Kriminalstatistik mit Corona-Effekt

2020 wurden in Bad Krozingen insgesamt 885 Straftaten registriert – 88 Fälle weniger als im Jahr zuvor

Bad Krozingen. Pandemiebedingt könne man die Zahlen des Jahres 2020 nicht mit denen der Vorjahre vergleichen, sagte Polizeioberrat Thomas Müller, Leiter des für Bad Krozingen zuständigen Polizeireviers Müllheim, am vergangenen Montag gleich zu Beginn seiner Präsentation der Kriminalstatistik 2020 im Gemeinderat. Mit 885 Straftaten hätten sich im vergangenen Jahr in der Stadt Bad Krozingen 88 Fälle (9 Prozent) weniger Fälle ereignet als im Jahr 2019. Die Aufklärungsquote sei dabei im Fünf-Jahres-Vergleich mit 54 Prozent in etwa gleich geblieben.  

Bezogen auf die Einwohnerzahl habe es in Bad Krozingen deutlich weniger Kriminalität gegeben als in vergleichbaren Städten  Baden-Württembergs oder im Revierbereich Müllheim. Aber, warnte Müller, „wo wir genau hinschauen, gibt es auch Ausschläge“. So rechnet er damit, dass in Bad Krozingen wie bereits in Müllheim die Zahl der aufgedeckten Drogendelikte bei intensiverer Polizeiarbeit ansteigen würde. Die Rauschgiftkriminalität in Bad Krozingen habe sich im Vergleich zum Vorjahr kaum verändert, zu 70 Prozent sei es um den Konsum von Cannabis gegangen.
Bei den meisten Delikten im vergangenen Jahr, insgesamt 269 Fällen, handelte es sich um Diebstähle. Den Rückgang im Vergleich zu den Vorjahren führte Müller auf die Corona-bedingten Einschränkungen zurück. „Ladendiebstähle und Wohnungseinbrüche fanden deutlich weniger statt, weil die Geschäfte zu und die Leute zu Hause waren“, so der Polizeioberrat. Nicht zurückgegangen dagegen seien die Rohheitsdelikte (142) wie Körperverletzung und häusliche Gewalt, die vermehrt unter Alkoholeinfluss begangen worden seien. Große Sorge bereite ihm die Zunahme der Straftaten im Bereich sexuelle Selbstbestimmung. „Da muss man hinschauen, das muss auf Null“, appellierte der Polizeioberrat eindringlich, „Prävention ist hier sehr wichtig.“ 
Die fortschreitende Aufklärung des Verfahrens des umfangreichen Kindesmissbrauchs in Nordrhein-Westfalen habe Auswirkungen auch für die Region. „Missbrauchte Kinder fallen auf. Oft sind es Kleinigkeiten, die man richtig deuten muss. Mit Sensibilität kann man vielleicht etwas verhindern“, so Müller.
Bei der Mehrzahl der 423 überführten Straftäter handelte es sich nach den Angaben des Polizeioberrates um Erwachsene (356). Von den nichtdeutschen Tatverdächtigen hätten mehr als ein Viertel, nämlich 127, die französische Staatsangehörigkeit gehabt, 110 den Wohnort in Frankreich. Die überwiegende Mehrheit der Tatverdächtigen sei aus europäischen Ländern gekommen, eine Zunahme Straftaten durch Asylsuchende und Flüchtlingen habe es nicht gegeben, so Müller.
Die Zahl der Fahrraddiebstähle habe 2020 nicht zugenommen, erklärte er auf Nachfrage von Volker Schmitt (KBF). Dieser fragte auch nach einer Verstärkung des Polizeipostens, sollte Bad Krozingen Große Kreisstadt werden. In Bad Krozingen gebe es durch den Streifendienst immer so viel Polizeipräsenz wie in Müllheim, so Müller, im Polizeiposten selbst bearbeite man die Straftaten. Im Stadtbild sichtbare Streifen von uniformierten Beamten würden zwar möglicherweise die gefühlte Sicherheit der Bürger erhöhen, aber nicht unbedingt Straftaten verhindern. Der Leiter des Müllheimer Polizeireviers bedankte sich abschließend bei der Stadt für die gute Zusammenarbeit, insbesondere mit dem kommunalen Ordnungsdienst. „Der ist Gold wert, denn er ist immer dort und kennt sich aus“, so Müller.  Andrea Hagemann-Raffs