„Es könnte ein unbeschwerter Sommer werden“

Aufgrund der niedrigen Inzidenzzahlen hat das Land die Corona-Regeln nochmal gelockert – Kreis Emmendingen in neuer 35er-Inzidenz-Stufe

Kreis Emmendingen. In mehr als zwei Drittel aller Stadt- und Landkreise in Baden-Württemberg liegt die Inzidenz unter 35. Angesichts der sinkenden Zahlen hat die Landesregierung letzte Woche weitere Lockerungen beschlossen – für private Treffen und Feiern, in Kultur und Sport sowie bei der Testpflicht.

„Es könnte ein unbeschwerter Sommer werden“, sagte Gesundheitsminister Manne Lucha nach der Kabinettssitzung an Fronleichnam. Die momentane Entwicklung böte „Anlass zur Hoffnung, dass die Zahl der Geimpften steigt und auch die Inzidenzen sinken“. Dennoch müsse klar sein, dass man „noch immer in der Pandemie“ sei. Die neue Verordnung enthalte zwar Erleichterungen in vielen Bereichen, doch seien diese immer abhängig vom Infektionsgeschehen. Einmal mehr seien „alle gefragt, mit den Lockerungen verantwortungsvoll umzugehen“. „Wie sich die Pandemie über den Sommer entwickelt, haben wir alle zum großen Teil selbst in der Hand“, so Lucha.

Kindergeburtstage wieder möglich

Vorgestern, also am Montag, trat die Änderung der Verordnung in Kraft. Der Eintritt in die Öffnungsstufe 3 ist nun schneller möglich. In Stadt- und Landkreisen muss die 50er-Marke nur noch fünf statt 14 Tage lang hintereinander unterschritten werden. Ab der Stufe 3 können private Treffen dann wieder in größerem Rahmen stattfinden. Bei Ansammlungen, Zusammenkünften und privaten Veranstaltungen sind bis zu zehn Personen aus drei Haushalten erlaubt. Kinder bis 14 Jahren zählen nicht mit. Zusätzlich dürfen bis zu fünf weitere junge Menschen bis 14 Jahren aus beliebig vielen Haushalten hinzukommen. Damit ist der Weg für kleinere Kindergeburtstage wieder frei.

Gelockert werden außerdem die Beschränkungen für Vortrags- und Informationsveranstaltungen. In der Öffnungsstufe 1 können sie von 100 Personen im Freien besucht werden. In Stufe 2 sind 250 Personen im Freien und 100 Personen in geschlossenen Räumen erlaubt. Und in Stufe 3 sind bis zu 500 Personen im Freien und 250 Personen in geschlossenen Räumen möglich. Im Rahmen der Öffnungsstufen 2 und 3 können Vergnügungsstätten, Spielhallen, Spielbanken und Wettbüros wieder betrieben werden. In der Öffnungsstufe 3 dürfen Cafés, Kneipen und Restaurants bis 1 Uhr nachts geöffnet bleiben.

Organisierter Vereinssport ist nunmehr auch außerhalb von Sportanlagen möglich, wenn die Personenobergrenzen der jeweiligen Öffnungsstufen eingehalten werden. Im Bereich des Amateursports sind zudem wieder Wettkampfveranstaltungen möglich. Es dürfen also wieder Vereine gegeneinander antreten. Bisher waren diese nur dem Profi- und Spitzensport gestattet.

Im Freien keine Tests mehr

Ganz neu eingeführt hat die Landesregierung außerdem die Inzidenzstufe 35. Sie ermöglicht weitere Erleichterungen, wenn der Schwellenwert an fünf aufeinanderfolgenden Tagen unterschritten wird. Wichtig: es entfällt die Pflicht zur Vorlage eines Test-, Impf- oder Genesenen-Nachweises bei den oben genannten Veranstaltungen, Angeboten und Einrichtungen – sofern sie im Freien stattfinden. Im Kreis Emmendingen braucht man für den Besuch des Freibads, der Außengastronomie oder einer Open-Air-Kulturveranstaltung seit Montag keine Bescheinigung mehr.

In der neuen Inzidenzstufe 35 dürfen in gastronomischen Einrichtungen bis zu 50 Personen wieder gemeinsam feiern. Voraussetzung ist, dass die Teilnehmer einen Test-, Impf- oder Genesenen-Nachweis vorzeigen. Somit können beispielsweise auch wieder kleinere Hochzeiten oder Familienfeiern stattfinden. Der Gastronomiebetrieb wiederum muss sich an strenge Hygienevorgaben halten. Ausnahme: nach wie vor nicht erlaubt sind Tanzveranstaltungen.

Gelockert werden in der neuen Stufe auch die Besucherzahlen. Kulturveranstaltungen, Vortrags- und Informationsveranstaltungen, Gremiensitzungen, Veranstaltungen, die der Aufrechterhaltung des Arbeits-, Dienst- oder Geschäftsbetriebs oder der sozialen Fürsorge dienen, sowie Wettkampfveranstaltungen des Amateur-, Profi- und Spitzensports sind im Freien mit bis zu 750 Besucherinnen und Besuchern zulässig. Der Betrieb von Messe-, Ausstellungs- und Kongresszentren ist mit einer Flächenbegrenzung von sieben Quadratmetern pro Besucherin oder Besucher gestattet.

Aufatmen können außerdem Schülerinnen und Schüler. Die Vorlage eines von der Schule bescheinigten negativen Tests, der maximal 60 Stunden zurückliegt, ist für den Zutritt zu allen zulässigen Angeboten ausreichend. Dank der Ausweitung dieser Zeitspanne müssen sich Kinder und Jugendliche damit nicht mehr jeden Tag testen lassen. Beispielsweise hatten Eltern und Vereine darüber geklagt, dass der Aufwand und die Kosten für die täglichen Testungen viel zu hoch seien.

Situation im Kreis

Was die Inzidenz anbelangt, erfüllt der Kreis Emmendingen alle oben genannten Voraussetzungen. Seit Wochen bereits liegen die Zahlen deutlich unter dem Landesschnitt. Phasenweise hatte der Kreis sogar den niedrigsten Wert in Baden-Württemberg. Seit dem 17. Mai liegt man konstant unter 35. Nach einem kontinuierlichen Herabgleiten der Werte hat sich die Inzidenz nunmehr bei etwa 16 bis 18 eingependelt. Am gestrigen Dienstag lag sie bei stabilen 16,8. Zwei Personen liegen wegen Covid19 im Krankenhaus – eine davon wird intensiv betreut.

„Die Infektionszahlen stabilisieren sich auf niedrigem Niveau“, hieß es am Freitag im wöchentlichen Lagebericht des Gesundheitsamtes. Im Laufe der letzten Woche sei eine Kita-Gruppe betroffen gewesen. Andere relevante Häufungen habe man nicht verzeichnet. Die Zahl enger Kontaktpersonen in häuslicher Quarantäne und Überwachung gehe zurück. Aktuell seien es 32. Bemerkenswert bleibe jedoch, dass „in etwa einem Drittel der neuen Fälle keinerlei Infektionsquelle ermittelt werden konnte“. Dies spreche nach wie vor für ein „in gewissem Umfang fortbestehendes freies unkontrolliertes Auftreten“. In elf der 24 Städte und Gemeinden habe man Infektionen registriert.

Grund für die geringen Zahlen im Kreis Emmendingen ist auch die hohe Impfquote. Zu Beginn des Monats Mai hatte mehr als jeder zweite Einwohner mindestens die Erstimpfung hinter sich. Damit führt man landesweit das Feld an. Im Kreisimpfzentrum Kenzingen wurden bisher 53.984 Spritzen gesetzt (davon 16.477 Zweitimpfungen), in den 100 Impfpraxen etwas mehr als 30.000 (davon 7.500 Zweitimpfungen). Seit Montag gibt es deutschlandweit – und damit auch im Kreisimpfzentrum – keine Priorisierung mehr. So kann sich jeder, der mindestens zwölf Jahre alt ist, um einen Termin bewerben. Da der Impfstoff weiterhin knapp ist, dürfte jedoch nach wie vor Geduld gefragt sein. Daniel Gorzalka