnis bekommt die Testperson fünf bis zehn Minuten nach dem Besuch digital zugesandt – und zwar in Form eines Zertifikats. Bezahlen muss man für den Schnelltest nicht. Über die Bundestestverordnung erhält jeder Bundesbürger einen Abstrich pro Woche gratis. Auch Apotheken und Ärzte bieten diesen Service an. Anders als bei den Impfungen erhält man relativ schnell einen Termin. Die Anmeldung ist viel weniger kompliziert. Die Zertifikate dürften in den kommenden Wochen an Bedeutung gewinnen. Man kann davon ausgehen, dass man bald ein negatives Testergebnis vorlegen muss, um an Veranstaltungen teilnehmen zu können, bei denen Menschen zusammenkommen.

Landkreis betreibt zwei Testzentren

„Die Schnelltests spielen in der Bewältigung der Corona-Pandemie und auf dem Weg in eine Normalität eine wichtige Rolle“, betont Hanno Hurth. Der Landrat nutzt momentan jeden öffentlichen Auftritt, um auf das Testen aufmerksam zu machen. In Zusammenarbeit mit dem Deutschen Roten Kreuz hat der Landkreis zwei Zentren aufgebaut. Das eine befindet sich im Industriegebiet in Malterdingen, das andere steht auf dem Betriebsgelände der Firma Sick in Waldkirch. Beide Einrichtungen sind täglich mehrere Stunden geöffnet. Termine buchen kann man über die Homepage des Landkreises.

Zwischen dem 12. und 25. März wurden in den beiden Kreisschnelltestzentren 3.265 Abstriche vorgenommen. Nur neun davon waren positiv. Der mit Abstand größte Teil der Testpersonen kam über die Bundestestverordnung. Dazu kamen Lehrer, Erzieher oder auch Grenzpendler. Die Auslastung lag bei 70 bis 80 Prozent. Dies änderte sich jedoch vor und während der Feiertage. An Ostern waren die Zentren oft ausgebucht. Beide Einrichtungen deswegen waren länger geöffnet als üblich.

Teststellen in den Gemeinden

Mit dem Spruch „Testen, testen, testen“ wirbt auch Emmendingens OB Stefan Schlatterer bei jeder Gelegenheit für die Abstriche. Im Rathaus nehme man bei jedem Mitarbeiter dreimal wöchentlich einen Abstrich. Getestet würden außerdem die pädagogischen Fachkräfte in den Einrichtungen. Bisher habe es keinen positiven Fall gegeben. Zusätzlich unterstützte die Stadt die örtlichen Unternehmen bei der Schulung von Test-Personal. Nur: in den Schulen im Stadtgebiet wurde bisher noch relativ wenig getestet. Dies dürfte sich nach dem Wiedereinstieg in der zweiten Woche nach den Osterferien ändern. Nach der Strategie des Landes sollen alle Schüler zweimal pro Woche getestet werden.

Bis auf wenige Ausnahmen betreibt nahezu jede der 24 Kommunen eine eigene Teststelle. Das Jugendhaus in Emmendingen war eine der ersten davon. Bis zum 27. März ließen sich dort 536 Privatpersonen einen Abstrich nehmen. Alle Ergebnisse waren negativ. Seit einigen Wochen existiert auf dem Festplatz ein zweites Zentrum. Dort kann man sich aus dem Auto heraus testen lassen. Eine dritte Teststelle ist bereits in Planung. Aufgebaut werden soll es beim Lidl-Markt im Stadtteil Bürkle-Bleiche. „Im Moment kann die Ansteckungskette, vor allem durch erkrankte Menschen ohne Symptome, nur unterbrochen werden, wenn flächendeckend getestet wird“, sagt Schlatterer. Er empfehle also, das kostenlose Angebot zu nutzen.

Negativtest ist kein Freifahrtschein

Ob nun Selbsttest oder Schnelltest – wer ein positives Ergebnis hat, muss sich umgehend in Quarantäne begeben und sich mit dem Hausarzt in Verbindung setzen. Weil beide Tests lediglich auf dem Antigen-Prinzip beruhen, bekommt man dort sicherheitshalber einen PCR-Tests verordnet. Nur hier können Fehler ausgeschlossen werden. Es erfolgt dann ein weiterer Abstrich. Die Probe wird in einem Labor untersucht. Das Erbmaterial der Viren wird hierbei stark vervielfältigt. Damit kann es auch nachgewiesen werden, wenn es nur in geringen Mengen vorhanden war. Rund 48 Stunden braucht es, bis das Ergebnis übermittelt werden kann.

Wer beim Selbst- oder Schnelltest ein negatives Ergebnis bekommt, erhält nicht automatisch einen Freifahrtschein. Nach wie vor besteht ein gewisses Risiko, dass die Person mit dem Virus infiziert ist – der Test also falsch negativ reagiert hat. Die üblichen Schutzmaßnahmen wie Maske oder Hygieneregeln müssen weiter beachtet werden. Selbst- und Schnelltests sind immer nur eine Momentaufnahme. Bereits nach etwas sechs Stunden, spätestens aber am nächsten Tag, ist ein negatives Ergebnis nicht mehr aussagekräftig.

Der Grund: wer sich bereits mit dem Virus infiziert hatte, trägt zunächst eine geringe Virenlast, die noch keine Beschwerden auslöst und von den Tests nicht anerkannt wird. Sie steigt jedoch meist rasch an und würde bei einem erneuten Test am Folgetag möglicherweise schon erkannt. Selbsttests und Schnelltests eignen sich daher nur für kurzfristige Ereignisse, wie einen sofortigen Besuch bei gefährdeten Verwandten. Er setzt viel Eigenverantwortung voraus, denn das Ergebnis kennt zunächst nur der Tester.